Leserbrief

Ernährungssouveränität

Dominik Göttler: Bayern will mehr Bio; Bayern 22. April

Den Beschluss der Staatsregierung, in ihren Kantinen bis 2025 mindestens 50 % regionale oder Bio-Lebensmittel zu verwenden, fand ich Anfang letzten Jahres zwar unterambitioniert, aber immerhin erfreulich. Für unseren neu gewählten Gemeinderat wollte ich damals mit Unterstützung der neuen grünen Gemeinderäte eine ehrgeizigere Richtlinie formulieren, um bald 100 % regionale oder Bio-Lebensmittel für alle Gemeindekindergärten und bei allen Gemeindeveranstaltungen einzukaufen. Leider führte das in eine Sackgasse: eine Bevorzugung regionaler Produkte verstößt gegen EU-Wettbewerbsrecht und darf auf keinen Fall auch nur in Umschreibungen in einer offiziellen Richtlinie vorkommen! Eine freundliche Beraterin vom Kompetenzzentrum Ernährung erklärte mir, wie denn dann die Staatsregierung ihr 50%-Ziel erreichen will: sie orientiert sich am Qualitäts(!)siegel „Geprüfte Qualität Bayern“. Mit diesem Siegel werden nur die letzten Produktionsschritte in Bayern verankert, aber Futter- und Düngemittelimporte sind damit nach wie vor möglich – zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz (im Sinne der Kreislaufwirtschaft) trägt dieses Siegel also nicht bei. Es stärkt allerdings die bayerische Lebensmittelwirtschaft, und hier vor allem auch kleinere und mittelständische Verarbeitungsbetriebe, was sicherlich auch erstrebenswert ist (Stichwort Ernährungssouveränität). Als Bio-Milchbäuerin schätze ich selbst ja auch die Vielfalt und kleinen Strukturen der bayerischen Molkereien, die teils noch handwerklich arbeiten. Im deutschen und europäischen Vergleich ist das einzigartig und trägt indirekt sicher auch zum nachhaltigen Wirtschaften bei. Hier teile ich den Standpunkt von Frau Sengl nicht: regional und Bio darf für den Beitrag zur Nachhaltigkeit durchaus gleichgesetzt werden - solange „regional“ tatsächlich bedeutet: der ganze Kreislauf ist geschlossen, weder Futtermittel noch Düngemittel werden importiert und die Tierhaltung ist bodengebunden (also: es werden nur so viele Tiere gehalten, wie von der Fläche ernährt werden können). Auch deshalb ist das Siegel „bio aus Bayern“, welches bedauerlicherweise dem Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ sehr ähnlich sieht und welches wohl der Durchschnittsverbraucher (zum Beispiel: mein Mann) noch nicht als unterschiedlich wahrgenommen hat, nicht sehr verbreitet: weil es tatsächlich die regionale Herkunft aller Vorprodukte verlangt. Dieses Kriterium ist bei der aktuellen Struktur der Märkte sehr schwierig zu erfüllen, denn der für nachhaltige Kreisläufe notwendige Umbau der Ernährungswirtschaft hat noch kaum begonnen!

Dorothee Rieger

Icking

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