Dankbar für die Schulspeisung

Dankbar für die Schulspeisung

Brauchtum;Bayern 9./10. September

So ein Schmarrn! Die Kolumne „Brauchtum“ finde ich immer sehr interessant, aber diese Mal bin ich als sachkundiger (weil damals Kind) Zeitzeuge anderer Meinung: Ich habe als Kind von Dezember 1945 an unter der hier angeprangerten („… nicht so beliebten“) Schulspeisung „gelitten“. Moment mal, gelitten? Wir Kinder waren glücklich über süße Milchsuppen und -brei. Die waren mit echter Milch gekocht, damals eine Seltenheit. Als Belohnung für gute Leistungen oder besonderes Bravsein, nicht als Strafe, durfte man am Ende den Topf auskratzen, in dem bei Grießbrei unten die meisten Rosinen klebten! Gerne erinnere ich mich auch an süße rosafarbene Puddingsuppen und besonders an seltene Semmeln mit damals exotischer Erdnussbutter.

Meine Frau teilt genau diese Erfahrungen. Die ganze Herrlichkeit (im Volksmund „Quäkerspeisung“) kam mindestens zu Anfang aus den USA und England. Deshalb wurde sie auch im Sommer 1947 mit Beginn des Kalten Krieges in der sowjetischen Zone eingestellt („Von denen nehmen wir nichts“). Später dann, im Westen, habe ich davon noch bis 1950 gerne profitiert. Erst mit Gymnasium war dann Schluss.

Die Schulspeisung wurde jeden Tag ausgegeben, auch wenn nur an jedem zweiten Tag Schule war, weil es keine Kohlen gab. Wir waren jedenfalls dankbar dafür. Und die Organisation der Quäker, die das Ganze auch schon nach dem Ersten Weltkrieg organisiert hatte, hat dafür 1947 den Nobelpreis bekommen! „Nicht so beliebt?“ Dass ich nicht lache!

Dr. Ulf-H. Knabe
Weilheim

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