Bestehlen anderer ist ein Strafdelikt

Verkehrte Welt; Leserforum 27. Oktober, „Oma Ingrid“ muss ins Gefängnis; Bayern 27. Oktober

Oma Ingrid hat im Fernsehen gesagt, dass sie nicht bereit ist, verschimmeltes und verfaultes Obst von der Tafel zu essen, da sie besseres gewohnt ist. Es ist eine Beleidigung für jeden freiwilligen Mitarbeiter einer Tafel, diese Aussage zu treffen. Warum hat Oma Ingrid nicht in ihrem Arbeitsleben wie alle anderen Beiträge bezahlt, dann wäre ihre Rente auch höher? 

Eva Wahl Tegernsee

Warum die Aufregung wegen des Urteils? Das Gericht hat sicherlich Nachforschungen angestellt wie Zurechnungsfähigkeit oder Bedürftigkeit und dann dieses Urteil gefällt. Es gibt halt mal Gesetze, die das Bestehlen anderer als Strafdelikt betrachten. Hier kann man keine Ausnahme machen, ob jung oder alt ob reich oder arm. Ob einer wegen Hunger oder wegen Bereicherung klaut, er hat andere geschädigt. Auch Jugendliche werden je nach Schwere der Delikte entweder zu Sozialarbeiten oder Gefängnis verurteilt. Fakt ist aber, dass man hier in Deutschland wegen Hunger nicht stehlen muss, wir haben viele gemeinnützige Einrichtungen wie Tafeln die jeden Tag Essen kochen und Lebensmittel an Bedürftige zum Mitnehmen ausgeben. Vielleicht werden jetzt Nachbarn oder Bekannte der alten Dame jetzt auf sie aufmerksam und kümmern sich um sie. 

Monika Kotter Hohenlinden

Achtzigjährige Frau wird wegen Kaufhausdiebstahl verurteilt. Ich ging in den Fünfzigerjahren in das Luisengymnasium in München. Einmal im Jahr fuhr unsere klasse in das Landschulheim in Pöcking. Dies kostete etwa 150 Mark. Für einen Schüler wurden von der Stadt München die Kosten übernommen. Meine Mutter war Kriegerwitwe. Sie hatte das Geld nicht und sagte zu mir: Du musst sagen, dass ich das nicht zahlen kann. Mir war dies ungeheuer peinlich. Meine Klassenkameradinnen waren alle sehr betucht. Sie kamen aus Solln, Grünwald usw. So sollte ich aufstehen vor der Klasse und sagen: Ich kann dies nicht zahlen. Es war Winter und ich stellte mich draußen in die Kälte, damit ich krank würde und mir diese Schmach erspart bliebe. Aber es half nichts. Die Blicke meiner Klassenkameradinnen, als ich aufstand und dies mitteilte, sind mir bis heute unvergesslich. Die betreffende Dame sagt, es gäbe Suppenküchen usw. kann sie sich denn nicht vorstellen, dass sich manche Menschen schämen ihre Armut öffentlich zu zeigen. Sicher hat sie eine solche Situation, wie ich sie damals erleben musste, nie erlebt und ich wünsche ihr dies auch nicht. Viele Menschen wissen heute nicht mehr, was es heißt, arm zu sein. 

Ursula Pietschmann Bernried

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