Integrationskraft des Schützensports ist enorm

Katrin Woitsch: „Asylbewerber darf nicht zu Schützen“; Bayern 5. Februar

Sehr geehrter Herr Landesschützenmeister Kink, lieber Wolfgang, ich bin bei meiner täglichen Presseschau auf einen aktuellen Artikel im Münchner Merkur aufmerksam geworden. Darin wird die ablehnende Haltung des Schützenmeisters der Feuerschützengesellschaft Gars, gegenüber der Aufnahme eines Flüchtlings in den Schützenverein dargestellt. Über die Argumentation des Schützenmeisters bin ich nicht nur verwundert, ich bin entsetzt und schäme mich dafür. Scheinbar wird das Thema „Integration“ bei den Garser Feuerschützen überhaupt nicht angegangen, sondern es wird eine abweisende Blockadehaltung eingenommen. Seit 30 Jahren bin ich Mitglied in mehreren Schützenvereinen und habe über viele Jahre verschiedene Funktionen in der Jugendarbeit ausgeübt. Als ehemaliger Bürgermeister und stellvertretender Landrat bin ich noch heute sehr eng mit dem bayerischen Schützenwesen verbunden. Aus meiner Zeit als Jugendleiter weiß ich, die Integrationskraft des Schützensports ist enorm. Die Sportschützen verbinden in bester Weise Tradition, Sport und gesellschaftliche Zusammengehörigkeit und haben in der Vergangenheit viel zur erfolgreichen Integration von Neubürgern beigetragen. Bei den Schützen haben seit jeher Menschen zusammengefunden, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen stammen. Bei uns Schützen zählt wie du bist, und nicht wo jemand herkommt. In unseren Schützenvereinen können wir den neu zu uns gekommenen Menschen unsere Lebensart und unsere Werte unmittelbar und positiv näherzubringen. Durch mein Amt als stellvertretender Landrat habe ich täglich mit Flüchtlingen zu tun, ein Großteil will sich in unsere Gesellschaft integrieren und unsere Gewohnheiten annehmen. Die Verweigerungshaltung und die vorgeschobenen Argumente der Feuerschützen aus Gars kann ich daher nicht verstehen, ich schäme mich offen gestanden für diese Aussagen. Als gewähltem Repräsentanten des bayerischen Schützenwesens, müssen dem Schützenmeister seine Außenwirkung und die gesamtgesellschaftliche Verantwortung bewusst sein. Durch seine Aussagen schürt er jedoch unterschwellig Ängste, verhindert die Integration und betreibt Ausgrenzung. Das Argument der „Verständigungsprobleme“ kann ich nicht nachvollziehen. Laut Pressebericht steht der junge Mann kurz vor dem Abschluss der Mittleren Reife, daher müssen seine Deutschkenntnisse gut und ausreichend sein. Ich sehe das Vorgehen der Feuerschützen als Armutszeugnis für das Garser Schützenwesen an. So wird der Wille zur Integration bereits im Keim erstickt. Die Türe wird zugeschlagen, um keine ernsthaften Integrationsversuche unternehmen zu müssen. Ein derartiges Vorgehen schadet unserem bayerischen Schützenwesen nachhaltig, daher hoffe ich auf eine klare und schnelle Reaktion des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB).

Falls die Feuerschützengesellschaft Gars Mitglied im BSSB sein sollte, bitte ich Dich als Landesschützenmeister um eine sofortige Kontaktaufnahme mit dem betreffenden Schützenmeister, um Schaden vom BSSB abzuwenden. Die Flüchtlingssituation ist sicherlich in Teilbereichen aus dem Ruder gelaufen. Besonders die Grenzregionen zu Österreich werden überproportional stark belastet. Wir müssen die Menge und Geschwindigkeit der globalen Flüchtlingsbewegungen besser steuern und koordinieren. Daher habe ich großes Verständnis für die besondere Sensibilität bei Flüchtlingsfragen, gerade in unseren Grenzregionen. Umso höher ist aus diesen Gründen jedoch die Verantwortung der öffentlichen Repräsentanten, wie unserer Schützenmeister, einzuschätzen. Das Schützenwesen, und besonders die Schützenjugend, strahlen eine enorm positive Energie aus. Ein besonders positives Beispiel hierfür ist die Schützenjugend im Bezirk München, gerne bin ich bereit einen Gedankenaustausch und ein „Aufeinanderzugehen“ vorzubereiten. Abschottung bedeutet Ausgrenzung und führt uns in die falsche Richtung. Gemeinsam müssen wir mögliche Schäden vom bayerischen Schützenwesen und vom BSSB abwenden. Daher sollten wir den örtlichen Verantwortungsträgern helfend und unterstützend zur Seite stehen. Gerne bin ich bereit ein persönliches Gespräch mit Josef Brün, dem Schützenmeister der Feuerschützengesellschaft Gars, zu führen.

Otto Bußjäger Höhenkirchen-Siegertsbrunn

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