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Die Leidenschaft für Bienen bleibt

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Von: Andrea Schmelzle

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Imkerei-Fachberater Arno Bruder (rechts) und Imkermeister Christian Engelschall in Landsberg
Imkerei-Fachberater Arno Bruder (rechts) und Imkermeister Christian Engelschall begutachten ein Bienenvolk in Winterruhe. © Schmelzle

Landkreis – Ein Bienen-Spezialist verabschiedet sich in den Ruhestand, seine Leidenschaft für Bienen wird aber bleiben: Arno Bruder, langjähriger Leiter der Fachberatung für Imkerei des Bezirks Oberbayern und Leiter der Bezirks-Imkerschule in Landsberg, wird sich künftig verstärkt „privaten Ablegern“ widmen. 

„Für mich ist es heute ein besonderer Tag“, sagt Arno Bruder. „Ein Tag des langsamen Abschiednehmens.“ 35 Jahre lang war er als „Bienen-Fachberater“ für den Bezirk Oberbayern tätig. Das hinterlasse Spuren. Sein Abschied erfolgte in angemessenem, „bienenwürdigen“ Rahmen: nämlich im Anschluss an die offizielle Preisverleihung „Bienenfreundliche Gemeinde 2021“, die Dienstag vergangener Woche im Argarbildungszentrum zelebriert wurde. Mit dem Preis werden drei Landkreisgemeinden für ihr Engagement für eine bienen- und insektenfreundliche Umwelt geehrt (siehe unten).

Als Fachberater hat Bruder den Wettbewerb, an dem sich auch drei Kommunen aus dem Landkreis Landsberg beteiligt haben, begleitet. Quasi seine letzte Amtshandlung, gemeinsam mit Bezirkstagspräsident Josef Mederer: die Vorstellungder Siegerlandkreise und Überreichung der Preisgelder von bis zu 3.000 Euro. Es sei schön zu sehen, dass Kommunen Verantwortung übernehmen für den Lebensraum der Bienen und damit einen wichtigen Beitrag leisten für die Umwelt, so Mederer.

Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ leitete Mederer die Preisverleihung über zum Abschied von Bruder. Den Ruhestand anzutreten sei eigentlich etwas Erfreuliches, aber nach 14 Jahren, die man gemeinsam gearbeitet habe, falle so ein Abschied auch nicht ganz leicht.

Das Jahr 1986, in dem Bruder, damals noch in Baden-Württemberg lebend, seine Tätigkeit für den Bezirk Oberbayern gestartet habe, sei kein leichtes gewesen: Bienensterben durch Milbenbefall, Insektensterben durch Tschernobyl-Verstrahlung, große Verunsicherung in der gesamten Imkerschaft – gleich zum Start eine Herausforderung, die Bruder „fachkundig und professionell“ gelöst habe, so Mederer. Schulungen, Bienenlehrstände, Teilnahme an Förderprogrammen, Reisen zu Welt-Imkerkonferenzen (zum Teil mit Bienenstrom im Akku) – das sei früher alles noch Neuland gewesen. Bruder habe schnell die Wichtigkeit solcher Maßnahmen erkannt und weiter ausgebaut.

Auch habe er schon immer den jungen Menschen die „Wunderwelt der Bienen“ nahebringen wollen – in Form von Vorträgen an Schulen etwa. 15.000 Schülerinnen und Schüler habe er damit erreicht. Die Früchte dessen könne man heute noch ernten. Nicht nur in Form von Honig, sondern auch von Manpower. Ein damaliger Schüler ist heute sein stellvertretender Fachberater: Christian Altenburger. Die Nachfolge Bruders indes ist noch nicht geklärt.

Seit 2005 begleitet Bruder das Agrarbildungszentrum Landsberg, hat das Lehrzentrum installiert, Personal rekrutiert und bildet an der Imkerschule Jung­imker aus. Bruder sei ein „aktiver Wissensvermittler“, so Mederer. Und immer, wenn es um die Biene geht, gefragt und geschätzt. In mehr als 4.000 Stellungnahmen und Gutachten habe Bruder stets sehr deutlich seine verantwortungsvolle Position der Umwelt gegenüber nahegelegt, etwa, als es um die Absetzung von Pflanzenschutzmitteln ging.

Bruder sei der „richtige Mann am richtigen Ort“ gewesen, so Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufs- und Erwerbsimkerverbandes. Als langjähriges Vorstandsmitglied kümmert sich Bruder im Verband um fachspezifsiche Imkereiprobleme in ganz Europa. Dass die Fachberatung am Bezirk Oberbayern aufgehängt ist, sei für Haefeker eine große Weitsicht. Bruder habe die Menschen nicht nur fachlich beraten, sondern sie stets mit seiner Leidenschaft für Bienen angesteckt. Die Tatsache, dass eine Planstelle mit so viel Leben gefüllt werden könne, das lasse ihn hoffen.

Lobbyist für die Bienen

„Ich war gerne Lobbyist für die Bienen – und für die Umwelt“, sagt Bruder, der in Weilheim lebt. Es sei ihm eine Ehre und ein inneres Anliegen gewesen. Heute sei das Thema dringender denn je – und er hätte das Feld eigentlich gerne noch etwas weiter betreut. Ein bisschen wehmütig sei er daher schon. Aber er freue sich nun auch auf den Ruhestand. Der natürlich nicht wirklich ruhig sein wird. Mit seinem Sohn betreibt Bruder in Polling immer noch eine der größten Imkereien in Bayern. Ein soziales Projekt führt ihn im März nach Tansania, wo er Imker­gruppen am Rande des Serengeti-Nationalparks betreuen wird. Nicht zuletzt gebe es Ableger nicht nur im Bienenvolk, so Bruder, sondern auch „im menschlichen Dasein“. Auf „fünf kleine Ableger“ könne er selber blicken. Und er freue sich schon sehr, zukünftig viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

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