1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landsberg

Kaltenberg: Personalmangel? PULS-Security-Dienst widerspricht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dieter Roettig

Kommentare

PULS Veranstalter Prinz Heinrich und Alexander Wolff
Bei den früheren PULS-Festivals war ihre Welt noch in Ordnung (von links): Heinrich Prinz von Bayern als Hausherr und Vermieter des Kaltenberg-Areals, Veranstalter Alexander Wolff und Projektleiter Andy Barsekow vom Bayerischen Rundfunk. © Roettig

Kaltenberg – Das fünfte PULS-Festival auf dem Schlossgelände von Kaltenberg ist Geschichte, wenn auch mit einem unrühmlichen Finale. Eine unendliche Geschichte wird allerdings die juristische Aufarbeitung des vorzeitigen Abbruchs. Anwälte und Versicherungen haben jetzt die Aufgabe, die Schuldfrage und eventuelle Regressansprüche zu klären.

Wie berichtet, wurde das auf drei Tage angesetzte Musikfestival bereits nach dem ersten Tag und einer nächtlichen Krisensitzung abgebrochen. Der Bayerische Rundfunk als Medienpartner und Programmgestalter nannte als offiziellen Grund den „kurzfristigen Ausfall einer erheblichen Anzahl an Ordnungskräften während der laufenden Veranstaltung.“ Auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden wie Polizei und Feuerwehr sowie nach Rücksprache mit den Verantwortlichen der Gemeinde Geltendorf habe man die Reißleine gezogen. PULS-Projektleiter Andy Barsekow vom BR: „Einen Konzertbetrieb mit einer unzureichenden Anzahl an Sicherheitskräften durchzuführen, wäre unverantwortlich.“

Die viertausend Dauerkarten-Käufer auf dem Campingplatz wurden aufgefordert, ihre Zelte abzubauen und die Heimreise anzutreten. Über Rundfunk und soziale Medien hat man den Abbruch kommuniziert, damit die erwarteten weiteren siebentausend Besucher nicht vergeblich anreisen.

Die Wut der PULS-Fans äußerte sich sogleich in den sozialen Medien. Wobei die veranstaltende Firma Amont Gastro GmbH aus Chieming im Mittelpunkt der Vorwürfe stand. Der KREISBOTE bat Geschäftsführer Alexander Wolff um eine Stellungnahme. Er verwies an seinen Rechtsanwalt Daniel Schlatter. Der Fachanwalt für Veranstaltungsrecht betonte, sein Mandant habe mit dem SSI-Sicherheitsdienst in Wolfratshausen eine vertragliche Vereinbarung, in dem die geforderten Leistungen des Sicherheitskonzeptes verbindlich zugesagt und bestätigt wurden. Daniel Schlatter: „Am Donnerstagabend wurden einige kleinere von den Sicherheitsverantwortlichen aufgedeckte Mängel mit dem Ordnungsdienst besprochen und direkt behoben. Zum Schichtwechsel hin zeigte sich aber, dass avisiertes Personal nicht zum Dienst antrat. Diese Entwicklung setzte sich in den folgenden Stunden fort. Ein Nachbessern des beauftragten Sicherheitsunternehmens erschien unmöglich und aufgeworfene Lösungsoptionen zerschlugen sich. Im Ergebnis wurde das PULS Open Air in den frühen Morgenstunden abgebrochen.“

Kein Personalmangel?

Bezüglich des angeblichen Personalnotstandes widerspricht SSI-Geschäftsführer Stefan Hufnagel gegenüber dem KREISBOTEN: „Unsere Mitarbeiter waren bis zum Abbruch der Veranstaltung am Freitag um 6.30 Uhr vollständig vor Ort.“ Alle eingesetzten Kräfte hätten die gesetzlich geforderte Unterrichtung gemäß § 34a GewO nachgewiesen, das Führungspersonal darüber hinaus die Sachkundeprüfung. Der Abbruch erfolgte ohne Hinzuziehung des Sicherheitsdienstes mit der Begründung, der Veranstalter sei der Meinung, dass die für Freitag und Samstag georderten Kräfte nicht zur Verfügung stehen würden. Eine weitere Stellungnahme lehnte SSI-Chef Hufnagel aus rechtlichen Gründen ab.

Für eine Veranstaltung wie PULS brauche es laut Daniel Schlatter in einem Interview mit dem Münchner Merkur rund 150 Security-Mitarbeiter. Dabei gehe es nicht nur um Einlass- und Taschenkontrollen oder um Einhaltung der Nachtruhe. Besonders wichtig sei die sichere Publikumslenkung durch ein anspruchsvolles Gelände wie es auf Schloss Kaltenberg gegeben sei.

In den sozialen Medien wurde von Campingplatz-Gästen auch bemängelt, dass keine Dixi-Klohäuschen bereitstanden. Die Antwort der Amont Gastro GmbH: „Unsere Veranstaltung hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Wir verzichten deshalb soweit wie möglich auf den Einsatz von Mobiltoiletten und geben wassergespülten Toi­letten den Vorzug.“ Und davon gebe es auf dem Schlossgelände genügend.

Kritisiert wurde auch, dass das bargeldlose Cashless-System erst kurz vor dem Festival per E-Mail bekannt gegeben wurde. Rechtsanwalt Schlatter: „Die Cashless-Information lag schon viel länger in den Internet-FAQs vor. Wir haben am Mittwoch die Gäste nur nochmals darauf hingewiesen, dass das Portal zum Aufbuchen von Guthaben auf die Armbänder geöffnet ist.“ Für die Rückerstattung der Guthaben könne man sich ab sofort auf der Internetseite www.amont-gastro.de registrieren.

PULS 2023 bleibt fraglich

Auf die Frage, ob das PULS-Festival im kommenden Jahr eine Neuauflage erfährt, antworteten Veranstalter Amont Gastro GmbH und Bayerischer Rundfunk ähnlich. Julia Perz vom BR: „Ob die Reihe fortgesetzt wird, können wir erst nach abgeschlossener Aufarbeitung beantworten. Wir wünschen es uns natürlich sehr für unsere tolle Community, damit sie wieder angesagte Bands in der tollen Atmosphäre von Schloss Kaltenberg erleben kann.“ Anwalt Schlatter: „Wir wünschen uns das ebenfalls, denn Schloss Kaltenberg ist ein sehr schöner Veranstaltungsort. Wir können generell auf ein sehr gutes Team bauen und möchten unserer Fangemeinschaft auch in Zukunft ein tolles Festival bieten.“

Für das abrupte Ende von PULS 2022 entschuldigt sich der Veranstalter ausdrücklich: „Wir bedauern die eingetretene Entwicklung und das damit verbundene Ergebnis zutiefst. Mit großer Kraft und vereinten Kräften haben wir die Veranstaltung trotz schwieriger post-Corona-Rahmenbedingungen planen und vorbereiten können. Wir waren überzeugt, in einem guten Team mit besten Wetteraussichten für ein tolles Festivalwochenende sorgen zu dürfen.“

Auch interessant

Kommentare