Faschings-Panzer ein Fauxpas

Wegen des Faschingswagens „Ilmtaler Asylabwehr“ ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Bei „Charlie Hebdo“ hieß es: Satire darf alles.

Auch wenn ich den Faschingswagen als geschmacklos empfinde, halte ich staatsanwaltschaftliche Ermittlungen für weit überzogen. Wo sind denn Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz bei deutschen Waffenexporten in Krisenregionen und Staaten mit Menschenrechtsverletzungen? Diese Waffenexporte und der darauffolgende Einsatz dieser Rüstungsgüter sind doch wesentliche Ursache für einen Teil der Asylbewerber, die zu uns nach Deutschland kommen.

Gottfried Traber Taufkirchen (Vils)

Weit weg von Satire und sehr geschmacklos. Wollt ihr wirklich schießen, so wie es letztens die AfD-Vorsitzende es aussprach? Ich finde diesen Auftritt der im wahrsten Sinne des Wortes Narren in Reichertshausen geschmacklos und bedenklich. Ein Nachbau des Weltrkiegpanzers Tiger, sicherlich als Spass gemeint, aber völlig daneben. Auch im Internet haben es viele Bürger nicht verstanden. Mit Kriegsgerät, zumal aus dem 2. Weltkrieg nachempfunden, macht man keine Witze. Auch die Kreuther Panzertruppe gab wenig Geschmackvolles von sich. Zumindest war der Bau nicht ganz so martialisch. Der Spruch jedoch um so heftiger. Einen faden Beigeschmack sehe ich dann noch an beiden Orten die Herren in Uniform oder zumindest Uniformteilen. Die haben da nun wirklich rein gar nichts zu suchen. Wenn diese Hobbysoldaten wirklich einen Arsch in der Hose und Hirn im Schädel haben, dann wäre eine öffentliche Entschuldigung angebracht.

Michael Pötzsch Holzkirchen

Da macht sich ein weitgehend unbekannter Provinzkomiker wichtig und schon wird die Staatsanwaltschaft auf ein paar harmlose junge Leute losgelassen, die mit ihrem selbstgebastelten Sperrholzpanzer in einem Faschingszug mitgefahren sind? Das ist doch lächerlich. Wenn die Justiz mit der gleichen Vehemenz gegen die kriminellen Ausländer von der Kölner Silvesternacht vorgehen würde, dann wären die meisten schon hinter Gitter.

Andreas Michael Haltmair Gmund

Ich bin mit meinen 70 Jahren weder rechtsradikal noch ausländerfeindlich. Über die (künstliche?) Aufregung um den Panzerwagen von Reichertshausen kann ich jedoch nur staunen. Haben wir denn gar keinen Humor mehr? Sind wir schon so verbiestert? Wer das Bild genau anschaut, sieht, dass lauter junge Leute darauf sitzen. Junge Leute haben halt oft einen etwas deftigeren Humor. Wer da, noch dazu im Fasching, Volksverhetzung sieht und Klage einreicht, will sich wichtig machen. Im Übrigen geht es auch nicht um „Asylantenabwehr“, sondern um „Asylabwehr“, das heißt, es geht nicht in erster Linie um die Menschen, sondern um die Begrenzung des Asyls. Der Panzer, der den Insassen Schutz bietet, ist demzufolge wohl als deftiger Schutz vor Überforderung zu sehen. Das ist die Linie der bayerischen Staatsregierung von Anfang an. Wo ist hier Volksverhetzung? Freuen wir uns lieber, dass junge Leute bereit sind, sich zu engagieren, auch wenn ein Beitrag einmal nicht bis zum Ende durchdacht und missverständlich ist.

