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Wie Schafe hinter Zäunen

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Von: Susanne Greiner

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LBB-Demonstranten in Landsberg am 10. Januar
Die Gegendemonstranten des Landsberger „Montagsspaziergang“ mussten sich in abgesperrten Bereichen versammeln, während die ‚Spaziergänger‘ ohne Polizeibegleitung die Altstadt für sich hatten. © Schwaiger

Montagabends sind Münchens Straßen leer. Aufgrund der dortigen Allgemeinverfügung, die auch spontane Versammlungen untersagt, wandern die ‚Spaziergänger‘ ins Umland. Eine ‚Idee‘, die auch auf Telegram kommuniziert wird. Die Stadt Landsberg ‚profitiert‘ – neben Spaziergängern aus Augsburg, Schongau oder anderen Landkreisen – auch von den Münchnern. Am Montagabend liefen somit ab 18 Uhr wieder gut tausend ‚Spaziergänger‘ durch die Altstadt. Landrat Thomas Eichinger (CSU) postete indessen in seinem „Landrat live“ einen Aufruf, nicht an Demo oder dem „geduldetem Spaziergang“ teilzunehmen. Circa um 18 Uhr.

Polizeikräfte waren weitaus mehr anwesend als noch vor einer Woche. Sie schirmten die Gegendemonstranten auf dem abgesperrten Hellmairplatz ab und sorgten dort konsequent für Masken- und Abstandspflicht. Die Abstände und die Masken kontrollierte sie auch mit großem Einsatz bei den knapp 50 Gegendemonstranten um den abgesperrten Marienbrunnen – mehr waren seitens des Landratsamtes dort nicht genehmigt. Währenddessen ‚spazierten‘ die Corona-Maßnahmen-Kritiker ohne Polizei durch die Altstadt. Die den Hellmairplatz meidende Route war ebenfalls bereits Tage vorher bei Telegram bekanntgegeben worden. Auf den Bürgersteigen war kein Durchkommen mehr, teilweise wurde der Verkehr behindert, da die ‚Spazierer‘ auf der Straße liefen. Niemand trug eine Maske, Abstände waren wohl weniger wichtig.

Zum Abschluss gab‘s einen Singkreis mit geschätzt 100 Teilnehmern, die „Die Gedanken sind frei“ zum Besten gaben. Textzettel waren vorbereitet, denn wer hat schon beim Spazierengehen den Text des Volksliedes in der Tasche. Niemand achtete auf den Mindestabstand, der laut Landratsamt auch für angeblich spontane Versammlungen im Freien aktuell gilt. Auch die Polizei schaute dem Treiben zu. Bis sie sich entschloss, die Sänger auf den Mindestabstand hinzuweisen, verging rund eine halbe Stunde. Nach dreimaligem Appell zum Abstandhalten, exakt um 19.31 Uhr, deklarierte die Polizei das Ereignis offiziell als ‚neue‘ Versammlung, die nun beendet werde. Die Teilnehmer sollten den Platz verlassen. Auch hierzu wurde nochmals aufgerufen. Spazierer, die weiterhin eng zusammenstanden, wurden weder angesprochen noch wurden ihre Personalien aufgenommen.

Aufgrund dieser ‚Freiheiten‘ für die nicht Angemeldeten, nicht Maskentragenden, nicht Abstand Haltenden bleibt nur ein Schluss: Sich gesetzeskonform zu verhalten und eine Demonstration anzuzeigen, ist unklug. Man findet sich gleich einem ‚Schlafschaf‘ gut bewacht hinter Zäunen. Eine Gleichbehandlung findet nicht statt. Denn offenbar sind manche gleicher.

In ihrer Pressemitteilung nennt die Polizei den gesamten ‚Spaziergang‘ eine „unangemeldete Versammlung“. Die Einhaltung der Hygienevorschriften sei „weitgehend gelungen“

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