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»Quorum Ballet« begeistert im Stadttheater Landsberg

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Von: Andrea Schmelzle

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Tänzer Quorum Ballet
Vor Kraft strotzend: Die 14 chinesischen und portugiesischen Tänzer nach ihrer Verwandlung in die sagenumwobene Terrakotta-Armee. © Schmelzle

Landsberg – „Wir lassen uns die Freude an der Kultur nicht nehmen“, begrüßt Stadttheater-Leiter Florian Werner sein mittlerweile wieder Masken-tragen-müssendes Publikum. Und setzt die Erwartungen an den bevorstehenden „spannenden“ Tanztheaterabend „Rite of Spring – Made in China“ gleich im Vorfeld hoch an: „Sie werden beeindruckt sein“. Er behält recht. Das, was das Quorum Ballet aus Portugal im Anschluss abliefert – voller Kraft und gleichzeitig großer Sensibilität – bezaubert, berauscht und begeistert. 

„Der Wert von Dingen gründet sich nicht auf ihrer Lebensdauer, sondern auf der Intensität, mit der sie Einfluss nehmen. Deshalb gibt es unvergessliche Momente“, schreibt der portugiesische Dichter Fernando Pessoa – und das könnte auch das Motto des neuen Tanzabends des Lissabonner Ensembles sein, das bereits zum dritten Mal im Stadttheater zu Gast ist.

Choreograf Daniel Cardoso hat es einer uralten, portugiesischen Tradition gleichgetan: die Welt zu bereisen. Im Besonderen: China. Das Umherreisen, sich Inspirieren-lassen, das Aufsaugen von Eindrücken, Einflüssen und Geschichte – das führte nicht zuletzt in Shanghai zur Begegnung mit der Choreografin Xie Xin, zum Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, zur Choreographie „Made in China“, die schließlich in einem Tanzabend mündet, in dem sich der aktuelle moderne europäische und chinesische Tanz begegnen und ergänzen. Ein stetes Wechselspiel zwischen Modernität und Tradition, zwischen vertrautem Europa und fernem Ostasien. Das findet sich auch in der Musik wieder: elektronisch, minimalistisch, reduziert, perkussiv von Jorge Silva versus die dominante, symphonieartige, fast revolutionäre Musik des russischen Komponisten Igor Strawinsky, der die Musik zum Ballet „The Rite of Spring“ im Jahr 1913 geschrieben hat.

Der musikalische Übergang macht gleichzeitig den Blick frei auf ein neues Territorium, die Verwandlung des Ensem­bles zur Terrakotta-Armee, den geheimnisvollen und sagenumwobenenen Tonkriegern Chinas, vor Kraft strotzend, mit Schlamm beschmiert, wütend und kämpferisch.

Ein Tanzabend in drei Teilen („Unbemalte Leinwand“, „China“ und „Frühlingsopfer“), der in eine „atemberaubend aktive und vor Produktivität überquellende Welt“ entführt und gleichzeitig einen „europäischen Blick auf diesen Ausdruck von Kraft und Fragilität“ richtet, heißt es im Programm. Die Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten der Kulturen bringt das 14-köpfige Ensemble tanzend, springend, zuckend, explodierend, schreiend zum Ausdruck. Mit enormer Wucht und Dynamik. Und hinterlässt ein beeindrucktes Publikum, das erstmal baff, dann jubelnd ist und fast nicht aufhören möchte zu klatschen.

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