Leserbrief

So wird Zivilcourage erstickt

Dominik Göttler und Claudia Schuri: „Es fehlt an Respekt“; Bayern 5. NovemberAndreas Thieme: Nockherberg-Star vor Gericht; München 2./3. November,

In ihrer Wochenendausgabe wurde berichtet, dass der Kabarettist Hartmann (Namensgleichheit zufällig) verklagt wurde, weil er laut Bericht eine laut streitende Schülergruppe auseinanderzog, zwei Schülerinnen am Arm packte und eine davon gegen die Freundin gestoßen habe. Trotz sorgfältiger Suche wurden keinerlei Verletzungen festgestellt. Wer schon jemals eine laut streitende Schülergruppe erlebt hat, weiß, dass es nicht damit getan ist zu sagen: Du weißt doch, dass Du das nicht tun sollst“. Er verteidigte sich, dass er in einen Tumult geraten sei und Schlimmeres verhindern wollte. Täglich liest man, wie solche Streitereien ausgehen können. Dann käme aber sofort der Vorwurf, warum sind sie als Lehrer nicht dazwischen gegangen. Anstatt dass die Eltern ihren Sprösslingen sagen: Was fällt Dir ein, sich so in der Schule zu benehmen, rennt man zur Polizei, geht vor Gericht und besteht darauf, dass sich der Lehrer entschuldigt und erklärt, warum er bei diesem Zickenstreit dazwischen gegangen ist, wenn er das mache, könne man ihm verzeihen. Und ihre Zeitung hat nichts besseres zu tun, als den Vater des betroffenen Mädchens mit stolzgeschwellter Brust mit seiner Tochter zu fotografieren und diesem damit ein Forum zu bieten. Glauben Sie, dass dieser Lehrer und alle die das mitbekommen haben, jemals wieder bei einem eskalierenden Streit dazwischen gehen? Auch so kann man Zivilcourage ersticken.

Hannelore Hartmann

Starnberg

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