Eine Wolfsregulierung ist dringend notwendig

Umweltministerium: Schutz vor Wolf auf Almen möglich; Bayern 11. August

Das von Umweltskandalen (z.B. Bayernei, Schlachthofverstöße u.v.m.) gebeutelte Umweltministerium versucht nun scheinbar in Sachen Wolf am Wähler wieder etwas gut machen zu müssen, anders ist diese Aussage, dass Herdenschutz auf Almen möglich sei, nicht zu erklären. Das erwähnte Pilotprojekt, von Almbauern und LfU gemeinsam 2011 mit Schweizer Experten durchgeführt, belegt eindeutig, dass Herdenschutz auf den allermeisten Almen nicht möglich ist. Ob dieses kleine Wort nicht versehentlich verschwunden oder aktiv übersehen wurde, weil es nicht ins Konzept passt, ändert nichts an der Realität. Und diese besagt, egal ob in Italien, Frankreich, der Schweiz oder aber den deutschen Bundesländern: Ohne Wolfsregulierung kann Weidehaltung nicht betrieben werden.

Nikolaus Schreyer und Andreas Schönauer
Fischbachau, Beteiligte Almbauern am Herdenschutzprojekt auf der Rotwand


Seit Wochen liest man in den Medien und Zeitungen, dass sich viele Menschen auf die Rückkehr der Wölfe freuen. Unzählige Jahre verbringe ich meinen Urlaub im schönen Bayern, besonders gerne fahre ich in die Alpenregionen wie Tölzer Land, Bayerischzell, in das Tegernseer Tal und in den Isarwinkel. Dort verbrachte ich einige Sommermonate als Sennerin auf den hochgelegenen Almen. Die Arbeit als Hüterin von Rindern, Kälbern, Ziegen und Schafen ist verantwortungs- und anspruchsvoll. Wenn sich Wölfe dauerhaft auf Almen, Weiden und in den Wäldern herumtreiben, wird es niemanden mehr geben, der sich als Hirte von Almtieren zur Verfügung stellt. Die Wolfsrudel sorgen dafür, dass die Alm- und Weidebetriebe ihre Tiere im Stall lassen. Almen und Weiden werden verbuschen, wenn keine Rinder, Schafe und Ziegen mehr auf den Flächen grasen.

Alle Almbauern in Europa haben das gleiche Problem mit der Rückkehr des Wolfes. Die Schutzmaßnahmen, ob hohe Zäune oder Herdenschutzhunde, nützen nichts vor Wolfsübergriffen. Bewirtschaftete Hütten und Ein- kehrstätten, die sich in Almgebieten befinden, werden allmählich weniger Zulauf haben. Wir brauchen wolfsfreie Zonen in Weide-, Alm- und Tourismusgebieten.

Wieso lernen wir nichts von Ländern, bei denen Wölfe schon länger sesshaft waren und in Weidegebieten großen Schaden anrichteten? Im Norden Finnlands gibt es seit längerer Zeit wolfsfreie Zonen zum Wohle und Schutz der Rentiere, Nutztiere, Touristen und der Bevölkerung.

Brigitte Datzer
Poppenhausen


Die Leserbriefe zeigen meiner Meinung nach, dass ein Großteil die wirklichen Probleme, die durch den Wolf ent- bzw. bestehen, nicht erkennen kann. Wir diskutieren nicht über Angriffe auf Menschen, obwohl dies nicht von der Hand zu weisen ist, sondern über beispielsweise 32 Schafrisse in drei Nächten, weshalb doch Grimms Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ zutreffender wäre. Wer weiß schon, wie ein Netz- oder Litzenzaun für eine Tagesweide aussieht und pro Meter kostet? Welcher Arbeits- und Kostenaufwand betrieben werden muss für eine Dauerweide? Wie viele Stunden ein Umsetzen, die Kontrolle der Zäune wöchentlich in Anspruch nehmen?

Die aufgeworfene Frage: „Weshalb klappt’s in anderen Ländern?“ kann leicht beantwortet werden. Kein Land gleicht sich in der Struktur Bewirtschaftung und besonders in der Bevölkerungsdichte. So hat Deutschland 222 Bewohner pro km², Schweden nur 22. Trotzdem leben bei uns bereits über 60 Rudel, bedeutet plus Paar- und Einzelwölfe ca. 400 Wölfe, und es sollen noch mehr werden, da eine Wolfsregulierung bei uns derzeit strikt abgelehnt wird. Schweden hingegen will seine Wolfspopulation auf 210 Wölfe, bzw. 20 Rudel begrenzen, und gibt jährlich 30 bis 40 Abschüsse frei. Ferner wurde der Norden wegen der Rentierhaltung zur Wolf-freien Zone erklärt. In allen Ländern, wo der Wolf heimisch ist, so meine Erfahrung, werden Wölfe wegen ihrer Schäden an Nutz- und Wildtieren legal bejagt, und wo dies durch die Politik verhindert wird, illegal mit Gewehr, Schlinge oder Gift dezimiert.

Wenige Menschen bedenken die negativen Auswirkungen, die durch Wölfe an anderen Tieren und Pflanzen entstehen. So ist zu befürchten, dass z. B. Muffelwild, Damwild und eventuell das Steinwild in Wolfsregionen verschwinden. Durch den Rückgang der freien Schaf-Weide und der damit fehlenden Landschaftspflege werden in Franken und Oberbayern zig geschützte Blumen und Kräuter zuwachsen, und Lebensraum für Insekten, Vögel und sonstige Kleintiere verschwinden. Ist dies ein gleichwertiger Natur-Tierschutz, wenn das Motto lautet: „Der Wolf kommt und 40 plus Lebewesen und Pflanzen müssen dafür weichen“?

Hubert A. Hertlein
Murnau

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