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Auf Landsbergs Schlossberg: altes Gehölz fällt für neue Schule

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Von: Susanne Greiner

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Schlossbergschule - Landsberg - Baumfällung
Die Bäume sind ab: Um Bodenuntersuchungen durchführen zu können, wurden vor der Schlossbergschule neun alte Bäume gefällt. © Greiner

Landsberg – Die geplante ‚Krone‘ auf dem Schlossberg ist noch nicht in den Köpfen der Landsberger angekommen. Aber die Bäume haben bereits Platz für den neuen Schulbau gemacht: Am Montag starteten Mitarbeiter des städtischen Forstamtes mit der Fällung von neun großen Bäumen nördlich des bestehenden Schulgebäudes – dort, wo früher der Kernbereich der „Landes­purch“ stand, der Ort, an dem Landsberg ‚entstand‘. Nicht nur Stadtheimatpfleger und Historiker Dr. Stefan Paulus ist wegen der wie er sagt „vorzeitigen“ Fällungen irritiert. Auch der Vorsitzende des historischen Vereins Prof. Dr. Stefan Winghardt hätte gerne vorher noch „einen Denkprozess“ angestoßen. Muss der Anbau unbedingt an der Nordseite entstehen? 

Die Baumfällarbeiten seien notwendig, um anschließende Untersuchungen zu ermöglichen, informiert Simone Sedl­mair von der Pressestelle der Stadt. Baugrunduntersuchungen, auch zur Statik, sollen gemacht werden, in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege. „Wenn die Ergebnisse der Sondierungen vorliegen kann das weitere Vorgehen – insbesondere hinsichtlich Art und Umfang der archäologischen Grabungsarbeiten – geplant werden. Ein Starttermin für die Grabungen steht noch nicht fest“, so Sedlmair.

Man habe die Bäume aus Sicherheitsgründen fällen müssen, informiert der vor Ort anwesende Mitarbeiter des Forstamtes. Bei möglichen Bodenuntersuchungen beschädige man wohl die Baumwurzeln und beeinträchtige somit die Stabi­lität der Bäume. Seitens des Forstamtes bedauere man die Fällungen. Man sei eigentlich darauf bedacht, vor allem den alten Baumbestand in der Stadt zu erhalten. Dass die Bäume bereits jetzt gefällt werden mussten, liege an der Brutzeit der Vögel, in die nicht eingegriffen werden darf. Die startet im Frühjahr und reicht bis Oktober. Ein weiteres Kriterium für den Zeitpunkt der Baumfällarbeiten seien die Schulferien gewesen. Wenn man mit den archäologischen Grabungen im Herbst beginnen wolle, sei somit nur diese Woche möglich gewesen.

Ein Gutachten bezüglich möglicher Funde sowie notwendiger Grabungen seitens des Denkmalamtes gibt es nicht, sagt Sedlmair. Funde dürften aber wohl bis in die frühe Bronzezeit reichen, also 2.000 bis 1.600 v. Chr., betonen Paulus und Winghardt. Von der Burg seien bisher nur die Fundamente bekannt, nähere Untersuchungen habe es nicht gegeben.

Zwar gibt es kein Gutachten, der stellvertretende Abteilungsleiter Bodendenkmalpflege des Landesdenkmalamtes Dr. Jochen Haberstroh sei aber bei einer Ortsbegehung dabei gewesen, weiß Paulus. Dessen Überlegungen: Wenn der Bau auf der Nordseite entstehen solle, seien dafür umfangreiche Grabungen notwendig. Deren Dauer: mindestens eineinhalb Jahre, ein Zeitraum, den Archäologe und ehemaliger Leiter des Denkmalschutzamtes Thüringen Winghardt auf mindestens zwei bis zweieinhalb Jahre erhöht. Diese Grabungen seien durchaus kostenintensiv: Haberstroh, erzählt Paulus, habe bei der Begehung die Summe von 10.000 bis 15.000 Euro genannt – pro Woche. Der Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes halte es zudem für möglich, dass der Ort zu „einer der bedeutendsten Grabungsstätten Bayerns“ werden könne. Denn außer dem Bau der jetzigen Schlossbergschule im 19. Jahrhundert sei in den Boden nie eingegriffen worden. Und das bestehende Schulgebäude stehe im Bereich des ehemaligen Burghofes, der Kernbereich der Burg auf der Nordseite sei beim Bau ausgespart worden.

Bisherige Grabungen fanden in den 1980er Jahren statt, weiß Winghardt. Dabei seien im südlichen Bereich Belege für eine zwar unbefestigte, aber umfangreiche Siedlung der frühen Bronzezeit gefunden worden. In der Eisenzeit 1.000 bis 700 v. Chr. habe es dort einen befestigten Herrensitz gegeben. Auch eine römische Besiedlung ab 300 n. Chr. sei nachzuweisen. So habe man 1986 ein Grab eines Kindes entdeckt. Der Bau der „Landespurch“ samt Siedlungsgründung 1158 durch Heinrich den Löwen begann im 12. Jahrhundert, samt zahlreicher An- und Umbauten. „Kein Mensch weiß genau, wie viel davon außer dem Fundament da ist“, sagt Winghardt. „Aber der Großteil des Baus dürfte erhalten sein.“

Abgesehen davon, dass Winghardt auch die Geologie des Geländes als problematisch erachtet – „Nagelfluh ist instabil“ – sieht er wie auch Paulus einen Anbau auf der Südseite weitaus unproblematischer, auch was die archäologischen Funde angeht. Was die Nordseite angeht, ist Winghardt deutlich: „Das sollte man gar nicht anlangen.“ Auch die geplante Architektur des Anbaus als ‚Krone‘ für die Stadt sieht Winghardt eher kritisch. „Denn was ist, wenn‘s dann dasteht und man sieht das Bayertor nicht mehr?“

Im Süden geht‘s schneller

Der Gewinner des Realisierungswettbewerbes für den Schulbau plant einen Neubau, der sich gerade am Grundriss der ehemaligen Burganlage orientiert: im Norden des bestehenden Gebäudes, samt polygonaler Satteldachlandschaft – der ‚Krone‘. Die Entscheidung für diesen Entwurf fiel vor allem deshalb, weil er der einzige war, der den Neubau im Norden des Bestandsgebäudes ansiedelt. So bleibe das Gelände im Süden der bisherigen Schlossbergschule oberhalb des ehemaligen Bierkellers frei zugänglich.

Im Juni entschied sich der Stadtrat trotz Kritik des damaligen Stadtheimat­pflegers Dr. Werner Fees Buchecker sowie der CSU für diesen Entwurf. OBin Doris Baumgartl (UBV) hatte darauf hingewiesen, dass sich ein Anbau im Süden noch länger hinauszögern würde, weil man vor den Boden­untersuchungen den dortigen Flachbau hätte abreißen müssen.

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