Drei Leserbriefe zum Wolf

Gefahren durch den Wolf

Dominik Göttler: Koalitionskrach um den Wolf; Bayern 5. März, Dauerzwist um den Wolf; Leserforum 11. März, Zäune gegen den Wolf; Bayern, Wolf reißt Wild im Gehege; Leserforum 10. März

Es ist schon erstaunlich, dass immer wieder die Schutzmaßnahmen Zäune und Her-denschutzhunde genannt und gefordert werden. Diese in Bayern nur teilweise, Elektrozäune durch querende Wanderwege, oder ein Untergrabschutz wegen der Bodenbeschaffenheit, nicht möglich sind. Die Herdenschutzhunde, schon gegen Hunde und deren Leinenhalter aggressiv vorgegangen sind, diese auch bei der Bergschafweide täglich gefüttert werden müssen. Deren Anschaffung 2000 bis 2500, die jährlich Kosten, bei rund 1500 Euro pro Hund liegen. Bezuschusst werden nur die Materialien, die sich für den Elektrozaun, ohne elektrische Geräte, auf etwa 300 Millionen belaufen, bei einer sicheren Zaunhöhe von 1,40 Metern plus Flatterband und 0,80 cm tiefen Durchgrabschutz.

Wer braucht einen Schutzzaun? Jeder, der Freilandtierhaltung betreibt, da Wölfe kreuz und quer durch Bayern wandern. Für die Errichtung des Zaunes, wo besonders der Durchgrabschutz sehr kostenintensiv ist, gibt es nichts. Das gilt auch für die tägliche Kontrolle der Zäune und Elektroanlage, und das wöchentliche Mähen um den Zaun. Gemäß Umweltministerium wurden 2020 in Deutschland bei 192 Wolfangriffen 591 Tiere; in Bad Wildbach einmal 30 Schafe auf einmal, Ziegen, Kälber, zwei ausgewachsene Pferde (Niedersachsen) getötet, und unzählige Tiere verletzt.

Wie fühlen sich Wolfsfreunde, die alle sehr hohen Kosten für Personen, Fördermittel, Entschädigungen, Wolfsmanagement und Untersuchungen akzeptieren, die deutlich geringeren vom Reh und Hirsch nicht?

Hubert A. Hertlein

Murnau


Es gibt in unserem Land überhaupt keinen zwingenden Grund, die Wiederansiedlung von Wölfen zu unterstützen. Solche Interessen bauen auf romantisierenden Vorstellungen von landschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen auf, die mehrere hundert Jahre zurückliegen und in denen die Menschen sich mit immer wirksameren Waffen gegen wilde Fleisch- und Pflanzenfresser wehren mussten. Bis sie endlich ihre Herden und die Früchte der Erde verteidigen und einen Teil der Ernte als Vorrat gegen Hungersnöte zurückhalten konnten. Im Zeichen globaler Märkte und einem tieferen Verständnisse landwirtschaftlicher Prozesse fühlen wir unsere Existenz gesichert und es taucht der Wunsch auf, früheres Leben teilweise wieder zuzulassen und unter Schutz zu stellen – retro, ein Luxuswunsch. Grob fahrlässig oder zynisch. Zynisch gegenüber den Wölfen, die in ein durch befahrene Straßen und Bahngleise zerschnittenes Land kommen, das weiträumig zersiedelt ist, in dem die Menschen die Areale ihres Freizeitverhaltens immer weiter ausdehnen und den menschenscheuen Wolf immer mehr in Bedrängnis bringen, bis er seine Scheu verliert. Zynisch ist dieser Wunsch gegenüber den Weidetierhaltern, zu deren in jahrhundertelanger Kultur bei der Wanderschäferei oder der Almweide gehörte, zur Sicherung der Ernährung Fressfeinde tödlich abzuwehren oder die, aktuell im Zusammenhang mit der Tierwohldiskussion, ihren Tieren weitgehend in größeren Weiden Nahrung und Bewegung zukommen lassen. Ihnen wird zugemutet, aus Sorge für das Leben, für das sie verantwortlich sind, auf eigene Kosten stabile, stromgeschützte Zäune zu errichten oder Schutzhunde anzuschaffen. Die emotionale Seite von nie vermeidbarem Verlust wird nicht gewürdigt. Zuletzt ist dieser Wunsch zynisch gegenüber den Steuerzahlern, die, ob für oder gegen den Wolf, für Wolfsmanagement, Zuschüsse zu Sicherungsmaßnahmen für Weidetierhalter und wohl noch anderes aufkommen müssen. Umgedreht wird ein Schuh draus: Wenn überhaupt dem Wolf in unserem Land eine gewisse Existenz eingeräumt werden soll, dann müssen bisher von Viehhaltern unbeweidete, unbewirtschaftete wolfgeeignete Flächen definiert und mit gegen das Entweichen eingesetzter Tiere geeigneten Sicherungen umgrenzt werden. Wölfe, die dann das gesicherte Areal verlassen, müssen entweder betäubt und zurückgebracht oder getötet werden. An den entstehenden Kosten müssen, unter Bezug auf das Verursacherprinzip, die befürwortenden Verbände mindestens mit der Hälfte der durch die genannten Maßnahmen entstehenden Kosten beteiligt werden. Ohne staatliche Gegenfinanzierung. Diese Organisationen haben ja, zunächst emotional das Thema angewärmt, mit idealisierenden oder falschen Aussagen über ökologische Zusammenhänge und politisch antichambrierend, in einem Teil der Bevölkerung und trittbrettfahrender Politiker die Zustimmung zur Zuwanderung von Wölfen gewonnen. Vergleichbares spielte sich bei der Wiederansiedlung von Bibern, jetzt bei der Zuwanderung von Fischottern ab. Wie bei der Einführung neuer Techniken bräuchte es in solchen Fällen eine seriöse (Wieder-)Ansiedlungsfolgeabschätzung.