Für mich ist etwas ganz anderes bedenklich, was Werner Paschek in seinem Leserbrief vom 9. Februar treffend darstellt. Was sich bei den Karnevalssitzungen von Düsseldorf oder Mainz manche Büttenredner wie Gudi Guttenberg (Mainz) mit persönlichen, diffamierenden Aussagen über bayerische Politiker erlaubten (Seehofer, Dobrindt), ging weit unter die Gürtellinie. Abgesehen davon, dass sich die bayerische Linie in der Flüchtlingsfrage von Anfang an als richtig erwiesen hat und die Berliner Politik nun krampfhaft versucht, die Anfangsfehler zu korrigieren, sind diese Politiker auch vom Volk gewählt. Das heißt, mit diesen dümmlichen, herabwürdigenden Angriffen wird das ganze bayerische Volk diffamiert, das die Hauptlast der Berliner Flüchtlingspolitik trägt und dazu die Bundesländer jährlich mit Milliarden subventioniert. Ist das nicht eher Volksverhetzung? Im Fasching werden Sachverhalte oft überspitzt dargestellt. Das sollten wir aushalten. So wünsche ich den Klägern und vor allem den betroffenen Richtern in der Angelegenheit viel Verständnis für die Jugend und viel Sinn für Humor.

Joseph Reuter St. Wolfgang

Hat man nichts anderes zu tun, als mit Kanonen auf Spatzen zu schießen? Die Staatsanwaltschaft sollte mal lieber die Politiker unter die Lupe nehmen, die für das Chaos in unserem Land verantwortlich sind, oder brauchen die deutschen Bürger einen Maulkorb?

Margarete Esch Kenn

Und wer verklagt unsere Bundesregierung wegen aktiver Kriegsunterstützung Katar gegen Jemen? Wegen eines Papp-Panzers und einer Papp-Lokomotive gibt es die absolute Aufregung und alle Zeitungen und Medien sind voll. Aber wenn die Bundesregierung für zwei Milliarden Euro Rüstungsgüter inklusive 62 echte modernste Stahlkampfpanzer Leo II mit Spezialausrüstung für Wüsten -und Häuserkampf nach Katar verkauft, wird nur geschwiegen. Ja ich weiß, alle anderen großen Staaten dieses Planeten verkaufen auch weltweit ihre Rüstungsgüter an jeden der Dollars oder Öl hat. Macht es das besser, richtig oder gar gut? Auch wenn die ganze Welt hemmungslos Rüstungsgüter global verteilt wird es weder legal noch gut! Mein größter Wunsch ist, dass Deutschland hier den ersten Schritt macht und den Waffenhandel stoppt und weitere folgen. Es heißt doch Landesverteidigung! Folglich sehe ich auch den Staat in der Pflicht für die erforderliche Technik zu sorgen und die Entwicklungskosten der Rüstungsfirmen dazu zu tragen. Rüstungsgüter haben im freien Handel nichts zu suchen! Wenn dieser ungebremste globale Waffenhandel in dem Tempo weiter läuft, kann sich jeder das Ergebnis selbst ausrechnen: III. Weltkrieg. Nur noch eine Frage von wenigen Jahren! Täglich steigt das globale Waffenpotential. Dem Freund, dem wir heute unsere Waffen verkaufen, ist der Feind von morgen!

Sebastian Holzner Wolfersdorf

Marcus Mäckler: „Ausländerhetze im Fasching“; Bayern 9. Februar

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BOB stößt an ihre Kapazitätsgrenzen
Christoph Hollender: Ausnahmezustand in der BOB – selbst erlebt; Bayern 17. Oktober
BOB stößt an ihre Kapazitätsgrenzen
SOS-Ruf der Hebammen
Aglaja Adam: „Wo das Leben startet, wird gespart“, Interview mit Claudia Hindenberg; Bayern 2./3. Oktober
SOS-Ruf der Hebammen
Gefahr gebannt?
Dirk Walter: Mit „Eh da“-Flächen gegen das Insektensterben; Bayern 12. Oktober
Gefahr gebannt?
Straßenausbaubeitragssatzung ist ungerecht
Demo gegen ungeliebte „Strabs“; Bayern 9. Oktober
Straßenausbaubeitragssatzung ist ungerecht

Kommentare