Leserbriefe

Vor- und Nachteile des E-Autos

Cindy Boden: „E-Autos sind noch nicht CO2- sauber“,Interview mit Hans Werner Sinn; Bayern 11. März

E-Autos machen Sinn: 1. Weil sie nicht warmlaufen müssen (bei durchschnittlich 17 km Arbeitsweg einfach, hat Verbrenner kaum Abgas-Reinigung). 2. Eingebaute Solarzellen können bis 30 km/Tag nachladen! (zum Beispiel SION von Sono Motors).

3. Die extrem durchzugsstarken E-Motoren kommen mit der halben durchschnittlichen Flottenleistung von 110 kw aus und laden die Bremsenergie nach.

4. Die Batterie kann in die Energieversorgung von Gebäuden integriert bzw. später dafür verwendet werden.

Konrad Rudolf

München

Es ist mir komplett unverständlich, wie ein gescheiter Mensch wie Herr Prof. Sinn in diesem Zusammenhang so viel Unsinn, bzw. längst Überholtes erzählen mag! Oder hat man seitens der Zeitung lange gesucht, bis jemand gefunden wurde, der die Stammtischparolen auf diesem Gebiet neu befeuert. Warum laden Sie nicht z. B. Frau Prof. Dr. Claudia Kemfert (Abteilungsleiterin Verkehr, Energie, Umwelt beim DIW Berlin) zum Interview ein, deren Veröffentlichungen (besonders „Mit E-Mobilität von Null auf Hundert“) ich hier als Lektüre empfehle. Frau Prof. Kemferts Spezialgebiet ist auch Umwelt- und Energieökonomie und nicht Finanzwissenschaft wie bei Herrn Sinn. Es gibt mittlerweile viele Untersuchungen zu diesem Thema, die auf sehr unterschiedliche Ergebnisse kommen. Eine Meta-analyse (Auswertung von 23 Studien zum selben Thema), die 2019 im Auftrag der Agora Verkehrswende erstellt wurde mit dem Titel „Klimabilanz von Elektroautos“ (auch frei im Internet zugänglich) kommt zum Ergebnis: „In allen untersuchten Fällen hat das Elektroauto über den gesamten Lebensweg einen Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner“…. Dieser Vorteil ist unterschiedlich ausgeprägt. Selbst wenn man den Strommix von 2016 zugrunde legt (was einige der ausgewerteten Studien tun – von wegen also schönrechnen!), dann ergibt sich eine Emissionsverminderung über die Lebensdauer von 24 % (Benziner) und 12 % (Diesel). Bei reinem Solarstrom liegt der Vorteil des Elektroautos laut dieser Studie bei 50 % (trotz des Batterie-Rucksacks, den ich nicht leugne). Herr Prof. Sinn scheint in letzter Zeit aus der Stadt nicht viel herausgekommen zu sein, sonst würde er erstens wissen, dass es dort viele (große) ältere Fotovoltaik-Anlagen auf Dächern gibt, bei denen die Einspeisevergütung in Kürze endet. Gerade hier wären E-Autos perfekte Stromspeicher und Stromnutzer dieses Sonnenstroms. 100 % Ökostrom ist also dort keine Utopie! Zweitens würde Herr Sinn mit Schrecken feststellen, dass auch in kleineren Städten Stop-and-go Verkehr an der Tagesordnung ist und gerade wir auf dem Land mehr als die Städter tagtäglich aufs Auto angewiesen sind (mangels ÖPNV) und zum großen Teil Kurzstrecken fahren. Ein schöner Trend ist, dass wir bei diesen Kurzstrecken öfter aufs Rad steigen und hier tragen die viel gescholtenen E-Autos dazu bei, dass wir nicht permanent mit Abgasen eingeräuchert werden.

Kerstin Härtle

Peißenberg

Als Ingenieur musste ich schon sehr schmunzeln, als ich las, dass der Ökonom Hans Werner Sinn erklärt, wie Elektromobilität der Zukunft aussehen muss. In seinen aktuellen Vorträgen und auch in diesem Interview bezieht er sich auf die „Denkfabrik Joanneum“, die für den ADAC eine Studie gemacht habe. Wenn er in der Zusammenfassung dieser Studie den letzten Punkt gelesen hätte, würden seine Vorhersagen des CO2-Ausstoßes der verschiedenen Antriebsarten für die nächsten Jahrzehnte nicht so linear verlaufen.

Wörtlich steht dort als letzter Satz: „Weil zum Beispiel ein Batteriefahrzeug mit derselben Menge an erneuerbaren Energien eine größere Reichweite als ein Brennstoffzellenfahrzeug oder ein E-Fuel-Verbrennerfahrzeug erzielen kann“.

Wenn man in dieser Studie den Vergleich der (dort angewendeten) Lebenszyklusanalyse mit der Betrachtung Well-to-Wheel sucht, ist das leider vergebens. Was man stattdessen an mehreren Stellen findet (nicht nur auf S. 33), sind Hinweise auf den Einfluss der Stakeholder dieser Studie (ITF, TCS, FIA), die allesamt Benzin im Blut haben. Ein Schelm, wer denkt, das Joanneum könnte eventuell ein williges Werkzeug gewesen sein! Bei Abschätzungen, die vor einem Jahr im Handelsblatt-Magazin „Edison“ angegeben wurden, liest man, dass nur für Her- und Bereitstellung von Dieselkraftstoff bereits halb so viel elektrische Energie benötigt wird, wie ein Elektroauto bei der Fahrt überhaupt verbraucht. Schade, dass sich die deutschen Automanager offenbar zu lange von Ökonomen leiten ließen – bis Herbert Diess (VW) kam.

Prof. Dr. Bernhard Liesenkötter

Rosenheim

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