Gefahr gebannt?

Dirk Walter: Mit „Eh da“-Flächen gegen das Insektensterben; Bayern 12. Oktober

Und wieder enthält der Münchner Merkur einen Beitrag, in dem auf den „Kampf gegen das alarmierende Insektensterben“ hingewiesen wird. Wochenlang bereits kämpften Journalisten, Leser und nicht zuletzt die Bundesumweltminister-Darstellerin Hendricks hingebungsvoll gegen die intensivst gefühlte Katastrophe. Seriöse Grundlagen - Fehlanzeige. Sie wurden und werden großzügig durch anekdotische Evidenzen kompensiert. Die Studie, die im Orbroicher Forst von 1989 bis 1993 durchgeführt wurde, erlangte in diesem Zusammenhang zweifelhaften Ruhm – das RWI Essen wählte sie zur „Unstatistik des Monats“, samt dezidierter Erklärung weshalb. Gewiss, sie enthält Erkenntnisse - auf keinen Fall jedoch solche, die auf ein generelles, flächendeckendes und somit alarmierendes Insektensterben in Deutschland hinweisen würden. Doch gilt auch hier das Motto: Ist die Prämisse akzeptiert - fabuliert sich’s ungeniert. Und so werden Kausalitäten halluziniert, wo noch nicht mal Korrelationen aufgezeigt worden sind. Hauptsache, das eigene Weltbild und die favorisierte Ideologie finden Bestätigung. Es gäbe gesellschaftliche Probleme, die ob ihrer hohen Relevanz durchaus einer wochenlangen Begleitung durch Presse, Politiker und Bürger bedürften. 

Manfred Huber München

Als die alarmierenden Nachrichten zum Themas Artenschwund und Insektensterben auch die prominenteren Seiten der überregionalen Tagespresse erreichten, dachte so mancher Naturliebhaber, -schützer, -interessierte: Na endlich! Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!? Aber schnell macht sich Ernüchterung breit, wenn man lesen muss, dass die zuständigen Behörden nicht einmal Willens sind jene geschätzten 4,4 % der vorhandenen Flächen überhaupt zu registrieren, geschweige denn, etwas zu ihrem Schutz zu unternehmen. Auf diesen Flächen wird mehrmals jährlich exzessiv gemäht, auch in den heiß-trockenen Sommermonaten, bis ins (nicht ans!) Erdreich hinein, da wird mitten in der Blütezeit der „Grünstreifen“ total weggeschoben, da werden Bäume und Sträucher, Begleithecken, die als Lebensräume für Insekten, Vögel, Kriechtiere und Kleinsäuger dienen könnten gnadenlos und verstümmelnd zusammengeschnitten, so dass einem die Augen übergehen, wenn man daran vorbeigehen muss. Und dies nicht nur an Autobahnen und Bundesstraßen, das findet sich bis an die kleinsten Feldwege, auf öffentlichen „Grün“flächen, Verkehrsinseln, Parkplätzen und und und… Bei jeder dieser Schnitt- und Mähaktionen werden Myriaden von Insekten, quasi als Kollateralschäden, oft im Larvenstadium vernichtet und den übrigen die Nahrungsgrundlage genommen. Diese Vorgehensweise ist ästhetisch ein Graus, ökologisch desaströs und, das für die Bürokraten eigentlich Schlimmste, teuer!! Und jetzt die gute Nachricht: Weniger dieser „Pflege“ wäre bedeutend mehr. Ließe man der Natur, statt ihr durchgehend Schlamperei zu unterstellen, genügend Raum zur Selbstregulierung, wäre das in allen oben genannten Punkten ein Gewinn auch und vor allem in finanzieller Hinsicht. Der nächste Schritt wäre dann, den Agronomen die ökologische Bedeutung und für den in der Nähe der Siedlungen Erholung suchenden Menschen stimmungsverbessernde Wirkung des Anblicks intakter Acker- und Wegrainen zu erklären. Aber da wird’s natürlich heikel – denn das kostet was. Bernd

 Hertling Grafing

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