Alte nicht ins Ausland abschieben

Alte hier pflegen statt abschieben

Gute Altenpflege gibt es auch in Deutschland. Senioren in Heime im Ausland zu geben, ist nur in wenigen Fällen die beste Lösung.

"Pflegekräfte in Osteuropa haben mehr Zeit für Senioren", so steht es in Ihrem Artikel. Auch in Deutschland arbeiten Pflegekräfte mit hohen Idealen, fachlicher Kompetenz und sozialem Engagement , die versuchen jedem Bewohner die Zeit für Pflege und Betreuung zu gewähren, die er benötigt. In meiner 28-jährigen Berufserfahrung als Altenpflegerin habe ich es noch nicht erlebt, dass Pflegekräfte die Anlage einer Magensonde initiiert haben, weil sie keine Lust oder Zeit zum Eingeben der Mahlzeiten hatten. Die Entscheidung für oder gegen eine Magensonde wird stets von den Betroffenen (wenn möglich), deren Angehörigen oder Betreuern und Ärzten getroffen.

Auch bei uns in Deutschland gibt es Bewohner, die nach dem Legen einer Magensonde wieder Essen (ein-)gegeben bekommen, z.B. weil sich auf Grund logopädischer Übungen die Schluckstörung nach einem Schlaganfall wieder gebessert hat. Weiter steht in dem Artikel, dass "wissenschaftlich nicht belegt ist, ob Demenzkranke wahrnehmen, wo und von wem sie gepflegt werden". An Demenz Erkrankte können neue Eindrücke oft nicht mehr einordnen , sie sind auf ihre - nicht zuverlässig abrufbaren Erfahrungen- angewiesen. Ihr Geist ist immer an irgendeinem Punkt ihrer bisherigen Erfahrungswelt. Sicher ist es hilfreich für sie, an einem Ort zu sein, an dem sie die Mentalität der Mitmenschen, die Klangfarbe und den Dialkt der Sprache und die Athmosphäre erkennen können, die sie aus ihrem bisherigen Leben gewohnt sind. Deshalb wird bei uns so viel Wert auf Biografiearbeit gelegt.

Zurück zu den Kosten." Ja, Pflegeplätze in Deutschland sind teuer! Sie beinhalten nicht nur die Pflege und soziale Betreuung, die Unterbringung und Verpflegung, sondern auch hauswirtschaftliche Versorgung. In Deutschland gibt es geforderte Pflegestandarts, eine Fachkraftquote von 50%, Betreuung nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen etc. Dies wird vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen und von der Heimaufsicht überprüft. Pflegeplätze sind vor allem auch deshalb teuer, weil Pflege einen hohen Personalaufwand bedeutet. Im besten Fall werden diese Pflegekräfte nach Tarif, mit allen in Deutschland üblichen Sozialleistungen, für ihre verantwortungsvolle Arbeit vergütet. Diese Kosten sollten uns sowohl die Pflegebedürftigen, als auch die (dringend benötigten) Pflegekräfte wert sein. Die Leistungen der Pflegekassen an den einzelnen Bewohner richten sich nach dem Pflegebedarf, dass heißt aber in keinster Weise, dass "das Heim belohnt wird, wenn es dem Bewohner schlechter geht". Es liegt meist in der Natur der Sache, dass der Pflegebedarf der hochbetagten und multimorbiden Bewohner steigt. Fakt ist, dass gute Pflege sowohl in Deutschland, als auch im Ausland möglich ist. Jeder soll sich frei entscheiden, was für ihn am Besten ist. Man muss allerdings bedenken, dass das soziale Umfeld, das von jeder -noch so guten- Pflege nicht ersetzt werden kann, im Ausland sehr viel schwieriger aufrecht zu erhalten ist. Da kommen die Familie, die Freunde und Bekannten wohl eher selten auf einen Sprung vorbei.

Freyja Brönnle, Dorfen

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