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„Kavernenduo“: Landsberg und sein Markusplatz

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Von: Susanne Greiner

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Kavernenduo Monica Calla und Matthias Bartels in Landsberg
Elisabeta di Visconti (Monica Calla) beäugt ihren Gatten Herzog Ernst (Matthias Bartels) eher kritisch – kein Wunder, wird sie als Frau doch stets vergessen, auch wenn nur dank ihrer Mitgift das Bayertor gebaut werden konnte.Foto: ks © ks

Landsberg – Derblecken geht nicht nur auf dem hohen Nockherberg mit den Granden der Staatspolitik: Auch im beschaulichen Landsberg treten die werten Herr‘n und Frau‘n Politiker:innen gerne in Fettnäpfchen. Ereignisse, die die vier Mitglieder des „Kavernenduos“ mit Adleraugen ins Visier nehmen und kritisch durch die Mangel drehen. Wenn der gesetzte Herzog Ernst mit feministisch orientierter Gattin Elisabeta, Käpsele Hubert von Herkomer und Stararchitekt Dominikus Zimmermann im Stadttheater die Politik begutachten, bleibt kein Vergehen ungesehen. Und kein Auge trocken.

Die Welt geht vor die Hunde. Und mit ihr auch die Lechstadt. Was Elisabeta (Monika Calla) sehen muss, geht auf keine Kuhhaut: Kettensägen in St. Ottilien, Schwulenpärchen, die nicht in Schondorf sein dürfen, ein trotz finanziellem Desaster „sorgloser Landrat“ auf der Theaterbühne: Da hilft selbst Elisabetas Vermögen (nicht umsonst nannte man sie die „Hunderttausend-Gulden-Tochter“) nicht mehr. Auch Hubert von Herkomer (Rolf-Jürgen Lang), von den Kollegen liebevoll Hubsi tituliert, äugt kritisch auf verlorengegangene Grabmäler und verkaufte Ausgleichsflächen, mahnt fehlenden Wohnraum und fehlendes Verkehrskonzept an – und, ach herrje, sogar das Filmfest ist futsch! Dazu das leere Stadtsäckel. Zum Glück erst jetzt so wirklich leer, denn „wenigsten das neue Brückerl für meine Mutter ist fertig geworden. Und so günstig!“ Doch was soll man tun gegen all das Elend? Herzog Ernst (Matthias Bartels alias Caruso) hat einen Rat: „Schaut dem Stadtrat auf die Finger!“ Ein Rat, den die vier – zum Ensemble stößt noch Dominikus Zimmermann (Claudia Steinhoff) – mit musikalisch vortrefflicher Piano-Unterstützung von Stefan Arnold gleich bissig treffend in die Tat umsetzen.

Leid- und Leitthema für Elisabetha: die nichtbeachteten Frauen. Sowohl bei den Straßennamen – nein, Katharinenstraße und Hexenviertel zählen nicht – als auch bei Bauwerken. Nicht mal beim Schrembau darf eine Frau ran. Ganz zu schweigen vom langweiligen „Hauptplatz“. Den hätte man doch nach dem damaligen Finanzminister nennen können. Und Landsberg wäre Bayerns Venedig, mit „Markusplatz“ und strahlender Cathedrale di Visconti in der Höh: „Die Fassade ist ja immerhin von mir“, schmollt Elisabeta.

Die Themen des Kavernenduos umgreifen Hot Spots der Lokalpolitik. Auch wenn manche schon äußerst gründliche Zeitungslektüre und recht tiefgehendes Interesse am Geschehen voraussetzen. Hangbebauung in Pitzling? Ja, da war was. Aber wie ging die Reise nach Jerusalem um Stadtrat Daschners Sitz? Wer aufmerksam Zimmermann und Herkomer mit der Lostrommel gelauscht hat, weiß es zumindest jetzt.

Kaum ein Politiker und schon gar nicht die Bürgermeister (-in) bleiben verschont: Herzog Ernst frotzelt übers neue Amt auf dem Feld; Elisabeta dichtet über späte Entscheidungen bei Demonstrationen; und Herkomer sieht das Bayertor dank Lüps-Bau dem berühmten Turm in Pisa nacheifern. Für überbordende Ideen auf dem Penzinger Innovationscampus kommt die feine Ironie oder auch dreist direkt die Rüge von allen Vieren. Und wenn es um die Nominierungen für die Lechstadt-Entsprechung der „Goldenen Himbeere“, den „Landsberger Stecken“ geht – „da hüpft das landrätliche Schauspielerherz!“ – , ist das Glücks-Kleeblatt auch vereint.

Kavernenduo Goldener Stecken
Der „Goldene Stecken“ geht an den Landrat. Elisabeta (Monika Calla, links) und Dominikus Zimmermann (Claudia Steinhoff) mit Preis und Konterfei des Preisträgers. © ks

Den könnte man Wolfgang Hauck für seine Sorge um „die handtuchbedrohte Tierart“ verleihen. Oder Tom Bohn, dem „Rückzugsexperten“. Auch der „Großfürst vom Fuchstal Erwin Karg“ wegen seines extravaganten Klopapiermanagements wäre ein Kandidat. Am Ende gewinnt aber doch der Landrat: für einen „sorglosen“ Baustart der neuen Heimat ohne Verkehrskonzept. Und für „das Fingerspitzengefühl“ gegenüber den Corona-Demonstranten. Übergeben werden konnte der Stecken nicht. Der Landrat hatte sich entschuldigen lassen.

Der Abend ist mitreißend, die Kabarettisten sind grandios, das Maß an Zynismus bleibt stets im Gleichgewicht – oft hart an der Grenze, nie drüber hinaus, aber auch kein fades Zuwenig. Und auch wenn die anwesende OBin wegen „Unsichtbarkeit“ manch Hieb bekommt, so steht am Ende doch die liebevolle Empfehlung: Auf den Putz hauen! „Sie kann es doch.“

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