Seniorin und Telefon
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Ganz gezielt suchen sich die Täter ältere Personen als Opfer aus.

„Enkeltrick“ im Landkreis Landsberg

Mit List und Lüge ans Geld

  • VonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Immer wieder kommt es vor – trotz groß angelegter Info-Kampagnen seitens der Polizei sowie intensiver Schulungen von Bankangestellten: Telefonbetrüger, die sich mit perfiden Maschen an meist ältere Menschen wenden, um an deren (Bar)Geld zu kommen. Erst kürzlich ist eine Rentnerin aus Leeder auf den sogenannten „Enkeltrick“ hereingefallen, hat 21.000 Euro von ihrem Konto abgehoben und an einen ihr unbekannten Abholer übergeben (der KREISBOTE berichtete). Die Tricks werden immer ausgefuchster und der aufgebaute Druck immer größer. Oft hinterlässt das bei den Opfern nicht nur den Verlust ihrer Ersparnisse, sondern auch einen enormen psychischen Schaden.

„Dass vor allem ältere Menschen auf derlei Maschen hereinfallen und den Betrügern hohe Geldbeträge oder andere Wertgegenstände aushändigen, ist leider gar nicht so ungewöhnlich“, meint Nadine Heinz von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Trotz intensiver Aufklärungs- und Präventionsarbeit seien die Täter immer wieder erfolgreich.

„Ganz gezielt suchen sie sich Senioren als Opfer aus. Oft werden diese um ihre gesamten Ersparnisse gebracht, Lebenswerke werden zerstört“, so Thomas Kaiser, Kriminalhauptkommissar im Betrugsdezernat der Kripo Fürstenfeldbruck. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem im Polizeijargon „Callcenter-Betrug“ genannten Phänomen, etwa dem Enkeltrick: Der Anrufer gibt sich als Verwandter aus, der sich in einer Notlage befindet und dringend Bargeld braucht, das ein Bekannter gleich abholen würde. Die Hilfsbereitschaft der Senioren werde dabei ausgenutzt, meint Kaiser.

Gemeinsam mit den Banken startete das Polizeipräsidium Oberbayern Nord daher im vergangenen Jahr die groß angelegte Präventionskampagne „Leg auf!“ – mit dem Ziel, vor allem ältere Menschen hinsichtlich der Betrugsmasche zu sensibilisieren. In enger Zusammenarbeit mit Medienvertretern aus Print, Funk und Fernsehen, mit Banken sowie Städten und Gemeinden, wurden Informationen breit gestreut. Tausende Postkarten mit Verhaltenstipps und einem Aufkleber mit dem Slogan „Leg auf!“, der in der Nähe des Telefons angebracht werden soll, wurden verteilt.

Aber auch Mitarbeiter von Banken und Sparkassen werden eigens geschult: „Das Phänomen verfolgt uns schon seit einigen Jahren“, berichtet Stefan Jörg, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Landsberg-Ammersee. Und es passiere häufiger, als man denkt. Alle Mitarbeiter seien mittlerweile darauf sensibilisiert und in Alarmbereitschaft, wenn auffällige Abhebungen stattfinden. Auch softwaremäßig sei eine „künstliche Intelligenz“ hinterlegt, die anspringe, wenn hohe Abhebungen oder auch Einzahlungen vorgenommen werden.

Zudem gebe es Warnmeldungen der Polizei, wenn es einen Vorfall im Landkreis gegeben hat. „Über regelmäßige Kommunikationskreise, Videokonferenzen oder per E-Mail werden unsere Mitarbeiter schließlich darauf vorbereitet“, erklärt Jörg. Infos gebe es zudem laufend übers Intranet.

Bei Auffälligkeiten und konkreten Verdachtsmomenten werde die Polizei informiert, die sich daraufhin im Umfeld der Bank positioniere. Da würde sehr sensibel vorgegangen, meint Jörg. Manchmal merke das der Kunde gar nicht. Dennoch würden es die Täter zum Teil „spitz kriegen“, dann komme es erst gar nicht zu der Abhebung.

Persönliches Gespräch

Auch die Sparkasse Landsberg-Dießen lege ein besonderes Augenmerk darauf, Betrügereien zu verhindern, sagt Pressesprecher Stephan Sieg. Das Thema Verhinderung von Straftaten sei Teil einer jährlichen Schulungsmaßnahme, an der alle Mitarbeitenden teilnehmen müssen.

Von „unschätzbarem Vorteil“ sei immer die „vertrauensvolle Beziehung zwischen Berater und Kunde“. Oftmals könne dadurch dem Betrug vorgebeugt werden. Bei auffälligen Vorgängen wie Barabhebungen größerer Summen werde daher auch hier immer das persönliche Gespräch gesucht und nach dem Verwendungszweck gefragt. „Dabei versuchen wir, die Kunden auf die Gefahren durch kriminelle Handlungen aufmerksam zu machen.“ Ein erfolgreiches Beispiel habe es erst in diesem Jahr in der Geschäftsstelle Dießen gegeben. „Dort konnte dank des aufmerksamen Eingreifens einer Service-Mitarbeiterin ein Telefon-Betrugsversuch verhindert werden“, berichtet Sieg.

„Leider werden die Betrüger jedoch mittlerweile immer professioneller“, meint Nadine Heinz. Teilweise dauere so ein Telefonat mit den Opfern Stunden. Manchmal würden die Geschädigten sogar dazu angehalten, den Anruf auch während der Geldabholung bei der Bank nicht zu beenden. Um glaubhafter zu wirken, würden sogar je nach Masche angebliche Polizeibeamte vorbeigeschickt und „Funksprüche“ inszeniert.

Der ‚Enkeltrick‘ sei nur ein ganz kleiner Bereich, meint die Polizeisprecherin. Unter anderem würden sich die Täter auch als Staatsanwälte, Polizeibeamte, Bankmitarbeiter oder Ärzte ausgeben. Bei den Opfern entsteht meist ein schwerer Schaden: Nicht nur materiell stehen viele vor dem Nichts, sondern Scham und Schuldgefühle führen zu erheblichen psychischen Folgen für die Betroffenen.

Daher rät die Polizei immer wieder: Seien Sie misstrauisch, legen Sie den Hörer auf, sobald Geld gefordert wird, geben Sie keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preis und vor allem: Übergeben Sie niemals Geld an Ihnen unbekannte Personen.

Quelle: Kreisbote

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