Abschieben nach Afghanistan?

Katrin Woitsch: „Die Flüchtlinge haben Panik“; Bayern 24. Februar, Mitdenken statt mitfühlen; Leserbriefe 17. Februar

Wenn ein Asylbewerber die Berufsschule besucht, hat es den Status der Gestaltung, ansonsten würde es keine Genehmigung zur Ausbildung erhalten haben. Angst haben sie trotzdem, wenn sie nicht hingehen, weil in dem ständigen Wechsel den Anweisungen unsere Staatsregierung niemand mehr wissen kann, wie die Rechtslage nächste Woche aussieht. Das nervt! Alle! Die Arbeitgeber, die Asylbewerber. Die Helferkreise. Und dem Spruch! „Kein Mensch ist illegal“ finde ich nicht dümmlich, sondern es regt zum Denken an Was es ihr Verdienst, Herr Gaume im (jetzigen) Deutschland geboren zu sein? Schauen sie nur 70 – 100 Jahre in der Geschichte zurück, da haben sich auf der Welt hunderte von Grenzen hin und her verschoben, was jetzt Polen ist, war Deutschland, was jetzt Italien ist, war Österreich, und der gesamte Nahe und Mittler Osten wurde von Kolonialmächten neu aufgestellt, und zwar auf die denkbar unsinnigste Weise. Also was sind Grenzen? Was sind Nationen? Was sind Ethnien? Alles ist im Fluss, und wer weiß, unter welcher Herrschaft Deutschland in 50 Jahren sein wird. Es ist auf jeden Fall besser und menschlich, sich ganz doll liebzuhaben, als sich gegenseitig über den Globus zu jagen und abzuknallen. Und: Eine Gerichtsurteil ist kein Gotteswille. Es gibt und gab viele Gerichtsurteile, die voll daneben lagen oder einfach unmenschlich waren. Ein Richter ist nicht unfehlbar.

 Gundula Martz Oberau

Nun wurde schon seit zehn Tagen von dem Abschiebeflug von München aus berichtet, muss das sein? Pro Asyl und andere Helferkreise rufen zum Ungehorsam gegen den Staat auf, darf das sein? Warum wird das nicht bestraft? Von 50 Personen sind nur 18 abgeflogen, die anderen untergetaucht! Ich frage mich:Wie können die Menschen, welche die Abschiebungen verhindern, den Angehörigen und Kindern unserer im afghanischen Krieg gefallenen Soldaten/innen mit gutem Gewissen in die Augen schauen. Die Soldaten kämpfen für die Freiheit Afghanistans und halten ihre Köpfe hin für solche jungen, kräftigen Männer, die keine Lust haben ihr Land zu verteidigen, sondern sich lieber hier von den Asylhhelfern verwöhnen zu lassen. 

Ulrike Horschke München

Ich kann nicht verstehen, wie angeblich christliche Menschen der Unionsparteien Afghanistan zu einem sicheren Herkunftsland erklären können. Gerade so gut kann man dann auch Libyen, Ägypten, Somalia, Nigeria usw., aber auch Syrien zu einem sicheren Land erklären; denn auch dort gibt es bestimmt, den dummdreisten und dämlichen Ausreden einiger CDU- und CSU-Granden folgend, „sichere Gebiete“. Ein angeblich sicheres Gebiet kann morgen schon von Terror und Gewalt überzogen sein. Können das unsere angeblichen Spitzenpolitiker nicht erkennen? Oder können diese Politiker das ausschließen? Wer dann noch zufällig in dem sicheren Gebiet erschossen wird oder auf eine Mine tritt, hat halt Pech gehabt.

