Paul Ansorge vom VfL Kaufering
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Paul Ansorge, der Sohn von Denklingens Trainer Markus Ansorge, spielt beim VfL Kaufering.

Sport-Kolumne „Ganz nah dran“

VfL-Trainer mit Bodenhaftung

  • Thomas Ernstberger
    VonThomas Ernstberger
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Diese Tabellen muss man sich eigentlich ausschneiden und aufheben. Zum ersten Mal grüßen zwei Teams aus dem Landkreis Landsberg von den Tabellenspitzen der Bezirksligen Schwaben und Oberbayern. Die beiden VfLs sind top, Kaufering und Aufsteiger Denklingen Tabellenführer in ihren Ligen.

Großartig und nicht unbedingt alltäglich: Die beiden Trainer freuen sich nicht nur über die starken Leistungen ihrer Teams, sondern auch über die Siege ihrer Nachbarn in der jeweils anderen Gruppe. „Was für eine tolle Momentaufnahme für den Fußball im Landkreis“, sagte zum Beispiel Ben Enthart (42), der Kauferinger Trainer, zu mir. Zusatz: „Es ist echt sensationell, was die Denklinger abliefern.“ Markus Ansorge (54), Denklingens Coach, gibt das Kompliment postwendend zurück: „Es läuft super in Kaufering. Und 6:0 muss man erst mal gewinnen.“

Zwei Trainer, zwei, die sich schätzen, dem anderen den Erfolg gönnen – und seit gemeinsamen Tagen ab 2013 beim BFV-Stützpunkt in Issing befreundet sind. Sympathisch: Die Trainer bleiben trotz Höhenflug am Boden, denken gar nicht daran, Saisonziele zu korrigieren. Ansorge will auch von „Pflichtsiegen“ (wie zuletzt dem 4:0 gegen Schlusslicht Kosova) nichts wissen: „Wir sind Aufsteiger, für den jedes Bezirksligaspiel ein Erlebnis ist.“

Wenn ihre Teams nicht am selben Tag spielen, schauen sie fast immer beim „anderen VfL“ zu. Bei Denklingens Ansorge hat das noch einen ganz besonderen Grund: Sein Sohn Paul (Foto) spielt bei Enthart in Kaufering. Und so kam es in der Vorbereitung vor ein einigen Wochen zu einer mehr als ungewöhnlichen Begebenheit: Paul hatte nach dem Spiel die Kauferinger Trikots zum Waschen mit nach Hause gebracht. Kein Problem für den Papa: Er steckte die Trikots in die Waschmaschine. Somit sorgte der Denklinger Trainer für saubere Kauferinger Spielkleidung. Wo anders wäre so eine Aktion undenkbar. Enthart weiß die Hilfe zu schätzen. Am Sonntag verriet er mir: „Ich werde mich in einem der letzten Saisonspiele dafür revanchieren. Vielleicht verkaufe ich in Denklingen Tickets oder putze die Kabine.“

So geht echte, gegenseitige Wertschätzung, bei der die Vereinsbrille längst keine Rolle mehr spielt.

Quelle: Kreisbote

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