Nachfrage schwankt

Dirk Walter: Höhenflüge – einst und jetzt; Bayern 23./24. Juli

Herrn Walter gebührt der Dank des interessierten Lesers dafür, dass er sich des komplexen Themas der Nachfrage annimmt und aufzeigt, wie sich die einer steten Entwicklung unterworfenen Verkehrsstrukturen eines Flughafens ständig verändern. Denn die simple Frage nach der Kapazität eines Flughafens und deren Nutzungsgrad ist in der Realität nicht einfach zu beantworten. Relevant ist nämlich nur die Kapazität, die auch in Zeiten hoher Nachfrage zur Verfügung steht. Die Nachfrage nach Flügen von Kunden und Passagieren, also von uns allen, schwankt deutlich im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf. Freie Kapazität, zum Beispiel an Wochenenden, hilft verständlicherweise nichts, wenn an Werktagen der Flughafen 8-10 Stunden dicht ist. An deutschen Flughäfen wird die Kapazität in sogenannten Koordinierungseckwerten definiert. Festgelegt werden diese Werte letztendlich durch das Bundesverkehrsministerium, der Flughafenkoordinator (Bundesbehörde) setzt sie um und vergibt an den als überlastet geltenden Flughäfen die Lande-/Startzeiten (Slots). Die Koordinierungseckwerte stellen die Flughafenkapazität in Stundenwerten bzw. Segmenten von 10 Minuten dar und sind auf der Homepage des Flughafenkoordinators veröffentlicht. Jahreswerte spielen dabei keine Rolle, da sie Kapazität vorgaukeln, die in der Realität nicht relevant ist. So verwundert es, dass Dr. Magerl von angeblichen 543 120 Flügen als technische Kapazität des Flughafens München ausgeht. Diese Zahl hat Intraplan so nie publiziert. Legt man die tatsächliche Stundenkapazität von 90 Bewegungen bei 16 Betriebsstunden auf das Jahr um, dann erhält man einen theoretischen Wert, der aber für die Realität weitgehend bedeutungslos ist und ganz nebenbei deutlich unter den Angaben von Dr. Magerl liegt. Würde man im Straßenbau so rechnen, gäbe es in Deutschland keine Autobahnen, da man den Verkehr über 24 Stunden an 365 Tagen theoretisch auch gleichmäßig auf Landstraßen verteilen könnte. Was aber die Kapazität des Flughafens betrifft, liegt die Realität meilenweit entfernt von den Interpretationen, die etwa Dr. Magerl anstellt.

 Thomas Höfer München

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