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Riverkings als Ballerinas auf dem Eis

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Von: Dietrich Limper

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HC Landsberg - Sven Gäbelein
Wie „Ballerinas auf dem Eis“ (HCL-Coach Carciola) liefen Sven Gäbelein (Mitte) und seine Riverkings-Kollegen am Sonntag gegen den Höchstadter EC herum. Das führte zu einer krachenden 3:6-Heimniederlage und zur Roten Laterne in der Oberliga Süd. © Walter

Landsberg – Der HC Landsberg ist in der Eishockey-­Oberliga Süd auf den letzten Tabellen­platz abgerutscht. Gegen die direkten Konkurren­ten um Rang 10 gab es am vergangenen Wochenende zwei schmerzliche Niederlagen. Am Freitag unterlagen die Riverkings bei den Lindau Islanders mit 2:3 (1:0;0:1;1:2). Zwei Tage später kam es gegen den Höchstadter EC zu einer denkwürdigen 3:6-Pleite (0:2;1:2;2:2), nach der HCL-Coach Fabio Carciola seiner Mannschaft ein vernichtendes Zeugnis ausstellte.

Eigentlich ist der Landsberger Übungsleiter Fabio Carciola als besonnener Mann bekannt, der auch schlechte Spiele seiner Cracks mit ruhigen Worten moderiert. Selbst in der vergangenen Oberliga-Saison, die den Riverkings ihre Grenzen aufzeigte, stellte er sich stets schützend vor die Mannschaft. Umso bemerkenswerter war jetzt die Pressekonferenz nach der Partie gegen Höchstadt. Mit versteinerter Miene lauschte Carciola den Ausführungen von EC-Teammanager Daniel Tratz, der von einer „spannenden Partie“ erzählte, den Riverkings „starkes Überzahlspiel“ attestierte und „eine sehr gute Landsberger Mannschaft“ gesehen haben wollte.

Als Carciola das Wort ergriff, wischte er mit seiner Einleitung, „Ich habe das ganz anders gesehen“, alle höflichen Komplimente der Gäste vom Tisch. Er ließ kein gutes Haar an seiner Mannschaft: „Das Spiel war überhaupt nicht spannend, unsere Überzahl war katastrophal und ab dem 1:0 wurden wir regelrecht vorgeführt.“ Einmal in Fahrt legte er nach: „Wir waren tot, es kam keine Gegenwehr. Und das ist das, was mich am meisten sauer macht, dass wir wie Ballerinas auf dem Eis herumlaufen. Ich muss mich bei den Zuschauern im Stadion und vor den Fernsehern für dieses Spiel von uns entschuldigen. So haben wir in dieser Liga nichts zu suchen.“ Sein Ärger gipfelte schließlich in einem Zitat vom heutigen FC Bayern-Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn: „Wir haben keine Eier.“

Zehn Minuten lang hielten die Riverkings vor 410 Zuschauern dagegen, dann ging es bergab: Zbaranski (12.), Herm (14.), Neugebauer (22.) und Seewald (26.) sorgten nach einer halben Stunde für die 4:0-Vorentscheidung zugunsten der Alligatoren aus Höchstadt. Sven Gäbelein (35.) und Patrik Rypar (43.) konnten zwar in Überzahl auf 2:4 verkürzen, aber als die HCL-Cracks Adriano Carciola beziehungsweise Frantisek Wagner die Strafbank drückten, erhöhten die Gäste durch Shatskiy (51.) und erneut Herm (54.) auf 6:2. Der Treffer von Adriano Carciola (56.) zum 6:3 war bedeutungslos. Viele Zuschauer in der Eishalle und vor dem TV zuhause dürften ein Déjà-vu-Erlebnis gehabt haben. Die Vorstellung der Riverkings erinnerte allzu sehr an die letzte Saison, die den Fans in Sachen unbegründetem Optimismus und Leidensbereitschaft alles abverlangt hatte.

Dumme Strafen

Da war die Partie vom vergangenen Freitag nahezu vergessen, als der HC Landsberg in Lindau knapp mit 2:3 verloren hatte. Die Riverkings spielten ein gutes erstes Drittel und scheiter­ten wiederholt am starken Islanders-Goalie Nemec. Nicht unverdient brachte Marvin Feigl die Gäste nach 14 Minuten mit 1:0 in Führung und die hielt bis zur ersten Pause.

Im zweiten Spielabschnitt hatte Adriano Carciola nach 27 Minuten die große Chance, auf 2:0 zu erhöhen, doch auch er fand beim Penalty für die Riverkings in Nemec seinen Meister. Beinahe postwendend gelang Bezouska (29.) der 1:1-Ausgleich für Lindau. Die Gäste hatten den Faden komplett verloren und deshalb war HCL-Coach Fabio Carciola überhaupt nicht mehr zufrieden: „Wir haben Lindau schön zurück ins Spiel gebracht und nur noch eine Alibi-Partie abgeliefert.“

Die 2:1-Führung für die Riverkings durch seinen Bruder Adriano (42.) bezeichnete der frustrierte HCL-Trainer als „Glücks-Tor“ und analysierte, dass die Mannschaft das Spiel gewonnen hätte, die es einfach mehr wollte. Mairitsch (49./54.) erzielte die beiden Tore für die Hausherren zum 3:2-Endstand. Angesprochen auf die vielen Strafzeiten, die sich der HCL mal wieder gönnte, gestand Carciola, dass er das Thema jede Woche besprechen würde und die Mannschaft langsam aufwachen müsse. „Wir nehmen einfach zu viele dumme Strafen.“

Ob es zwischen Mannschaft und Coach noch stimmt, werden die nächsten Wochen zeigen. Am Freitag (20 Uhr) kommen die Starbulls aus Rosenheim in den Hungerbach-Dome und zwei Tage später geht die Reise zum Tabellenführer Blue Devils Weiden (18.30 Uhr). Zwei Gegner, die zu den Schwergewichten der Oberliga Süd gehören. Unter welchen Pandemie-­Rahmenbedingen die Spiele stattfinden werden, wird sich im Landtag entscheiden.

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