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Wilde Feiern an Uttings Grundschule

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Von: Dieter Roettig

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Grundschule Utting mit Graffiti
Abends und nachts wird von Jugendlichen auf dem Gelände der Uttinger Grundschule oftmals maßlos gefeiert, was Müll, Glasscherben oder Schmierereien beweisen. Mit einer Videoüberwachungen will man jetzt den Rabauken auf die Spur kommen. © Roeetig

Utiing – Die Uttinger Grundschule ist schon seit längerem eine Problemzone. Vor allem am Wochenende abends und nachts treffen sich auf dem Pausenhof, auf dem Gelände rund um die Turnhalle und sogar auf dem Flachdach des Übergangs vom Alt- zum Neubau Gruppen von Jugendlichen zum Abhängen und Feiern. Oft genug artet das nach Alkoholgenuss in Randale und Vandalismus aus. Mit einer Videoüberwachung soll dem jetzt Einhalt geboten und die Chaoten zur Anzeige gebracht werden.

Mit einer knappen Mehrheit von 9:8 Stimmen bewilligte der Gemeinderat die Anbringung von vier Überwachungskameras, was aber noch mit dem Datenschutzbeauftragten der Gemeinde abgestimmt werden muss. Da die bisherigen Anzeigen bei der Polizei nichts brachten, können die Randalierer künftig identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden. Aber noch mehr hofft die Gemeinde auf die abschreckende Wirkung der Videoüberwachung.

Vor allem am Montag-Morgen hat bislang der Schulhausmeister alle Hände voll zu tun, die Hinterlassenschaften der Jugendlichen zu beseitigen: Bier- und Schnapsflaschen, Scherben, Kronkorken, Zigarettenkippen, Chipstüten und sonstigen Müll. Die Gefahr, in Glasscherben zu treten, ist durch den unmittelbar benachbarten Hort sowie den Container-Kindergarten „Mariä Heimsuchung“ in der Nähe besonders groß.

Nicht nur Müll verursachen die Jugendlichen. Sie haben in der Vergangenheit auch schon für Sachbeschädigungen an den Sitzgruppen gesorgt oder wollten die Eingangstüre zum Hort gewaltsam aufhebeln. Unschöne Schmierereien an den Wänden müssen ständig überpinselt werden. Blumenkübel und Fahrradständer wurden entfernt und als Tritthilfe genutzt, um auf das Flachdach zu gelangen.

Bereits im letzten Jahr hatte die Grüne Alternative Liste (GAL) angeregt, auf dem Schulgelände Bewegungsmelder und Scheinwerfer anzubringen, um die Jugendlichen fernzuhalten. Bürgermeister Florian Hoffmann hielt dagegen, dass dies die Feierwütigen nicht abschrecken würde. Er berichtete von eigenen Erfahrungen, dass die Jugendlichen „patzig und uneinsichtig“ reagierten, als man sie vom Schulgelände verweisen wollte.

Bei der kontroversen Gemeinderats-Diskussion für und wider die Videoüberwachung sprach sich vor allem die GAL dagegen aus. Hier würden nur die Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen: „Es wäre blauäugig zu glauben, das Problem würde sich durch die Installation einer Videoüberwachung in Luft auflösen. Die Jugendlichen wurden ja bereits vom Summerpark vertrieben, jetzt werden sie von der Grundschule verscheucht. Die Frage ist, wo gehen sie als nächstes hin?“

Raum für Jugendliche

Es bedürfe einer mittel- und langfristigen Strategie. Sinnvoll wäre es, mittelfristig den Dialog mit den Jugendlichen aufzubauen. Optimal wären dazu Streetworker, die sich „mit aufsuchender Jugendarbeit auskennen und vermitteln“. Langfristig brauche die Gemeinde Utting aber eigene Räumlichkeiten für die Jugendlichen, die im Einklang mit ihnen gewählt und konzipiert werden müssen.

Einen ersten Schritt hat die Gemeinde mit der Bürgerbeteiligung der künftigen Nutzung und Erweiterung des Bahnhofsschuppens zum „Refugium“ bereits getan (wir berichteten). Man darf gespannt sein, ob und wie viele Jugendliche sich hier einbringen und Ideen beisteuern.

GAL-Gemeinderat Dr. Nikolaus Högenauer möchte die Eltern mit ins Boot holen: „Auch wenn das Jugendhaus in Utting längst überfällig ist, so rechtfertigt das nicht, das Schulhaus zu beschädigen und Müll und Glasscherben zu hinterlassen. Anstatt Videokameras aufzuhängen würde ich mir wünschen, dass die Uttinger Dorfgemeinschaft solche Entgleisungen einzelner Jugendlicher aktiv wahrnimmt und die Eltern darauf anspricht. Nur so lernen die Kids etwas daraus.“

Ungeklärt bleibt trotzdem die Frage, warum Feiern von Jugendlichen so oft in Randale und Vandalismus ausarten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bislang ergeben, dass sich das Problem durch alle sozialen Schichten zieht, wobei die Verursacher meist zwischen 13 und 15 Jahren alt sind. Jungs benehmen sich dabei auffälliger als Mädchen und die Jugendlichen schlagen meist in der Gruppe zu.

Die Motive bei den Jugendlichen seien unter anderem Wutabbau, Langeweile, Wurstigkeit, das „LmaA“-Gefühl und auch ein gewisser Spaßfaktor. Ein wichtiger Ansatzpunkt bei der Prävention durch Eltern und Lehrer seien nicht nur die strafrechtlichen Konsequenzen, sondern auch die moralische Komponente.

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