 Holger Mairoll Kolbermoor

Ich habe die Leserbriefe der Wochenendausgabe mehrfach gelesen. Dabei fiel mir auf, dass den Schreiber gar nicht bekannt war, dass die von uns als Afghanen bezeichneten jungen Männer gar nicht aus Afghanistan kommen. Da in Afghanistan Krieg und Chaos herrscht, hat es ca. 2 Millionen Afghanen seit den 70er Jahren in den Iran verschlagen. Meistens handelte es sich um Hazara, einer schiitischen Minderheit. Sie dachten, dass der ebenfalls schiitische Iran sie freundlich empfangen würde. Doch diese Hoffnung wurde schnell zerstört. Das zeigt sich, dass afghanische Migranten nicht selten unter fadenscheinigen Bedingungen von iranischen Gerichten zum Tod verurteilt werden. Regelmäßig finden Hinrichtungen statt, bei denen in der Vergangenheit auch vor Minderjährigen nicht halt gemacht wurde. Berichten zufolge befanden sich vor zwei Jahren mindestens 3000 Afghanen in iranischen Gefängnissen. Mädchen ab 9 Jahre und Buben ab 16 können zum Tod verurteilt werden. 46 von ihnen warten derzeit auf die Hinrichtung (sie werden aufgehängt oder geköpft) einige sind seit Jahren inhaftiert. Eine gängige Praxis der Polizei ist es bei einer Wohnungsdurchsuchung den Familien alle Papiere abzunehmen. Pässe, Geburtsurkunden, Impfbücher und Zeugnisse sowie die Flüchtlingskarten, ohne Existenznachweis dürfen sie nicht einmal eine Handykarte kaufen, falls sie das Geld hätten. Ebenso ist ihnen der Zugang zum Gesundheit und Bildungssystem verwehrt. Afghanische Migranten haben keine Anspruch und keine Möglichkeit zur Bildung. Sowohl die Schule, als auch die Universität bleibt ihnen verwehrt. Wer sich weiterbilden oder einer legalen Arbeit nachgehen will, braucht die iranische Staatsbürgerschaft. Diese bleibt für viele Afghanen jedoch ein Wunschtraum. Aus diesem Grund sind die Flüchtlinge auf Schwarzarbeit angewiesen. Für den Iran ein mittlerweile wichtiger Wirtschaftsfaktor, Großstädte wie Teheran, Schiraz oder Maschad wachsen täglich. Ohne die afghanischen Schwarzarbeiter, die einen Hungerlohn erhalten und in ärmlichen Baracken hausen, würden die meisten Gebäude wohl nicht stehen. Kinderarbeit ist an der Tagesordnung. Ab dem 12. Lebensjahr von Buben, wird erheblicher Druck ausgeübt sich als (freiwilliger ) in die Armee Assads zu verpflichten, Verhaftungen, kurzzeitiger Arrest, Schikanen der Familien und Berichten zufolge verspricht Teheran, Afghanen, die nach Syrien gehen, eine Aufenthaltsgenehmigung, die iranische Staatsbürgerschaft oder ähnliches. Ferner wird den Kindern ein Schul- oder Universitätsbesuch versprochen. Da die meisten jungen Männer ohne jegliche Kampferfahrung nach Syrien geschickt werden, an die Front, ist eine Rückkehr sehr unwahrscheinlich. Für welches Land, für wen sollen sie kämpfen, was sollen sie wo aufbauen? Wenn die Ausweisungen rechtmäßig sind, warum war das Flugzeug halb leer. Welches Verbrechen hat der Vater, der in Deutschland seinen 14 jährigen schwerbehinderten Sohn pflegt begangen, dass er ohne diesen ausgewiesen wird. Ist es Unrecht, wenn das Gericht verfügt hat, Deutschland darf sein Pflegepersonal sparen er bleibt da. Ist ein Land für das eine Reisewarnung ausgesprochen wurde, aus dem sich die Hilfsorganisationen zurückziehen. In dem Tode Zivilisten als Kolateralschaden angesehen werden wirklich sicher? Oder wird das Grundgesetz gebeugt. 

Edith Thorma Wolfersdorf

Ist Afghanistan ein sicheres Herkunftsland? 2006 lebten dort 25,6 Millionen Menschen, 2016 waren es 32,7 Millionen. Der Bevölkerungszuwachs beträgt ziemlich exakt 700.000 pro Jahr. Die Zahl der Auswanderer fällt bei der Bevölkerungsentwicklung überhaupt nicht ins Gewicht. Warum glauben dann vor allem unsere Grünen und Roten, die bei uns ankommenden Afghanen könnten in ihrem Herkunftsland nicht leben? Fragt doch die dort lebenden 32,7 Millionen, wie sie das anstellen! Im Rekordjahr 2015 sind laut Zivilopferbericht der UNO-Menschenrechtsabteilung 3545 Menschen in Afghanistan durch Gewalt und Waffen ums Leben gekommen. Die Gefahr, in Deutschland bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, ist genauso hoch (3475 Tote laut Angaben des Statistischen Bundesamts für 2015). Ich habe noch nicht gehört, dass deswegen jemand ausgewandert wäre. Das Motiv der Afghanen, die ihr Land verlassen, dürfte sich - von Ausnahmen abgesehen - kaum von dem der Europäer unterscheiden, die in den vergangenen Jahrhunderten nach Amerika ausgewandert sind. Es ist die Hoffnung auf mehr Wohlstand in kürzerer Zeit. In unserem modernen Sozialstaat ist das zumindest der Anspruch auf Sozialleistungen, die es zu Hause nicht gibt.

 Winfried Mayer Seefeld

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