Ein freundliches Servus

Stefanie Böck: Kämpfer fürs „Grüß Gott“; Bayern 6. März

Nicht nur im Allgäu, sondern ganz besonders in München gibt es bald keinen Verkäufer und Kassierer mehr, der seine Kunden nicht mit einem „Guten Morgen“, „Guten Abend“ oder einem „Grüß Gott“, begrüßt. Dieses ewige „Hallo Hallo“ sagte man früher nur beim Telefonieren. Hat man früher als Jugendlicher einen Erwachsenen mit Hallo angesprochen, dann bekam er zu hören: „Der Hallo is scho gstorbn!“ Das heißt, es war damals einfach, respektlos einen Erwachsenen so salopp zu grüßen. Deshalb wäre es schön, wenn Chefs von Supermärkten und Kaufhäuser ihre Angestellten verstärkt anweisen würden, ihre Kunden wieder etwas respektvoller zu begrüßen und auch zu verabschieden. Bei diesem „Hallo“ und auch dem „Tschüß“, fühlt man sich ja irgendwie geduzt. Grüß Gott und Auf Wiedersehen ist doch einfach viel kultivierter. Allerdings bin ich selbst nicht böse, wenn mich privat jemand mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßt. Von mir gibt’s dann ein freundliches „Servus“ zurück. Bekanntlich macht ja der Ton die Musik. 

Romana Bigl München 

Herr Stiefenhofer steht nicht alleine, er hat in München viele Mitstreiter. Das in Deutschland früher nur übliche Händeschütteln wurde durch das Fernsehen ab circa 1970 überrollt. Die dort übliche Bussi-Bussi-Begrüßung besonders ausgeprägt bei US-Filmgrößen flimmerte in alle Wohnstuben der Deutschen. Die vererbte Neigung unserer Ur-Ur-Ahnen, alles nachzuäffen, schlug bei uns voll zu. Wir kopieren diese im Fernsehen gezeigte Bussi-Begrüßung zu 100 % und sind sogar noch stolz dabei. Auch das Händeschütteln hat Varianten durch das Fernsehen inspiriert, hervorgebracht zum Beispiel man greift mit aufgestellten Unterarm nach dem Daumen seines Gegenübers und fühlt sich irre in. Die verbalen Fernsehentgleisungen wie „Hi“, „Tschau“, „Tach“, „Hallo“ etc. verdrängen unsere althergebrachte Begrüßung. Unsere Ur-Ur-Ahnen lassen grüßen. Der Bairische Gruß Grias God und Pfüa God song, des pfleng mia auch. In d’Aung schaung und d’Hand gem, is bayerischer Brauch. 

Herbert Ebner München

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