Leserbrief

Wen interessieren diese Geweihe noch?

München - Folgende Leserbriefe beziehen sich auf den Text von Hüseyin Ince, "Braune Geweihe", in der Ausgabe vom 10. März im Münchner Merkur.

Wie war es möglich, dass Hermann Göring „Ende der 1940er Jahre“ im ostpreußischen Rominten kapitale Hirsche schoss, wie Hüseyin Ince im Beitrag „Braune Geweihe“ über eine „fehlende Aufarbeitung der NS-Geschichte“ des Münchner Jagd-und Fischereimuseums schreibt? Göring ist doch nach amtlichen Angaben schon am 10. Oktober 1946 im Nürnberger Kriegsverbrecher-Gefängnis durch Selbstmord gestorben. Wurde er „nach seinem Tode in die Luft verwiesen, wo er mit seinem Hunde, ohne auszuruhen, Tag und Nacht jagen muss“? (Jakob Grimm, Deutsche Mythologie)

Es durfte da nicht ausbleiben, dass ein leibhaftiger Landtags-Ausschuss seine ganze Aufmerksamkeit den Jagdtrophäen des einstigen „Reichsjägermeisters“ und ihrer unkommentierten Ausstellung im Jagdmuseum, also „Hirschgeweihen mit eindeutiger Nazigeschichte“ widmen musste, obgleich es sich doch eindeutig um parteipolitisch unschuldiges Rotwild handelt. Das war deutscher Gründlichkeit bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit geschuldet.

Man könnte noch tiefer in die Geschichte eintauchen. Lange bevor Problembär Bruno das Bayernland heimsuchte und bewegende öffentliche Anteilnahme fand, wurde bereits im August 1938 „auf Anordnung des Reichsjägermeisters Hermann Göring der Braunbär mit sofortiger Wirkung als deutsches Wild in das Deutsche Reichjagdgesetz aufgenommen“. Die Bezeichnung „Braunbär“ bedarf vor dem Hintergrund aktueller Erörterungen um das Jagdmuseum sicher einer kritischen Überprüfung. Eine politisch korrekte Umbenennung, etwa „Buntbär“,wäre angezeigt. Vielleicht sollte das Museum auch Jagdtrophäen von Stasi-Chef Erich Mielke erwerben, um ideologisch übergreifend zu demonstrieren, wie gern sich gerade Diktatoren als leidenschaftlich naturverbundene Waidmänner präsentieren.
Winfried Röhmel, Forstinning

Haben eigentlich unsere Landtagsausschüsse nichts Besseres zu tun, als über ein paar alte, wenn auch prominente „Knochen“ zu debattieren? Den ehemaligen Geweihträgern war es sicher egal, wer sie ins Jenseits befördert hat; nach dem Krieg hat man halt vergessen, die Trophäen zu entnazifizieren. Kein Geld sei vorhanden, diese Geweihe mit politisch korrekten Kommentaren zu versehen. Wen interessiert denn das eigentlich noch? Die Museumsverantwortlichen sollen „Odin“ und Kollegen in der Asservatenkammer belassen und stattdessen ein paar gute Hirscherl vom Franz Josef Strauß oder so aufhängen.

 Alexander Bosl

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