Patricia Müller vor der Wahl
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Vor der Wahl von Patricia Müller (Mitte) zur Greifenberger Bürgermeisterin herrschte noch eitel Sonnenschein mit Klaus Röder (links) und Bernhard Heinemann (rechts). Sie werfen Müller jetzt „autoritären Führungsstil“ vor und sind aus der LWD-Fraktion ausgetreten.

Die „persönlicher Befindlichkeiten“

Es knirscht gewaltig im Greifenberger Ratsgetriebe

  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Greifenberg – Disharmonie und Spannungen stehen zwar nicht auf der Agenda des Greifenberger Gemeinderats, beherrschen aber derzeit die Sitzungen. Nach dem Austritt der zwei Gemeinderäte Bernhard Heinemann und Klaus Röder aus der bisher stärksten Fraktion hängt der Haussegen schief. Die Wählergruppe LWD „L(i)ebenswertes Dorf“ schrumpfte damit von fünf auf drei Sitze, weshalb Bau- und Finanzausschuss neu besetzt werden müssen. Das klappte weder im ersten noch im zweiten Anlauf.

Ursprünglich war die Gruppierung LWD eine Art „Dorf-Verschönerungsverein“, der sich um Grünflächen kümmerte und Ideen für die Gestaltung der Ortsmitte in den Gemeinderat einbrachte. Patricia Müller, die jetzige Bürgermeisterin, saß damals für die „Aktive Gemeinde“ im Gremium und machte sich stark für die LWD-Anliegen, die auch Bernhard Heinemann und Klaus Röder mitentwickelt hatten. Aus dieser „Grundlagenarbeit“ formierte sich die LWD-Wählergruppierung, die bei den Kommunalwahlen 2020 auf Anhieb stärkste Fraktion wurde – mit den Gemeinderäten Dr. Bernhard Gall, Bernhard Heinemann, Gernot Langenbeck, Klaus Röder und Friedrich Wendorff sowie Patricia Müller als erste Bürgermeisterin.

Mit der ursprünglichen Harmonie der Gruppierung war es endgültig vorbei, als Bernhard Heinemann im Juli dieses Jahres als LWD-Vorstand zurücktrat und kurz darauf zusammen mit Klaus Röder auch der LWD-Fraktion den Rücken kehrte. Ein klares Misstrauensvotum gegenüber der Bürgermeisterin, der Heinemann mangelnden Willen an einer engen Zusammenarbeit absprach.

Er monierte eine „klar organisierte Struktur und Strategie“ bei Themen wie Gewerbegebiet, Wohnungsbau, soziale Entwicklung oder Ortsentwicklung. Zudem gebe es „erhebliche Kommunikationsprobleme in der Gruppe der Gemeinderäte“. Versuche, die Differenzen zu klären, seien gescheitert. Heinemann: „Da in der jetzigen Konstellation des LWD keine Fortschritte erreichbar sind, trete ich vom Vorsitz zurück“. Den Austritt aus der Fraktion zusammen mit Klaus Röder begründete er mit dem teils „autoritären Führungsstil“ der Bürgermeisterin, der das gemeinschaftliche Miteinander vermissen lasse. Speziell bei der Weiterentwicklung des Gewerbegebiets fehle eine Verständigung mit dem Bauausschuss.

Um hier die Missverständnisse auszuräumen, hatte Bürgermeisterin Müller eine zweitägige Klausur aller Gemeinderäte mit dem Schwerpunkt Baurecht vorgeschlagen. Trotz ursprünglich 100-prozentiger Zustimmung des Gremiums wurde der Termin in der letzten Sitzung gekippt und zu einem eintägigen Meeting am 16. Oktober abgespeckt. Müller: „Schade, denn die Zweitagesklausur hätte sicher viel zu einer längst fälligen Teambildung beigetragen.“ Bei einem abendlichen Glas Wein ließen sich Probleme und Fehlinterpretationen leichter klären.

Bei der aktuellen Gemeinderatssitzung ging es vor allem um die durch den Fraktionsaustritt von Heinemann und Röder fällige Neubesetzung von Bau- und Finanzausschuss. Das war bei der letzten Sitzung schief gelaufen, als man Heinemann und Röder einfach durch andere LWD-Mitglieder ersetzen wollte. Die Verwaltung war irrtümlich von gleichbleibenden Mehrheitsverhältnissen ausgegangen, weil man die Zahl der Wählerstimmen und nicht die Sitze im Gemeinderat zugrunde gelegt hatte. Darum waren diesmal zur Richtigstellung Maximilian Schuler von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes und Geschäftsstellenleiterin Sandra Meißner anwesend, die den Fehler bei der Berechnung auf sich nahm.

Entscheidend für die künftige Neubesetzungen ist, wie und wo die jetzt fraktionslosen Heinemann und Röder ihre Zukunft sehen: Bleiben sie Einzelkämpfer oder treten sie gemeinsam beziehungsweise getrennt anderen Gruppierungen bei? Möglich sei auch eine Erhöhung der Sitze in den Ausschüssen. Auf jeden Fall, so Schuler, müssten die Neubesetzung oder eben Änderungen in den Ausschüssen einstimmig beschlossen werden. In der Oktober-Sitzung sollen nunmehr Nägel mit Köpfen gemacht werden, wenn sich Heinemann und Röder zu ihrer Zukunft äußern.

Im Gemeinderat ist man längst nicht mehr erbaut über das wohl aus persönlichen Befindlichkeiten agierende „Kontrollgremium“ von Heinemann und Röder, das die Arbeit der Bürgermeisterin und des Rates verzögert und erschwert. „Das nervt gewaltig“ heißt es hinter vorgehaltender Hand. Da würden sogar über Nichtigkeiten und Formulierungen in den Sitzungsprotokollen Diskussionen angezettelt, anstatt sich auf die Tagesordnung zu konzentrieren.

Quelle: Kreisbote

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