1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landsberg

Proteste gegen Ansiedlung als „Zukunfts-Verweigerung“?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Susanne Greiner

Kommentare

Demo Stillern Hartmann
Die Grünen (in der Mitte mit blauem T-Shirt Landtagsabgeordneter Ludwig Hartmann, rechts daneben Gabriele Triebel) hatten im Juli zu einer Demonstration gegen die Steico-Ansiedlung am Staatsgut Stillern bei Penzing aufgerufen.  © Osman

Penzing/Stillern – Steico kommt nicht nach Stillern. Das wurde bereits letzte Woche bekannt. Nun äußern Landtagsabgeordneter Alex Dorow und Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, beide CSU, ihr Bedauern darüber. Und sprechen von „fatalen Signalen“.

Betonung legt Kießling vor allem auf die, auch dank kurzer Lieferwege zu den abnehmenden Baustellen, „nachhaltige“, weil klima- und umweltfreundliche Produktion mit „heimischen Produkten“. Damit hätte man einen „echten Mehrwert für die Region, aber auch für die bayerische Bauindustrie“ erzeugen können.

Nachteilig für den Ansiedlungs­wunsch von Steico sei dabei „die schon in der Bewerbungsphase des Unternehmens erzeugte öffentliche Stimmung“ gewesen. Diese sei generell negativ für die Standortentwicklung der Kommunen – womit Kießling wohl auch auf Intel anspielt. Zwar müsse man Bedenken wahrnehmen, dürfe aber nicht „von vornherein jegliches Projekt ablehnen“. Ein offener Diskurs sei in diesen Fällen wichtiger denn je, um „wirklich erst am Schluss eine Entscheidung pro oder contra“ fällen zu können, betont der Landsberger Bundestagsabgeordnete.

Auch Dorow bedauert in der von Kießling verfassten Presseerklärung die „vorzeitige Absage von Steico“. Damit sende die Region „fatale Signale“ aus. Die aktuell wirtschaftlich gute Situation im Landkreis Landsberg liege an den „klugen Entscheidungen, die in den letzten Jahrzehnten getroffen wurden“. Dieser Zustand sei aber, gerade jetzt, kein Selbstläufer. Heute getroffene Entscheidungen beträfen ja auch die nächste Generation.

Der aktuelle strukturelle Umbau, „etwa unter Beachtung von Klimazielen oder Digitalisierung“, verursache bei Kommunen und Landkreis hohe Ausgaben. „Mit der Weigerung, sich mit Zukunftsprojekten tiefer zu befassen, nur weil sie Veränderungen in unserer gewohnten Umgebung bewirken, lässt sich aber keine Zukunft gewinnen.“ In Zukunft sollten die gewählten Gremien wie Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte erst alle Pro- und Contra-Argumente bewerten können, „um zukunftsweisende Entscheidungen für unsere Standort treffen zu können.“

Die Firma Steico hätte für die Ansiedlung eine Fläche von rund 26 Hektar benötigt. Gegenargumente für die Ansiedlung einer Firma dieser Größe auf dem Staatsgut – die Proteste richteten sich dabei ausdrücklich nicht gegen Steico selbst – kamen politisch von den Grünen, aber auch mehreren Umweltorganisationen sowie von Bürgern der anliegenden Kommunen.

Kritisiert wurde dabei die fehlende Anbindung des Gebietes an bestehende Siedlungsgebiete und der hohe Grundwasserverbrauch des holzverarbeitenden Betriebes. Problematisch sei aber vor allem die für die Ansiedlung notwendige Umwandlung von Landwirtschaftsfläche hin zu versiegeltem Firmengelände. So beliefert Stillern auch das Staatsgut Achselschwang mit Futter für die dort gehaltenen Rinder.

Bereits 2009 wurde Edeka untersagt, auf dem Staatsgut ihr Logistikzentrum zu bauen. Dieses steht nun im Landsberger Frauenwald. Mehrfach wurde für eine mögliche Steico-Ansiedlung auch das Gelände des Fliegerhorstes in Penzing als Alternative genannt

Auch interessant

Kommentare