Goppel nicht tragbar

„,Denkmalfreaks‘“; Bayern 29. April

Dass sich der ehemalige Kulturminister Thomas Goppel in Sachen Fürstenfeldbrucker Lichtspielhaus in seiner vertraulichen E-Mail vom 26. März gegen den Beschluss des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege stellt, verwundert nicht im Geringsten. Schon 2007/2008 hat sich Minister Goppel in Sachen Gut Kaltenbrunn ähnlich verhalten und die Initiatoren zum Erhalt des einzigartigen Kultur- und Naturdenkmals nicht unterstützt, sondern den Investor für ein überdimensioniertes Luxushotel am noch unberührten Nordufer des Tegernsees. In Benediktbeuern unterstützt er den Investor für ein Tagungshotel im historischen Südgarten dieses Urklosters, obwohl es mit Sicherheit einen alternativen Standort gäbe. Seine Bermerkung zum Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister entlarvt ihn. Seine Aussage zeigt mehr als deutlich, dass er als Vorsitzender dieses hervorragenden Gremiums – mit so herausragenden Personen wie Prof. Alexander von Branca, Prof. Hans-Busso von Busse, Hans Roth – nicht tragbar ist und nie war. In der CSU findet man aber immer wieder Posten für Ex-Minister.

Angela Brogsitter-Finck Gmund

Freak – laut der Definition von Wikipedia ein Krüppel, Verrückter, Unnormaler aber auch Begeisterter. Herr Goppel scheint von Denkmälern und dem Denkmalschutz im Allgemeinen wenig begeistert zu sein und dies hat er erneut eindrucksvoll bewiesen. In der Entscheidung, ob der denkmalgeschützte Südgarten des Klosters Benediktbeuern mit einem Hotel für Mitarbeiter der Fraunhofer Gesellschaft bebaut werden dürfe, äußerte er sich mit den Worten, „man müsse schließlich die Belange des Investors berücksichtigen“; zu einem Standortvorschlag an der für das Kloster weniger schädlichen Westseite sagte er deutlich, dass dieser „nicht attraktiv genug“ für den Investor wäre. Investor? Was investiert die Fraunhofer Gesellschaft eigentlich in den Bau ihres Netzwertzentrums mit Bergblick im denkmalgeschützten Südgarten des Klosters Benediktbeuern? Es sind über 8 Mio. Euro Steuergelder, bereitgestellt von Bund und Freistaat Bayern. Dem Bürger „verkauft“ man den geplanten Bau als Rettung des Klosters! Im Rückschluss daraus ist natürlich jeder, der sich gegen das Vorhaben auflehnt, mit verantwortlich, sollten sich die Salesianer Don Boscos nicht mehr länger im Kloster Benediktbeuern halten können. Sogar vor einer möglichen Ansiedelung von Sekten warnt er. Ein Neubau in Form eines Hotels soll also das Kloster in seiner historischen Substanz retten. Ist das die Nachhaltigkeit, die sich die Fraunhofer Gesellschaft immer so groß auf ihre Fahne schreibt? Wo bleiben hier eigentlich die denkmalschutzrechtlichen Belange, Herr Goppel? Natürlich, ich verstehe...die werden den Belangen des Investors untergeordnet. Die Äußerung, man müsse sich in Fürstenfeldbruck sputen, weil im Landesdenkmalrat die Denkmalfreaks aus dem ganzen Freistaat versammelt sind, muss für die echten Denkmalschützer ein wahrer Schlag ins Gesicht sein und hat für mich, als „kleinen Denkmalschützer“ zur Folge, Entscheidungen des Landesdenkmalrates unter der Führung des Herrn Goppel nochmals genau zu hinterfragen bzw. überprüfen zu lassen. Die Äußerungen des Herrn Vorsitzenden wirken, als würde er versuchen, unter dem Deckmantel des Landesdenkmalrates die Gesetze zum Denkmalschutz mehr und mehr aufzuweichen. Zur Erinnerung: Denkmalschutz hat in Bayern Verfassungsrang! Herr Goppel, wenn für Sie wirtschaftliche oder politische Belange vor dem Denkmalschutz stehen, dann sollten Sie unverzüglich Ihr Amt als Vorsitzender des Landesdenkmalrates niederlegen. Sie beschmutzen die Ehre und das Engagement all derer, die sich begeistert für den Erhalt unserer Denkmäler einsetzen!

Julia Wolff

Bürgerinitiative zum Erhal des historischen Klosterensembles Benediktbeuern

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