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Neubau am sensibelsten Standort Landsbergs

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Von: Ulrike Osman

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Landsberg - Bayertor - Anbau
Dieses Modellfoto aus dem Atelier Lüps zeigt, wie sich die geplante neue Bebauung (links) am Bayertor darstellen wird. © Lüps

Landsberg – Ein Neubau neben dem Bayertor – das Thema hat eine lange Geschichte. Schon in den letzten beiden Stadträten wurde darüber diskutiert, zu einer Realisierung kam es jedoch nie. Jetzt aber liegt eine Planung vor, die von maßgeblichen Stellen mit Wohlwollen betrachtet wird. Der Bauausschuss des Stadtrats, der Gestaltungsbeirat, die Bauverwaltung und der Denkmalschutz äußerten sich positiv zum geplanten Wohn- und Geschäftshaus. 

Ein prominenterer und sensiblerer Standort ist selbst in der Altstadt kaum zu finden. Der Neubau soll auf der freien Fläche entstehen, die nördlich ans Bayertor und östlich an die Stadtmauer angrenzt. Geplant sind drei Wohnungen und eine Gewerbeeinheit, Tiefgarage, Wintergarten, Freisitz und Pool, wobei die Außenanlagen mit dem Nachbaranwesen gemeinsam genutzt werden sollen. Dort ist das „Gemeindepsychiatrische Zentrum Landsberg“ der Caritas untergebracht.

Im Gegensatz zu einem früheren Entwurf, der sieben Wohnungen vorsah, nimmt sich die neue Planung zurückhaltender aus. Die Gebäudetiefe orientiert sich an der Bebauung südlich des Bayertors, so dass aus Sicht der Verwaltung beidseitig zu dem historischen Wahrzeichen eine harmonische Optik entsteht. Katja Kaus, Referatsleiterin Technische Bauaufsicht, sprach im Bauausschuss von einem schlichten Baukörper mit ruhiger, unaufdringlicher Fassadengestaltung, der optisch nicht in Konkurrenz zu der geschichtsträchtigen Toranlage trete.

Auch der Gestaltungsbeirat lobt in seiner Stellungnahme die „ausgewogene Kubatur mit dem Bayertor“. Das Landesamt für Denkmalpflege hat ebenfalls Zustimmung signalisiert, weist aber darauf hin, dass unter dem Grundstück Bodendenkmäler schlummern könnten und der Bau der Tiefgarage deshalb archäologisch begleitet werden müsse – inklusive umfassender Beweissicherung. Die Tiefgarage soll drei Stellplätze bieten, die Autos werden auf einer Palette hinuntergefahren.

Diverse Abweichungen vom Bebauungsplan wurden befürwortet und vom Bauausschuss einstimmig abgesegnet. Wände und First dürfen höher ausfallen (plus 1,90 beziehungsweise 1,55 Meter), Baufenster und Baugrenze können vom Wintergarten und der Tiefgarage überschritten werden. Die Fenster müssen, anders als die Altstadtsatzung vorschreibt, keine horizontale Teilung aufweisen. Eine Firstverglasung wird ausnahmsweise erlaubt, ebenso eine Abweichung von den vorgeschriebenen Abstandsflächen.

„Der Entwurf könnte sich gut umsetzen lassen“, befand Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Sie lobte die abgespeckte Planung und die Tatsache, dass das Gebäude im Vergleich zum vorigen Entwurf um sechs Meter gekürzt worden sei. „Es besteht Baurecht an der Stelle“, unterstrich Baumgartl.

Weil das so ist, habe die Stadt keinen Einfluss darauf, ob historisiert oder modern gebaut werde, ergänzte Jonas Pioch (Landsberger Mitte). Gleichzeitig mahnte er grundsätzlich zur Einhaltung der Altstadtsatzung. Wenn man immer wieder Abweichungen genehmige, bewege man sich in Richtung einer faktischen Aufhebung der Satzung. „Prominenter als dieser Standort geht es nicht mehr“, so Pioch. Man müsse verhindern, dass sich daraus eine „Strahlkraft“ auf die ganze Stadt entwickele.

Präzedenzfall?

Während die Verwaltung die Gefahr eines Präzedenzfalls verneint, sieht Stadtheimatpfleger Stefan Paulus genau diese. „Es entsteht natürlich ein Präzedenzfall mit Vorbildfunktion. Man wird sich später schwertun, bestimmte Dinge zu genehmigen oder nicht zu genehmigen“, sagte Paulus im Bauausschuss. Der Neubau werde geteilte Meinungen hervorrufen und Begehrlichkeiten wecken. „Es ist zu garantieren, dass sich keine Spirale entwickelt.“

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