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Kostenlose Fertighäuser für Schwalben

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Von: Susanne Greiner

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Mehlschwalbe Nestbau
Mehlschwalben bauen ihre Nester aus kleinen Lehmkügelchen. Wer ihnen helfen möchte, stellt ihnen eine Lehmschale in den garten. Oder holt sich vom Landratsamt ein ‚Fertignest‘ für die Glücksbringer. © sstandbridge@btinternet.com

Landkreis – Seit der Mensch in Häusern wohnt, wohnen auch Tiere unter seinem Dach. Spalten, Fugen und Nischen bieten den Gebäudebrütern und Fledermäusen Unterschlupf und Nest-Quartiere. Durch Abrisse oder Sanierungen gehen diese Lebensstätten immer mehr verloren – Schwalben, Mauersegler und einige Fledermausarten gelten in Bayern bereits als gefährdet. Neubauten weisen mit glatten Fassaden kaum mehr Winkel auf – und es gibt immer weniger Gebäudebrüter und Fledermäuse. Der LBV Landsberg und die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes möchten dem mit Beratung und kostenlosen Nisthilfen entgegenwirken.

Früher galten Schwalben und Mauersegler als Frühlingsboten und waren gern gesehen. Heute sind sie oft ungeliebte Untermieter – zu Unrecht findet die Biodiversitätsberaterin des Landkreises Landsberg, Rebecca Simmnacher: „Vögel und Fledermäuse verspeisen täglich tausende Insekten und halten so Stechmücken, Fliegen und Schädlinge wie Blattläuse aus Haus und Garten fern. Durch ihre wilden Flugmanöver bieten sie zudem eine spektakuläre Flugshow und begeistern damit Jung und Alt.“ Dabei seien alle heimischen Vogel- und Fledermausarten und auch ihre Nester durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Nester und Quartiere dürften also auch nicht zerstört werden, auch wenn sie aktuell nicht ‚bewohnt‘ werden. Geahndet werden könne das mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro, erklärt Simmnacher. Notwendige Abriss- und Sanierungsmaßnahmen seien aber dennoch möglich, wenn im Voraus bestimmte Vorkehrungen getroffen werden. Eine Beratung dazu biete die Naturschutzbehörde.

Um mehr Quartiere und Brutplätze zu schaffen, können Nisthilfen für Schwalben und Mauersegler sowie Fledermauskästen angebracht werden. Hauseigentümer könnten dafür ihre Gebäude zur Verfügung stellen. „Es kommt aber auch vor, dass vor allem ältere Gebäude wie Bauernhäuser und landwirtschaftliche Anwesen noch geeignete Strukturen für den Nestbau bieten, aber das Nistmaterial fehlt“, so Simmnach. Schwalben seien zum Beispiel für den Nestbau auf Feuchtstellen mit lehmigem Boden angewiesen. Eine kleine Lehmwanne oder eine Mulde im Garten könne hier helfen. Aber „auch das Nahrungsangebot wird aufgrund des Insektensterbens immer geringer“, weiß die Biodiversitätsberaterin. Garten sollten daher möglichst naturnah mit heimischen, blütenreichen Pflanzen arbeiten.

Das Stadtgebiet Landsberg hat im Landkreis die größten Populationen der gebäudebrütenden Mehlschwalbe und Mauersegler. Die Bestände werden seit 2008 von Ehrenamtlichen des LBV kartiert und wenn möglich durch Aufklärung der Gebäudeeigentümer gesichert. Dadurch und durch das Anbringen von Nisthilfen konnte die Anzahl bebrüteter Nester in der Stadt bereits deutlich erhöht werden.

Nester im Angebot

Dennoch gebe es in der Stadt noch ein großes Potential, weiß Simmnacher. Deshalb stellt die untere Naturschutzbehörde für Gebäudeeigentümer innerhalb der Stadt kostenfrei Nisthilfen für Mauersegler und Mehlschwalben zur Verfügung. Und um die unangenehmen Begleiterscheinungen zu verringern, werden auch Kotbretter angeboten. Wenn das Projekt gut angenommen werde, soll es in den kommenden Jahren auch auf weitere Gemeinden innerhalb des Landkreises ausgeweitet werden. Dann werde es auch Nisthilfen für die rotkehligen Rauchschwalben geben, deren Nester im Gegensatz zu denen der Mehlschwalben offener sind.

Hauseigentümer, die an dem Angebot interessiert sind, können sich bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Landsberg bei Viola Braun per Telefon unter 08191/129-1471 oder via E-Mail an viola.braun@lra-ll.bayern.de melden.

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