Ärztemangel: mehr Medizinstudenten ausbilden!

Susanne Weiss: CSU will eine Landarztquote; Bayern 12. Dezember

Auf den ersten Blick scheint es begrüßenswert, dass die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum für die Zukunft verbessert werden soll. Vor allem, weil man sich ja mittlerweile Sorgen macht, dass so etwas wie Geburtshilfe aus Kostengründen im Oberland eingestellt wird, siehe Penzberg, Bad Tölz und weitere Einrichtungen im Voralpenland. Wie man angehende Landärzte bevorzugen will, lässt sich aus dem Artikel nicht entnehmen, steht doch da explizit, Abiturnote und Medizintest bleiben auch für angehende Landärzte erhalten, lediglich über die Bestrafung bei Nichteinhalten gibt es eine klare Meinung. Aber dass so etwa 1000 bis 2600 (ginge sicherlich genauer) Hausarztstellen unbesetzt sind weiß man und dass 58 % der derzeit praktizierenden Hausärzte keinen Nachfolger haben. Das weiß man aber seit 1989. Damals nahm die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland um 16,43 Mio Einwohner zu. Das nannte sich damals Wiedervereinigung, falls das jemand vergessen haben sollte und mit Stand 1989 gab es in Westdeutschland 79 888 Studierende im Fach Medizin. Im Jahr 2015 sind es 78 915 Studenten, die sich in Ost und West darum bemühen, einmal Mediziner zu werden. Im Klartext heißt das, dass die Zahl der Medizinstudienplätze nicht erhöht wurde, obwohl man schon damals absehen konnte, dass es allein durch Alterung der damals praktizierenden Mediziner zu Versorgungsengpässen kommen wird. Plus 16 Millionen Einwohner, aber keinen Doktor mehr ausbilden. Wer kommt denn auf solche Ideen? Ach so, die kann man ja aus Drittländern abwerben, aus dem Iran, aus Rumänien, Nigeria oder sonst woher, ist uns doch egal, ob diese Länder ihre eigenen Leute teuer ausbilden, bei uns verdienen die dann ja mehr und werden schon zu uns kommen, das mit dem Deutsch sprechen ist ja eher zweitrangig, Hauptsache Arzt. Und wenn diese Länder dann unter Ärztemangel leiden, sollen sie doch mehr ausbilden. Nachdem man also 26 Jahre lang wusste, was auf uns zukommt, und es wird noch schlimmer, so etwa 15 000 Hausärzte stehen kurz vor der Rente, macht man jetzt mal schnell eine vernünftige Politik. In 10 Jahren haben wir 100 neue Ärzte mehr auf dem Land und dann kann man ja mal wieder krank werden. Ich schwanke in den letzten Wochen zwischen Trauer und Wut über die Politiker in meinem Land und möchte fast jeden Tag einen Leserbrief schreiben, um etwas Dampf aus dem Kessel zu lassen. 

Ernst-Otto von Drachenfels Penzberg

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