BOB stößt an ihre Kapazitätsgrenzen

Christoph Hollender: Ausnahmezustand in der BOB – selbst erlebt; Bayern 17. Oktober

Dass es an einem so wunderschönen Spätsommer-Wochenende in den Bergen von Ausflüglern nur so wimmelt, sollte jedem klar sein. Zu allem Überfluss aber bekommt man auf jedem Radiosender auch noch den Tipp, unbedingt in die Berge zu fahren – damit sich noch viel mehr Autos (auch von denen, die vielleicht noch gar nicht daran gedacht hatten, dorthin zu fahren) am fröhlichen Stauen beteiligen. Vielleicht sollten die Medien mit solchen Vorschlägen etwas bedachter umgehen? 

Veronika Huber Jakobneuharting

Sehr geehrter Herr Hollender, Ihr Arbeitgeber, der Münchner Merkur, ist selbst Teil des Problems. Es ist bekannt, dass die BOB bei schönem Wetter an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, dazu wurde im Merkur schon einiges geschrieben. Die Länge der Bahnsteige und Eingleisigkeit der Strecken im Oberland sind Gegebenheiten, die kurzfristig nicht veränderbar sind. Nichtsdestotrotz veröffentlichte der Merkur letzte Woche angesichts der guten Wetteraussichten einen Artikel, wie gut man mit der BOB die Berge erreicht. Wie viele Personen in ihrem überfüllten Zug haben sich auf diesen Tipp eingelassen, haben Sie mal gefragt? Auch ich hatte Anfang letzter Woche vor, am Wochenende eine Bergtour in den Münchner Hausbergen zu machen und mit der BOB anzureisen. Nach dem Artikel aber stand für mich fest, dass ich darauf verzichte und auf eine stressfreie Radlrunde um den Tegernsee, unabhängig von Auto oder Zug, umschwenke. Und ob ich mich nun eingeschränkt fühle oder flexibel bin – das liegt allein an mir. 

Irene Kiessler Warngau

Seit Jahren beobachten sicher nicht nur wir das bunte Ausflugstreiben im bayerischen Oberland – hauptsächlich in den Ferienzeiten und an schönen Wochenenden. Wir leben selber durchaus gut davon, denn wir dürfen neben anderen Gaststätten auch Siebenhütten in den Kreuther Bergen, ein beliebtes Ausflugsziel, betreiben. Ich persönlich kann durchaus die Menschen verstehen die an solchen Tagen in die Natur und Berge wollen, das war schon immer so und ist auch sehr erfreulich. Doch kannte man dieses Phänomen, wie zehntausende Menschen mehr seit ein paar Jahren bei gutem Wetter ins Tegernseer Tal drängen, so noch nicht. Wie soll das weitergehen? Ist diese Entwicklung wirklich so gewollt? Oberbayern mit dem „Speckgürtel“ um München boomt, viele Menschen ziehen hier hin, die Politiker in den meisten oberbayrischen Gemeinden weisen weiter mit flottem Tempo Wohn- und Gewerbegebiete aus und die Stadt München selber plant bis 2030 bis zu zwei Millionen Einwohnern. Was allerdings gerne dabei vergessen wird: Die Straßen werden nicht breiter, die Ausflugsgebiete werden nicht mehr und auch nicht größer, die Parkplätze an den beliebten Plätzen reichen jetzt schon nicht mehr aus, die Kapazitäten in allen Bereichen, auch die Mitarbeiter und Dienstleister sind längst an ihre Grenzen gekommen – teilweise schon überschritten worden. Das passt auch noch der Masterplan der Münchner Stadtwerke dazu, der „sein“ Wasserschutzgebiet weit über die Münchner Landkreisgrenzen hinaus erweitern will und muss, denn Millionen von Menschen brauchen natürlich auch immer mehr von dem wertvollen Grundnahrungsmittel Trinkwasser. Dass der Landkreis Miesbach und viele seit Generationen beheimatete Bürger dadurch erhebliche Einschränkungen hinnehmen müssen ist schon eine Erwähnung wert. Ich möchte die verantwortlichen Politiker anrufen, dass es mit dieser einseitigen Geschwindigkeit einer solchen Landesentwicklung nicht weitergehen kann. Wo sind die Bürgermeister und Landräte die um den so viel gepriesenen Erhalt des schönen Bayernlandes kämpfen? Alle müssten sich mal zusammensetzen und auch mal ungeliebte Dinge ansprechen – die Entwicklung der Großstadt München und die Entwicklungen der Boom-Gemeinden und vor allem deren Folgen rund um die Großstadt zu diskutieren. Da passt auch noch die geplante dritte Startbahn am Münchner Flughafen ins Bild, die für tausende Menschen Arbeitsplätze sichern soll? Da werden noch mehr Fachkräfte gebraucht und geholt die wiederum Wohnungen usw. brauchen und natürlich wie alle anderen auch Interesse haben an schönen Wochenenden in die Ausflugsgebiete zu fahren. Da fragt man sich schon auf welche Kosten. So lange jede Kommune sein eigenes Entwicklungs-Süppchen kocht wird der Wahnsinn so weitergehen. 

Josef Bogner senior Rottach-Egern

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