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Freiwillig mit 30 durch Schondorf

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Von: Dieter Roettig

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Bürgerinitiative freiwillig Tempo 30 durch Schondorf
Zwanzig Banner zum Thema „Freiwillig 30“ hat eine Bürgerinitiative entlang der Straße durch Schondorf angebracht. Mit dabei sind (kniend) Rainer Jünger (links) und Leo Ploner (rechts) sowie (stehend, von links) Gemeinderätin Franziska Königl, Bürgermeister Alexander Herrmann, Alexander Hübner, Wilhelm Birkner und Gemeinderat Wolfgang Schraml. © Roettig

Schondorf – Mit Tempo 30 auf der Überholspur und damit als Sieger bei der Umsetzung präsentiert sich der zweite Platz beim BürgerBudget 2022 in Schondorf. Und zwar gut sichtbar auf zwanzig Riesenbannern, die entlang der ortsdurchquerenden Staatsstraße St2055 an Gartenzäunen angebracht wurden. Damit sollen die Autofahrer animiert werden, freiwillig vom Gas zu gehen und nur mit Tempo 30 durch Schondorf zu fahren.

Wie mehrfach berichtet, quälen sich täglich 17.000 Fahrzeuge durch die Gemeinde und stellen eine große Belastung für alle Lebensbereiche mit Lärm, Abgasen und Feinstaub dar. Seit Jahren bemüht man sich um Lösungen, wie man den Extremverkehr in den Griff bekommen kann. Aber für Vorschläge wie Geschwindigkeitsbegrenzung, Tempotunnel, mehr Querungshilfen, Rechts-vor-Links-Lösungen, Bedarfsampeln, breitere Gehsteige, begrünte Fahrbahnteiler, Kreisverkehre oder begleitende Radwege braucht man die Zustimmung des Straßenbauamtes in Weilheim, das die Hoheit über die Staatsstraße hat. Ein Okay der Behörde oder zumindest Verbesserungs- und Aufwertungsmaßnahmen bedürfen eines nimmermüden Kraftaktes, da an einer Staatsstraße so gut wie nie „rumgedoktert“ werden darf. Das Ziel einer Staatsstraße sei schließlich, schnell von A nach B zu kommen.

Trotz den vollmundigen Versprechungen der großen Politik, sich mehr für die Belange der Bürger einzusetzen, hat sich in Schondorf noch nichts getan. Das haben einige Bürger jetzt selbst in die Hand genommen. Im Rahmen eines Workshop-Projekts der Gemeinde hat sich mit Maria Schweizer, Leo Ploner, Friedrich Schweizer, Alexander Hübner und Rainer Jünger eine Initiative formiert, die mit besonderen Aktionen auf das Dauerproblem aufmerksam machen will. Damit soll explizit auch die Verhandlungsposition von Bürgermeister Alexander Herrmann beim Staatlichen Bauamt in Weilheim gestärkt werden, der seit langem schon die meist frequentierte Straße am Ammersee-Westufer „entschleunigen“ will.

Die Idee mit den Bannern und zusätzlichen Autoaufklebern „Freiwillig 30 - Schondorf zuliebe“ wurde von den Initiatoren beim aktuellen BürgerBudget eingereicht und kam beim Publikumsvotum auf den zweiten Platz. Bis zur Abstimmung im Gemeinderat über eine eventuelle Finanzierung der Aktion wollte man nicht warten und ging in Vorleistung. Bislang wurden zwanzig Riesenbanner auf wetterfesten Spezialplanen gedruckt und mit Einwilligung der Hausbesitzer entlang der Staatsstraße angebracht. Wie man in den ersten Tagen beobachten konnte, bremsen die meisten Autofahrer schon deshalb ab, um die verschiedenen Slogans auf den unübersehbaren Bannern lesen zu können.

Einer heißt „Für eine Neugestaltung der Ortsmitte“ und möchte mit weniger Verkehrsaufkommen die Aufenthaltsqualität im Zentrum erhöhen. Weitere Slogans wie „Für die Sicherheit unserer Kinder“ oder „Autos und Radfahrer auf Augenhöhe“ sollen darauf aufmerksam machen, dass Schul- und Kindergarten-Kids die gefährliche Staatsstraße häufig überqueren müssen. Banner und Aufkleber kann man übrigens über die Webseite www.freiwillig30.de anfordern.

Dass man freiwillig Tempo 30 fahren darf und damit nachfolgende Autofahrer eventuell ausbremst, haben sich die Initiatoren von Verkehrsexperten bestätigen lassen.

Tempo 30 in Greifenberg

Was bezüglich einer Temporeduzierung auf Staatsstraßen nicht ohne das Staatliche Bauamt geht, ist bei Gemeindestraßen möglich. Hier liegt die Hoheit beim Gemeinderat wie im Nachbarort Greifenberg, der zur Verwaltungsgemeinschaft Schondorf gehört. In der aktuellen Sitzung wurde mit 8:5 Stimmen die Einführung einer Tempo 30-Zone in den Ortsteilen Greifenberg und Neugreifenberg beschlossen. Damit konnte laut Bürgermeisterin Patricia Müller dem seit Jahren immer wieder geäußerten Wunsch der Bürger zu einer Verkehrsberuhigung nachgekommen werden. Der Antrag an den Gemeinderat kam von Bernhard Heinemann, damals noch Mitglied vom L(i)ebenswerten Dorf LWD.

Der von den Bürgern geforderten Einführung einer Tempo 30-Zone auch in den Ortsteilen Beuern und Painhofen konnte nicht entsprochen werden. Bürgermeisterin Müller bot aber an, bei einer Ortsteilbürgerversammlung mögliche Varianten einer Verkehrsberuhigung zu diskutieren.

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