Leserbrief

Möglichkeiten für die Bahn

Dirk Walter:Wenn die Eisenbahnnicht mehr fährt;Bayern 7. November

Da wird also vonseiten der Politik die Reaktivierung von Nebenbahnen für den Personenverkehr u.a. mit der Begründung abgelehnt, „die meisten der stillgelegten Strecken seien ohne Strom und daher müsse man Dieselzüge einsetzen“, was nicht mehr ins heutige Umweltbild passen würde.

Hierzu sei angemerkt, dass Firmen wie Bombardier (mit dem Talent 3) akkubetriebene elektrische Triebzüge im Lieferprogramm haben, die über eine Reichweite von ca. 100[km] (neue Version) pro Akkuladung verfügen. Das Laden der Akkus erfolgt über den Fahrdraht (vulgo: Oberleitung) und dauert ca. 10 Minuten.

Am 23. Januar 2018 hat Verkehrsminister Herrmann dem bayrischen Kabinett ein Konzept für „mehr Elektromobilität auf der Schiene“ vorgelegt, in dem die Elektrifizierung der Bahnstrecke „Kaufering - Landsberg“ (Länge ca. 5[km]) als eine priorisierte Aufgabe aufgeführt ist. Und hier wären wir nun bei der Fuchstalbahn von Landsberg nach Schongau: Diese Strecke ist ca. 29[km] lang und weist einen Maximalhöhenunterschied von ca. 127[m] (über eine Strecke von ca. 20[km]) auf. Diese Steigung hin und zurück (ca. 58[km]) wäre also mit einem Talent 3 mit einer Akkuladung zu bewerkstelligen und es wäre noch genügend Winter- und Schlechtwetterreserve vorhanden. Am Wendepunkt in Landsberg würde der Zug während eines etwas längeren Aufenthaltes dann aus der Oberleitung der Strecke „Kaufering - Landsberg“ jeweils nachgeladen.

Hiermit wäre in recht kurzer Zeit (und ohne jahrzehntedauernden und kostenintensiven Oberleitungsbau) die Fuchstalbahn für den Personenbetrieb sehr umweltschonend und ohne Dieseltriebfahrzeuge (wieder) in Betrieb zu nehmen. Und, da bin ich mir sicher: Bei vorbehaltsloser Betrachtung ohne (ggf. interessengeleiteten) Tunnelblick und über den Tellerrand hinaus bestehen sicher auch für andere bayrische Nebenbahnlinien derartige Möglichkeiten.

Die technischen Möglichkeiten und Konzepte sind also generell schon vorhanden - man muss sie vonseiten der (auch lokalen) Politik nur realisieren wollen (und nicht nur auf den Geldbeutel schauen). Dazu braucht die Politik allerdings (technische) Fachleute an ihrer Seite - wirkliche Bahn-Fachleute (und zwar mit deutlichem Mitspracherecht) und keine superteuren Unternehmensberater oder Ähnliches. Und die (immerhin vom Bürger gewählte) Politik sollte endlich einsehen, dass eine vernünftige und in die Tiefe des Landes gehende Eisenbahnmobilität eine originäre Aufgabe der staatlichen Daseinsvorsorge ist und dass deswegen Ertrags- und Profitkriterien aus dem BWL-Folterwerkzeugkasten bei dieser Aufgabe auf gar keinen Fall die erste Geige spielen dürfen (eigentlich nicht mal die zweite oder dritte Geige) - ansonsten kann man alle vollmundig tönenden Aussagen der Art wie „der Verkehr muß runter von der Straße“ nur als hohle Polit-Phrasen bzw. die üblichen substanzarmen Sonntagsreden bezeichnen.

Herbert Schulz

Obersöchering

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