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Neues Haus für flügge gewordene Heimkinder

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Von: Dieter Roettig

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Kinderheim St. Maurus - Dießen/St. Alban - Neubau
Das ehemalige Kinderheim „St. Maurus“ (oben) der Schutzengelschwestern in St. Alban wurde abgerissen und durch einen optisch ähnlichen Bau mit Appartements und Wohnungen ersetzt (unten). Im Sommer sollen die ersten Mieter einziehen. © Roettig

Dießen – Leicht ist den Bene­diktinerinnen vom Kloster St. Alban der Abriss des geschichtsträchtigen und ortsbildprägenden St. Maurus-­Heims in der Birkenallee nicht gefallen. Aber der Zahn der Zeit ließ ihnen keine andere Wahl. Um so mehr freuen sich die Schwestern, dass der Ersatzbau in Holzbauweise jetzt nach nur drei Wochen steht – sogar mit den berühmten roten Fensterläden im Erdge­schoss. Jetzt beginnt der Innenausbau. Wenn alles glatt läuft, können im Sommer die ersten Mieter einziehen.

Die Appartements und Wohnungen zu sozial verträglichen Preisen sind in erster Linie für flügge gewordene Heimkinder aus der benachbarten Einrichtung der Benediktinerinnen unter dem Trägerverein „Schutzengelschwestern“ gedacht. Wenn die „jungen Volljährigen“ das Heim in St. Alban verlassen müssen, können sie demnächst 500 Meter weiter in das neue St. Maurus-Haus einziehen. Eine ideale Lösung für Lehrlinge, die auf dem freien Wohnungsmarkt in der Ammersee-Region kaum Chancen haben.

Vor dem Abriss des Bestandsgebäudes ließ Ordensschwester Ingeborg Ott durch den Weilheimer Architekten Florian Lechner prüfen, ob man das Haus sanieren und als Wohngebäude umnutzen könne. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme fiel ernüchternd aus. Ungünstige Schnitte, feuchtes Mauerwerk sowie fehlender Brand-, Statik- und Schallschutz würden wohl „zu einer Kostenexplosion durch unkalkulierbare Zusatzkosten während der Umbauphase führen.“ Der Architekt empfahl Abriss und Neubau. Dem gab der Bau- und Umwelt­ausschuss der Marktgemeinde statt.

Etwas nach Südwesten gerückt entstand jetzt in Größe und Stil dem Altbestand ähnlich ein neues Mehrfamilienhaus. Mit vier Appartements unter 50 Quadratmeter Wohnfläche für die erwachsenen Heimkinder, sechs auch frei vermietbare Wohnungen mit über 50 Quadratmeter Fläche für Menschen mit mittlerem Einkommen sowie 20 Parkplätzen. Benachbart zum Neubau wird noch ein Nebengebäude errichtet, in dem die Müllentsorgung, ein Fahrradlager, die Heizzentrale und Technikraum untergebracht werden. „Leider konnten wir nicht wie geplant das Türmchen des alten Gebäudes als vertrautes Wahrzeichen wieder aufsetzen“, bedauert Heimleiterin Ingeborg Ott. Es sei einfach zu marode, werde aber auf dem Klostergelände einen Ehrenplatz erhalten.

Das alte als Hofstelle genutzte Gebäude hatten die Schwestern 1950 dem benachbarten Landwirt abgekauft, nach dem heiligen Benediktinermönch Maurus benannt und bis 1972 als Kinderheim genutzt. Später diente es als Erholungsheim für Kinder und als private Kindertagesbetreuung. Seit 2011 stand der auffällige Bau mit Türmchen und roten Fensterläden leer.

Seit 1923 betreiben die Bene­diktinerinnen vom Kloster St. Alban ihr Kinderheim. Die statio­näre Jugendhilfeeinrichtung kümmert sich um Kinder und Jugendliche, die aufgrund von Defiziten in ihrem Sozialisations­feld oder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung vorübergehend oder dauerhaft einer Heimerziehung bedürfen. Derzeit verfügt die Einrichtung über 75 Heimplätze.

Wenn die Jugendlichen erwachsen sind, sollten sie in der Regel das Heim verlassen. Es gibt hier zwar fünf Plätze für „innenbetreutes Wohnen als Übergangsform in ein eigenständiges Leben“, die aber bei weitem nicht ausreichen. Das neue Haus St. Maurus sei eine ideale Lösung, wie auch der Dießener Marktgemeinderat bereits bei der Bauvoranfrage festgestellt hat.

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