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Die ganze Stadt Landsberg als Fan

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Von: Andrea Schmelzle

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Malik Harris Landsberg Juni 2022
Zwischen seinen Auftritten und Singe-Release-Terminen hat sich Malik Harris Zeit für ein Interview genommen. © Schmelzle

Landsberg – Eine Deutschland-Tournee, die neue Single, Start der Festival-Saison: Für Enttäuschung bleibt Malik Harris keine Zeit. Beim ESC-Finale in Turin landete der Landsberger auf dem letzten Platz. Verstanden hat das niemand so recht. „Der Contest hat eben seine eigenen Gesetze“, sagt Malik. Was sein Auftritt für ihn bedeutet, wie es für ihn weitergeht und was seine Träume sind – das erzählte Malik dem KREISBOTEN im Interview. 

Erst vor einigen Tagen hat Malik seine „Anonymous Colonist“-Tour durch Deutschland abgeschlossen. Für ihn war es quasi ein „fließender Übergang“: Nur einen Tag nach seinem Auftritt beim Eurovision Song Contest, noch mit all den Eindrücken „im Gepäck“, hat er sich von Turin aus auf den Weg gen Hamburg gemacht. Hier startete seine erste Headlinertour – mit großem Erfolg: Alle Konzerte waren ausverkauft. Vielleicht habe seine Teilnahme am ESC dafür den Ausschlag gegeben, sagt Malik.

Ganz Landsberg hatte ihm die Daumen gedrückt. Die Public Viewing-Plätze auf der Landsberger Wiesn und in der Sonderbar waren rappelvoll. Malik ging mit der Startnummer 13 nach den diesjährigen ESC-Siegern aus der Ukraine auf die Bühne im Turiner PalaOlimpico – vielleicht nicht der dankbarste Startplatz. Trotz eines stimmungsvollen Auftritts hat Deutschlands Vertreter den letzten Platz belegt. Der 24-Jährige bekam für seine Performance von „Rockstars“ keine Punkte von den Jurys und nur sechs von den Zuschauern.

Im ersten Moment sei er „schon etwas enttäuscht“ gewesen, sagt Malik. Dennoch, auch wenn es „unlogisch“ klinge: Der letzte Platz bedeute für ihn im Nachhinein eher etwas Gutes: Das Feedback sei dadurch viel breiter gewesen. So viele Menschen hätten sich deshalb mit seinem Song und seinem Auftritt auseinandergesetzt – und die große Mehrheit der Stimmen seien positiv und stärkend gewesen – „superschöne Performance“, „toller Text“, habe es geheißen. Die Social Media-Zahlen seien geradezu explodiert, sagt Malik: so viele Nachrichten und Kommentare, „wunderschön geschrieben und berührend“.

Das enorme Interesse am Song zeigt auch seine Platzierung bei „Shazam“ – einer Musik-Entdeckungs-App. Hier war „Rockstars“ ziemlich schnell nach seinem Auftritt der zweitbestplatzierte Song – gleich nach dem ukrainischen Siegertitel. Weltweit ist es der an 64. Stelle „shazamte“ Song. Auch auf YouTube habe sein Video mit die meisten Views nach der Ukraine bekommen, berichtet Malik.

Grundsätzlich glaubt Malik, dass viel Politik beim ESC hineinspielt. Zudem „gelten hier eigene Gesetze, die schwer zu durchschauen sind“. Die Platzierung sei für ihn daher zweitrangig. Man könne Musik nicht einfach in „gut“ und „schlecht“ aufteilen. Zum einen sei sie Geschmackssache, zum anderen Kunst, fern von einer Einteilung in schwarz und weiß. Für ihn zähle der ESC als Ganzes: „Vertreter vieler Länder kommen zusammen und feiern gemeinsam, mit Musik als universeller Sprache“. Umso schöner sei es für ihn, dass die Ukraine gewonnen habe. „Den Song fand ich großartig.“ Er habe durch seinen Beat einen „modernen Touch“, verbunden mit „folkloristisch Altem“, spannend auch die ukrainische Sprache im Rap. „Ich würde wieder alles genauso machen – auch wenn ich wüsste, dass ich den letzten Platz belege“, betont Malik. Die Erfahrung sei „unschlagbar“ gewesen. Das habe im März begonnen, als er mit „Rockstars“ den deutschen Vorentscheid gewonnen hatte. Malik trat nahezu jeder ESC-Preparty auf – ob London, Stockholm oder Tel Aviv. Und schließlich die zehn Tage in Turin: So viele Fans und andere Künstler habe er kennengelernt, aus ganz verschiedenen Ländern und Kulturen, so viele Freundschaften geschlossen, so viele schöne Geschichten seien passiert – „das vergisst man nie wieder.“

Weiter geht‘s

Pause gibt es nicht für Malik. Gerade ist seine neue Single „you & i“ herausgekommen. Sein neuer Song sei anders als „Rockstars“, etwas „fluffiger, sommerlicher, leichter“, erzählt er. Schließlich gehe nach Corona alles wieder los, diese positive Stimmung wolle er mitnehmen. Das passe zum Start der Festivalsaison, auf die er sich freue. „Es gibt nichts Besseres: Bühne, Sonne, bestes Wetter und zigtausend Menschen, die vor einem stehen.“

Auf seinen Konzerten, auf denen er zwei Stunden allein auf der Bühne steht, sei er nicht nur „Mucker“, sondern auch „Entertainer“. „Ich bin eine wahnsinnige Labertasche“, scherzt Malik. „Und lasse mein Publikum immer mitsingen.“ Er ist froh, dass es mit Vollgas weitergeht. Die Erfahrung, plötzlich nichts zu tun zu haben, hat er bereits 2020 gemacht, als Corona ihm einen Cut versetzt hatte (der KREISBOTE berichtete).

In seiner Heimatstadt ist Malik gerade selten – obwohl er ein Landsberg-Fan ist – auch und auch ein großer New-York-Fan. Eigentlich sei er „auf der ganzen Welt Zuhause“ – auch wenn er seine Familie gerne öfter um sich hätte und auch brauche. Der Support aus Landsberg „ist „unfassbar. Ich kann mich gar nicht oft genug bedanken.“ Es sei wirklich ein schönes Gefühl, eine ganze Stadt im Rücken zu haben – „das ist mehr Wert als alles andere.“

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