Hans und Sebastian Ernst - Dießen - Segelyacht - Restaurierung
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Fischermeister Hans Ernst (rechts) und sein Sohn Sebastian restaurieren in St. Alban einen Segel-­Oldtimer aus dem Baujahr 1923. Im Frühjahr soll der Stapellauf stattfinden.

Ammersee: Alte Yacht in neuem Glanz

Wenn der Fischermeister zum Bootsbauer wird

  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen St. Alban – Mit 99 Jahren, da fängt das dritte Leben an! Der leicht modifizierte Songtitel von Udo Jürgens passt zur Wiederbelebung einer klassischen Segelyacht, die derzeit im Dießener Ortsteil St. Alban über die Bühne geht. Fischermeister Hans Ernst (75) und sein Sohn Sebastian (26) renovieren von Grund auf den Einmaster „60er-Nationaler“ aus dem Baujahr 1923 mit 60 Quadratmeter Segelfläche. Im kommenden Frühjahr, zum 99. Geburtstag des Schiffes, soll der Stapellauf stattfinden. 

Damit beginnt der dritte Lebensabschnitt des 11,40 Meter langen Seglers. Er wurde einst in Hamburg oder Bremen gebaut und fuhr viele Jahre im Salzwasser der Nordsee. Über die ersten Besitzer des damals piekfeinen und mit viel Mahagoni veredelten Schiffes ist laut Hans Ernst nichts bekannt. „Es war die Zeit, als die vornehmen Sonntagssegler quasi mit weißen Handschuhen ihrem noblen Hobby nachgegangen sind“, weiß er von historischen Berichten aus dieser Zeit.

Irgendwann wurde das Schiff verkauft und landete im zweiten Lebensabschnitt auf dem Starnberger See. Hier hat man wohl weniger auf das Äußere geachtet, denn Hans Ernst kaufte den Oldtimer im Jahr 1982 in desolatem Zustand als „grund­überholungsbedürftig“. Bis vor einem Jahr schlummerten Korpus, der über 16 Meter hohe Mast sowie Motor und Zubehör in einem Schuppen des Segelbootverleihs der Familie Ernst. Im vergangenen Corona-Sommer beschlossen Vater und Sohn, die aufwendige und zeitraubende Restaurierung endlich anzugehen und dem Schiff sein drittes Leben einzuhauchen.

Wie bei jeder Restaurierung liegt hier der ideelle Wert zugrunde, den das Schiff für die Eigner darstellt. Hans und Sebastian Ernst haben das Potenzial des Seglers mit der für Laien seltsamen Typenbezeichnung „60er-Nationaler“ erkannt und sind mit Herzblut und Leidenschaft ans Werk gegangen. Der Rumpf des stilvollen Holzbootes wurde bereits in mühsamen Handarbeit repariert, abgeschliffen und mit Kunststoff überzogen. Der abschließende weiße Speziallack fehlt noch.

Die edle mit Mahagoni verkleidete Kajüte wird gerade von Hans Ernst wieder auf Vordermann gebracht.

Derzeit wird auf Deck und in der luxuriösen Kajüte gearbeitet. Die edle Mahagoni-Verkleidung und die Schränkchen mit Messingbeschlägen sind noch im Originalzustand und müssen nur an einigen Stellen mit gleichwertigem Holz ausgebessert werden. Schließlich wird auch das Deck mit Mahagoniholz belegt. Obwohl der alte Dieselmotor noch einwandfrei funktioniert, wird er gegen einen Elektromotor ausgetauscht.

Nach dem für das nächste Frühjahr geplanten Stapellauf wird das vom vernachlässigten Pott zum Schmuckstück rausgeputzte Schiff in den Segelboot-Verleih integriert und kann gechartert werden. Bis zu 15 Personen haben darauf Platz und können damit den Ammersee durchkreuzen. Über den Namen des Schiffes ist sich die Familie Ernst noch nicht sicher. Hans Ernst favorisiert „Eridanus“ nach dem Sternbild südlich des Himmels­äquators.

Quelle: Kreisbote

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