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Podiumsdiskussion in Eresing zum Thema Holzbau und Klimaschutz

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Von: Ulrike Osman

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Reger Austausch: Moderator Andreas Lerge mit Gastgeber Stefan Fichtl, Michael Kießling (CSU), Martina Neubauer (Grüne), Tobias Schmid (LENA e.V.) und Professor Gerd Wegener (von links).
Reger Austausch: Moderator Andreas Lerge mit Gastgeber Stefan Fichtl, Michael Kießling (CSU), Martina Neubauer (Grüne), Tobias Schmid (LENA e.V.) und Professor Gerd Wegener (von links). Nicht im Bild: Landsbergs Forstamtsleiter Michael Siller. © Osman

Eresing – Welche Rolle spielt Holzbau für den Klimaschutz? Wie lässt sich der Anteil an Holzbauwerken steigern, und wo liegen seine Grenzen? Wie verträgt sich wirtschaftliche Waldnutzung mit enkelgerechten Wäldern, und welche Bäume werden dort zukünftig am besten gedeihen? Im Rahmen des ersten Klimaschutztages führender deutscher Holzbauverbände waren diese und andere Fragen Gegenstand einer Podiumsdiskussion im Autohaus Nadler in Eresing.

Warum spricht man ausgerechnet in einem Autohaus über Holzbau? Tatsächlich hätte die Location nicht passender gewählt sein können, denn der in diesem Jahr eröffnete Gewerbebau ist in Holzbauweise entstanden und gilt als Musterbeispiel für „gebauten Klimaschutz“, wie Gastgeber Stefan Fichtl erklärte. „Jeder Kubikmeter Holz bindet circa 0,9 Tonnen CO2. Holzgebäude sind daher riesige CO2-Speicher.“

Neben dem Geschäftsführer der Hechenwanger Firma Holzbau Fichtl auf dem Podium saßen CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, die Grünen-Bundestagskandidatin Martina Neubauer, der Leiter des Landsberger Forstamts Michael Siller, Tobias Schmid von der Landsberger Energieagentur LENA e.V. und Professor im Ruhestand Gerd Wegener, der bis 2010 den Lehrstuhl für Holzkunde und Holztechnik an der TU München innehatte.

Angesichts der Klimafreundlichkeit des Baustoffs legte Moderator Andreas Lerge vom Holzbau Netzwerk Deutschland zügig den Finger in die Wunde. Warum die öffentliche Hand nicht mehr Holzgebäude – von der Kita bis zum Feuerwehrhaus – errichte und Holzbau in Bebauungsplänen vorschreibe? Bei Martina Neubauer rannte er damit offene Türen ein, allerdings brauche man eben die entsprechenden Mehrheiten in den kommunalen Gremien.

Michael Kießling möchte zudem, dass die Kommunen „mit gutem Beispiel vorangehen“. Dann werde sich auch die Einstellung in der Bevölkerung wandeln.

Dass sich Holzbau längst nicht mehr auf Einfamilienhäuser beschränken muss, bestätigte der ausgewiesene Experte Wegener. Holzhochhäuser mit bis zu acht Geschossen seien problemlos zu realisieren. „Geschosswohnungsbau in Holz ist solide und sicher.“ Allerdings gehe es im Hinblick auf den Klimaschutz nicht nur um den Baustoff, sondern um insgesamt nachhaltig strukturierte Quartiere, die ein „ökologisches Gesamtpaket“ bilden.

Von Kreishandwerksmeister Markus Wasserle aus dem Publikum kam die Frage, wie groß der prozentuale Anteil des Holzbaus in einer Wachstumsregion wie Landsberg realistischerweise sein könne. Siller sprach von 20 Prozent im Wohnbau und einem etwas größeren Anteil im Nicht-Wohnbau. „Ein gesundes, langsames, stetiges Wachstum ist wichtig.“

Auch Gerd Wegener bestätigte, das Wachstum werde wohl flach weitergehen. „Für mehr haben wir gar nicht die Kapazitäten.“

Angesichts der Sorgen der konventionellen Baubranche wies Moderator Lerge darauf hin, dass kein Holzbau zu 100 Prozent aus Holz bestehe, sondern immer ein Hybridbau sei. Betonbauer und Maurer würden auch weiterhin gebraucht. „Das ist kein Gegeneinander, sondern eine Win-Win-Situation.“

Einig waren sich LENA-Vertreter Schmid und der Landsberger Forstamtsleiter Siller, dass man bei Holz auf Regionalität setzen müsse – und dass es nicht sein könne, dass heimisches Holz aus Gründen des Vergaberechts nicht zum Einsatz komme. „Deutschland ist so waldreich, dass wir uns selbst mit Holz versorgen können“, unterstrich Siller. Ebensowenig sei es notwendig, Käferholz „zu Ramschpreisen“ nach China zu exportieren, nur weil es optische Mängel habe, ergänzte Stefan Fichtl.

Die Frage, ob man dem Wald überhaupt so viel Holz entnehmen könne, beantworteten die Experten durchaus positiv. „Mit Holzbau wird nicht Wald vernichtet, sondern verjüngt“, so Wegener. Denn parallel zur Nutzung muss der Waldumbau weitergehen. Gerade ihm als Praktiker zeige sich bei seiner täglichen Arbeit der Klimawandel „mit Vehemenz“, so Forstamtsleiter Siller. Für enkelgerechte Wälder brauche man so viel Diversität wie möglich. Schon in den letzten Jahrzehnten sei der Fichtenanteil von knapp 90 auf 40 Prozent gesunken.

„Wir sind kein verfichtetes Land mehr“, bestätigte Wegener und berichtete von Versuchs­pflanzungen mit Bäumen, die dem Klimawandel besser gewachsen sein dürften, zum Beispiel Zedern.

Vorstellbar sei es, „Arten aus dem mediterranen Raum in den Norden zu holen“. Das gehe natürlich nicht in einer Wahlperiode. „Aber ich bin überhaupt nicht pessimistisch.“

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