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Rudi Zapf und Ingrid Westermeier begeistern mit Pedalhackbrett und Gitarre im Mulura-Museum

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Von: Stefan Raab

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Rudi Zapf am Pedalhackbrett und Ingrid Westermeier an der Gitarre
Rudi Zapf am Pedalhackbrett und Ingrid Westermeier an der Gitarre begeistern das Publikum bei ihrer musikalischen Weltreise im Malura Museum. © Raab

Oberdießen – Keine Spur von Corona-Blues: Rudi Zapf, unumstrittener Herr des Pedalhackbretts, trommelte im Malura Museum mit seinem Parade-Instrument pure Lebenslust in den vollen Besuchersaal. Bei seiner musikalischen Weltreise, die der Virtuose gemeinsam mit Gitarristin Ingrid Westermeier unternahm, folgte ihm das Publikum in nahe und ferne Länder.

Weit nach vorn geneigt, die Augen auf die Saiten gerichtet, lässt Rudi Zapf seine filigranen Schlegel über das Hackbrett tanzen. Mit leichten Schlägen lockt der Saitenmagier hellste Töne hervor, während Ingrid Westermeier mit ihrer Gitarre seinem Rhythmus folgt. Was langsam beginnt, steigert sich zu einem Presto, das dem Saitenduo genauestes Timing abverlangt. Irgendwann stampft der gebürtige Münchner mit den Füßen immer kräftiger auf den Boden, ruckartig bewegen sich Arme und Beine, bis das Hackbrett heftig wackelt – als ob es selbst zu tanzen beginnen wolle. Und mit einem kräftigen Saitenschlag beendet Zapf den irischen Folksong von Turlough O’Carolan.

Die Geschwindigkeit und Präzision, mit denen der Ausnahme-Hackbrettspieler über die Saiten jagt, beeindrucken. Experten gehen von 666 Anschlägen pro Minute aus – bei 111 aufgezogenen Saiten auf kleiner Fläche. Wie er das schafft, lässt sich nur erahnen. Vielleicht liegt es daran, dass Zapf mit dem Hackbrett aufgewachsen ist. Oder sich im Musikstudium neben Knopfakkordeon und Horn auch mit dem Hackbrett beschäftigte. Jedenfalls wähnte sich der passionierte Hackbrettmusiker auf dem richtigen Karrierepfad, als er 1989 den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt und im selben Jahr das erste Hackbrettfestival im Münchner Gasteig organisierte. Mit Westermeier an der Gitarre spielt Rudi Zapf seit fast 40 Jahren zusammen. Besser aufeinander abgestimmt kann man nicht sein.

Von Irland geht es weiter auf den Balkan mit ausgewählten Liedern der Sinti und Roma. Wie in Ekstase wirkt der bayerische Hackbrettvirtuose, wenn er in noch nicht offiziell gemessenem Schlagtempo das Liedgut der „mobilen Gesellschaft“, wie er die Volksgruppe liebevoll nennt, zum Besten gibt.

Spanien und Japan

Aber Rudi Zapf beherrscht auch die leisen Töne. Etwa bei „Andaluza“, einem der zwölf Spanischen Tänze von Enrique Granados y Campiña. Nachdenklich, fast zärtlich erklingen im Adagio die hellen Töne des Hackbretts, die das Publikum anhaltend elektrisieren.

Ganz klar, Zapf’s Musik hat nicht im Geringsten mit dem Hackbrett aus der alpenländischen Volksmusik zu tun. Als er mit den „Canzoni della Strada“ die musikalische Reise nach Italien antritt, glaubt man sich unversehens in die vielen Jahrmärkte und Straßen versetzt. Mit seiner Zen-Meditation schickt der Virtuose die Zuhörer in ein buddhistisches Kloster nach Japan. Hohe Töne, schnell geklöppelt, erwecken den Eindruck des regelmäßigen Erklingens einer große Klangschale.

Bei so viel Entspannung ist Melancholie nicht weit. Dafür tauscht Zapf sein Hackbrett gegen das Vibrandoneon, ein Blas- statt Zieh-Akkordeon, ein. Flink huschen die Finger über die Tasten und bringen mit einer Milonga argentinische Schwermut nach Oberdießen. Mit der brasilianischen Interpretation von „Os pintenhos no terreiro“ erreicht das Konzert seinen Höhepunkt. Nach drei Zugaben endet die Weltreise der Musik auf hohem Niveau.

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