Hans Michael Miller

Freising

Der Wolf taucht jetzt auch in Bayerns Fluren nicht mehr nur als friedlicher Zuwanderer auf, sondern zeigt sein wahres Gesicht als Raubtier. In Nordbayern wurden in fest umzäunten Gehegen mit zwei Metern Höhe mehr als ein Dutzend Damtiere gerissen, andernorts einige Schafe. Die Vorsitzenden der Großen Umweltverbände, Schäffer und Mergner sowie ihre treuen Leserbriefschreiber führen das auf mangelnden Herdenschutz zurück. Als solchen predigen sie den Tierhaltern gebetsmühlenartig die hoch entwickelte Zauntechnik und das Halten von Herdenschutzhunden. Am Geld (des Staates) soll es ja nicht fehlen.

Risse an Nutztieren sollen zudem großzügig entschädigt werden. Ob das für die Tierhalter arbeitswirtschaftlich und physisch leistbar ist, interessiert nicht. Hauptsache der Wolf kommt und Probleme sind elegant aus dem Weg geredet. Das geneigte Publikum fragt sich, wo liegt also das Problem. Nun im Norden, insbesondere Niedersachsen ist man schon drei Schritte weiter: 1. Das Wolfsgeschehen eskalierte inzwischen so, dass einige Tiere zur Entnahme frei gegeben wurden. 2. Die Jäger, die sich des Auftrags annahmen, wurden bedroht, Autoreifen zerstochen, Hochsitze und eine Garage angezündet. 3. Die Allgemeine Zeitung Uelzen vom 10. März 2021 berichtet aktuell von einer Schäferfamilie, die keine ruhige Nacht mehr verbringt. Ständig werden Schafe gerissen, obwohl die Zäune technisch hochgerüstet, Kameras installiert, elf Herdenschutzhunde eingestellt sind. Jetzt übernachten sie im Wohnwagen bei der Herde, Freiwillige aus dem Dorf helfen mit. Wenn sich die bayerische Staatsregierung und der zuständige Minister Glauber weiter willfährig dem Diktat der mächtigen Umweltverbände beugen und auf die bürokratischen Regelwerke berufen, sind solche Zustände auch in Bayern nicht mehr fern. Geht’s noch?

Die Zersiedelung unseres Landes expandiert in die freie Natur, Gewerbegebiete und Wohnsiedlungen schießen aus dem Boden, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist die logische Konsequenz. Es ist kaum Widerstand vernehmbar. Auf die noch freie Landschaft nimmt der Druck der Freizeit- und Erholungssuchenden exponentiell zu, nicht erst seit Corona. Neuartige Outdoor-Unternehmen schießen aus dem Boden. Soll der Wolf eingespannt werden, um die lästigen Tierhalter los zu werden? Für Leute, die die bayerische Kulturlandschaft schätzen und mit kleinräumiger Landwirtschaft in Verbindung sehen, unvorstellbar! Denn Wölfe fressen kein Gras.

Josef Wasensteiner

Lenggries

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