Silvia Barckolt - Rott -3D Bogenschießen
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Die WM- und EM-Medaillen umgehängt, eine Auswahl ihrer Trophäen in der Linken und den Bogen in der Rechten zeigt uns Silvia Barckholt ihren Trainingsparcours in Rott.

3D-Bogenschützin Silvia Barckholt

Mit Pfeil und Bogen zu WM- und EM-Gold

  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Rott – Sie sammelt Medaillen und Urkunden wie andere Bierdeckel oder Briefmarken: Silvia Barckholt (52) aus Rott, frischgebackene Welt- und Europameisterin im 3D-Bogenschießen. Nach über sechs Dutzend Siegestrophäen hat sie das Zählen aufgehört. Seit sie 2002 mit dieser Sportart angefangen hat und immer erfolgreicher wurde, ist der Schritt aufs Siegertreppchen fast schon zur Routine geworden. Glanzvoller Höhepunkt ihrer Sportlerkarriere ist der aktuelle Doppelsieg bei den Welt- und Europameister­schaften im ungarischen Szekszárd auf einem besonders schwierigen Parcours. 

3D ist eine anspruchsvolle und anstrengende Art des Schießsports mit Pfeil und Bogen. Denn hier sind nicht Scheiben das Ziel, sondern dreidimensionale und lebensgroße Tierfiguren aus Kunststoff. Sie sind wie bei einer echten Jagd auf einem Wald-, Feld- und Wiesenparcours mehr oder weniger versteckt. Ähnlich einer Schnitzeljagd müssen die Schützen erst einmal Steinbock, Hase oder Fasan ausspähen und dann von einem vorgegebenen Punkt aus schießen. Auf den Tierattrappen sind drei „Kills“ genannte Wertungszonen eingeritzt, aber nicht farblich gekennzeichnet. Ein Treffer im innersten Ring bringt 11 Punkte, im nächsten Ring 10 und im äußersten Ring 8 Punkte. Wer am Ende des mehrstündigen Parcours die meisten Punkte erreicht hat, ist Sieger.

Silvia Barckholt war in Ungarn die Beste und damit Doppelsiegerin. Denn wegen der Corona-­Pandemie wurden diesmal Welt- und Europameisterschaften zusammengelegt. Dafür hatte man den Parcours bei der dreitägigen „Fake-Jagd“ besonders schwierig angelegt. Barckholt: „Wir mussten bei brütender Hitze jeden Tag sechs bis acht Stunden quer durch die Puszta marschieren. Die Ziele waren dann im Vergleich zu normalen Wettbewerben in sehr großer Entfernung von bis zu 45 Metern aufgestellt.“ Oft konnte sie nur mit Gut-Glück auf Verdacht schießen, da die „Kills“ kaum oder nicht zu erkennen waren. Dabei muss sie beim Bogenspannen rund 30 Kilogramm ziehen, damit der Pfeil mit einer Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometern die Sehne Richtung Ziel verlässt.

Das 3D-Schießen ist also eine höchst athletische Sportart, die ständiges Krafttraining voraussetzt. Silvia Barckholt hat in ihrem Rotter Haus einen eigenen Fitnessraum und im Garten einen Spezialpool, in dem sie mit einem strengen Gummi­band festgezurrt gegen den Strom ankämpft. Und natürlich verfügt sie über einen eigenen Übungsparcours mit Plastikgetier und Zielscheiben zum „Warmschießen“ mit Blick zur Zugspitze.

Ihr Sport ist ein richtig teures Hobby, wobei der Bogen mit rund 1.500 Euro der kleinste Posten ist. Die Fahrten zu Qualifikationen und Wettbewerben müssen die Athleten aus eigener Tasche bezahlen. Barckholt und ihr Mann Jan, der das Hobby mit ihr teilt, legen mit dem Wohnmobil im Jahr über 18.000 Kilo­meter zurück. Das Geld dafür verdient Silvia mit dem Vertrieb von Luftreinigungssystemen.

Die Tirolerin und Wahl-Rotterin ist beim Bogensport eine „Spätberufene“. Als Jugendliche machte sie Judo bis zum Schwarzen Gürtel, sattelte dann um auf Ski-Abfahrtslauf und landete als Österreichische Landes- und Staatsmeisterin der Junioren im Nationalkader. Daneben studierte sie Veterinärmedizin in Wien und München bis zum ersten Staatsexamen. Hier entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden und wurde Springreiterin. Nach einem Reitunfall war diese Episode zu Ende und sie ließ sich zur Pferdewirtin ausbilden. Daneben arbeitete sie als Fitnesstrainerin beim VfL Kaufering, wo sie ihren Mann kennen- und liebenlernte. Über ihn kam sie 2002 zum Bogenschießen. 2008 war Silvia Barckholt Gründungsmitglied der „Landsberger Bogenschützen“. Der Welt- und Europameistertitel ist der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere, die sie noch lange nicht beenden will.

Ihr Knowhow gibt die zweifache Mutter und Oma gerne weiter. Als freiberufliche Lehrerin trainiert sie im Sportunterricht an der Montessori- und der Waldorfschule im Landkreis Nachwuchs für diesen außergewöhnlichen Sport. Und auf der Olympia-Schießanlage in München-­Hochbrück bildet Silvia Barckholt Trainer für den Schießsport aus.

Quelle: Kreisbote

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