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Impfen: Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage

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Von: Susanne Greiner, Andrea Schmelzle

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Corona-Impfung
Das Interesse an Auffrischungsimpfungen ist groß. Für Impfzentren und Arztpraxen wird es gerade schwierig, dem nachzukommen. © Symbolfoto: Panthermedia

Landkreis – Es wird geboostert: Das Interesse an Auffrischungsimpfungen ist groß. Eine Empfehlung gibt es inzwischen für alle. Hausarztpraxen erleben einen Run und die gerade erst aus dem Standby-Modus reaktivierten Impfzentren kommen nicht hinterher. In Bayern ist es gemäß Regierung möglich, sich schon fünf Monate nach der Zweit­impfung eine Auffrischung zu holen. Allerdings nicht immer und überall.

So informierte ein „Booster-Williger“ den KREISBOTEN, dass er versucht habe, in Penzing telefonisch einen Termin zu ergattern – ohne die vollen sechs Monate erreicht zu haben. Dort habe man ihn aber darauf hingewiesen, dass man, gemäß STIKO-Empfehlung, erst nach sechs Monaten boostere. Komme er früher, werde er wieder weggeschickt. Dass man im Impfzentrum Penzing weggeschickt werde, sollte die Zweitimpfung nicht sechs Monate her sein, war auch in den Sozialen Medien zu lesen.

Dem widerspricht der Pressesprecher des Landratsamtes Landsberg Wolfgang Müller: „Auffrischungsimpfungen werden bei uns frühestens fünf Monate nach vollständigem Impfschutz durchgeführt“, ist in einer Pressemeldung zu lesen. Personen, die früher kommen, könnten nicht geimpft werden, darauf weist das Impfzentrum Penzing ausdrücklich hin.

„Da sind wir dann rigoros“, so Müller. Immerhin gebe es noch 70-Jährige, deren Zweitimpfung länger her sei und die noch aufs Boostern warteten.

Im Impfzentrum des Nachbarlandkreises Starnberg wird ebenfalls fünf Monate nach vollständigem Impfschutz geboostert. Aber: „Wenn auch nur ein Tag fehlt, geht‘s nicht“, sagt Stefan Diebl, Pressesprecher des dortigen Landratsamtes. Unter anderem deshalb, weil für fünf Monate eine Haftungsfreistellung vorliegt – für geringere Zeitspannen nicht.

„Wir boostern nach sechs Monaten“, sagt hingegen der Pressesprecher des Landratsamtes Ostallgäu Stefan Leonhart. „Wenn jemand ein paar Tage zu früh kommt, lassen wir aber schon mal Fünfe grade sein.“ Grundsätzlich werde stets die vulnerable Gruppe vorgezogen.

Hochbetrieb herrscht bei allen Impfzentren. Zum einen führt die angespannte Coronalage bei bisher Unentschlossenen dazu, sich impfen zu lassen. Diese Zahl ist aber im Vergleich zu den Booster-Impfungen eher gering. Aber egal, für welche Impfung: einen Termin zu bekommen, ist derzeit nicht leicht.

Wunschtermin?

Die bayernweit zentral geschaltete Online-Plattform www.impfzentren.bayern ermöglicht Impfinteressierten die Buchung eines Wunschtermins in einem Impfzentrum ihrer Wahl. Entsprechende Terminslots werden von den Impfzentren freigeschaltet – sofern verfügbar. Immer wieder erreichen die KREISBOTEN-Redaktion Anrufe, dass es offenbar nicht so laufe wie versprochen.

So sei erst vor einigen Tagen ein 65-Jähriger Landsberger, der einen Termin für seine Booster-Impfung bekommen wollte, von Mitarbeitern des Impfzentrums Penzing abgewiesen worden. Erst habe es geheißen, der früheste Termin sei in vier Wochen möglich, allerdings könne man nicht so langfristig planen. Und beim nächsten Anruf seien plötzlich bis Ende Februar alle Termine angeblich verplant gewesen.

„Ich vermute, dass es uns da allen gerade ähnlich geht“, sagt Starnbergs Pressesprecher Diebl. Über viele Monate sei der Zulauf eher mau gewesen. „Nun ist der Ansturm da.“ Aber man könne den „Schalter“ des Personals nicht einmal schnell in die eine, dann wieder in die andere Richtung legen. Im Sommer Standby, jetzt wieder Vollbetrieb – schwierig, wenn „das Personal gar nicht mehr da ist.“

Im Nachbarlandkreis Ostallgäu sei man mit dem Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes gerade dabei, die buchbaren Termine durch zusätzliche Zeit­slots zu erhöhen, sagt Pressesprecher Leonhart. Ziel sei ein Impfbetrieb an sieben Tagen pro Woche. Aber bis dahin brauche man noch Zeit: Es müsse ja erst einmal Personal rekrutiert werden. „Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran“, so Leonhart.

Im Kreis Weilheim-Schongau könnten aktuell Termine ab Mitte Januar ausgemacht werden, informiert der stellvertretende Pressesprecher Klaus Mergel. Auch hier sei man bemüht, die Impfquote stetig zu steigern und mehr Termine freizuschalten. Auch einige Bürger aus dem Landkreis Landsberg würden sich einen Termin im Impfzentrum Peißenberg holen. Eine Statistik führe man darüber aber nicht.

Klar müsse sein, so die Sprecherin des Landkreises Fürstenfeldbruck Dr. Ines Roellecke, dass „die neue allgemeine Booster-Empfehlung sowie die anhaltende Impfempfehlung eine sechsstellige Zahl an Personen allein in unserem Landkreis anspricht.“ Eine derartige Größenordnung sei nicht in wenigen Tagen zu impfen, sodass eine gewisse Wartezeit nicht zu vermeiden sei.

Grundsätzlich solle sich aber niemand entmutigen lassen, wenn kein Termin angeboten werde, meint Diebl. Schon zwei Tage später könne es ganz anders aussehen. Der Rahmen werde Stück für Stück erweitert. Zudem stehe jedem auch der Weg über Haus- und Fachärzte offen – vielleicht solle das sogar die erste Anlaufstelle sein.

Andrang auch bei Ärzten

Auch Ärzte bekommen den Impf- und Booster-Boom zu spüren – und können nicht immer mithalten. Der Landsberger Hausarzt Dr. Matthias Lüdtke hat noch bis vor Kurzem zweimal pro Woche terminlose Impfungen für alle durchgeführt. Seit letztem Mittwoch schränkt er das Angebot auf eigene Patienten ein. „Der Andrang war zu groß, das klappt einfach nicht mehr.“ Andere Ärzte hätten sich gänzlich aus der Impfkampagne herausgezogen. Geimpft werde in der Praxis Lüdtke verstärkt mit Moderna, weil BioNtech beschränkt wird – wie ja auch im Impfzentrum Landsberg (siehe Seite 1) und auch in den Nachbar-Landkreisen.

Ob Impfzentren, Haus- oder Fachärzte – es sei eine gemeinsame Kraftanstrengung, meint Stefan Diebl. Es tue sich momentan Einiges, damit das Angebot der Nachfrage angepasst werden könne. Vielleicht kommen ja auch noch andere Angebote: Impfbus, Sonderimpftage, Impfen in der Apotheke. Niederschwellig, damit möglichst viele mitmachen.

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