Leserbriefe

Zweifel am Heilpraktikerberuf

Nikolaus Nützel: Heilpraktiker-Beruf auf dem Prüfstand; Bayern 23. Januar

Heilpraktiker bedeuten für viele Menschen Hilfe. Sie haben die beste Art zu behandeln Körper und Geist. Zum Gesundwerden gibt es den guten Heilpraktiker. Eine Unverfrorenheit zu sagen, dieser Beruf habe keine Existenzberechtigung. Es wäre höchste Zeit, diesen aufzuwerten. Eine überaus dankbare Patientin. 

Mathilde Zwerger Seehausen



Warum gehe ich auch gerne zu einem „geprüften“ oder spezialisierten Heilpraktiker (zum Beispiel Osteopathe)? Weil er sich Zeit nimmt für den Patienten; weil er sich intensiv mit natürlichen Zusammenhängen auseinandersetzt; weil er an Behandlung und nicht an Operationen interessiert ist; weil er die Naturkräfte gut und schonend einsetzen kann (z.B. Heilpilze); weil ich viele gute Erfahrungen mit guten Heilpraktikern gemacht habe. Die Ärzte - oft auch „Götter in weiß“ genannt, und die traditionelle Pharmaindustrie sollten von ihrem „hohen Ross“ heruntersteigen! Schulmedizin und Naturheilkunde sollten sich ergänzen, ihre Erfahrungen austauschen - zum Wohle des Patienten - und sich nicht gegenseitig bekämpfen. Sowohl bei den Ärzten als auch bei den Heilpraktikern gibt es super gescheite und erfolgreiche Köpfe! Jeder sollte das Beste aus seiner Kunst herausholen und dem Patienten seine Freiheit lassen, wann, wie und bei wem er sich behandeln lassen will. 

Hans Rauch Weilheim


Die Aussage des Vizepräsidenten der Bayerischen Landesärztekammer Herrn Andreas Botzlar verdeutlicht einmal mehr die Meinung vieler schulmedizinisch arbeitenden Ärzte gegenüber den Heilpraktikern. Anstatt zu versuchen, ob und wie eine Zusammenarbeit möglich wäre, um den kranken Menschen zu helfen, wird konsequent alles abgelehnt, was Heilpraktiker in ihren Praxen leisten. Auch ich bin der Meinung, dass die Ausbildung für Heilpraktiker geregelt werden sollte, dass es tatsächlich fragwürdig ist, Leute nur mit der Voraussetzung 25 Jahre und Hauptschulabschluss zur Prüfung zuzulassen. Tatsächlich ist es jedoch äußerst selten, dass diese Personen die sehr anspruchsvolle Heilpraktikerprüfung bestehen und danach praktizieren. Auch ich habe vor 5 Jahren die Heilpraktikerprüfung absolviert, da es für mich als Podologin mehr Sicherheit für meine Arbeit bedeutet. Die Leute, die mit mir die mehrjährige Ausbildung bis zum Ende absolvierten, hatten bereits alle schon Praxiserfahrung in einem medizinischen Beruf oder einer vergleichbaren Tätigkeit. Einige machten die Ausbildung für sich selbst oder um die Behandlung von Familienmitgliedern besser begleiten zu können. In jedem Beruf gibt es Leute, die Fehler machen oder sich selbst überschätzen und damit Menschen gefährden oder schaden. Gerade las ich in einer Fachzeitschrift folgenden Artikel über Behandlungsfehler bei Ärzten, den ich den Lesern nicht vorenthalten möchte. 13.519 Sachverständigengutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) 2017 bundesweit erstellt. Die MDK-Fachärzte bestätigten jeden vierten Behandlungsfehlerverdacht (24,7 Prozent). In jedem fünften Fall (19,9 Prozent) stellten sie fest, dass die Schädigung des Patienten durch den Fehler des behandelnden Arztes verursacht wurde. Das geht aus der MDK-Begutachtungsstatistik hervor, die Anfang Juni vorgestellt wurde. ….… Dazu gibt es viele Fälle, die den Krankenkassen nicht gemeldet werden. Auch ich selbst habe diese Erfahrung gemacht. Ich möchte mir nicht vorstellen wie die berufliche Zukunft der Heilpraktiker aussehen würde, wenn wir so viele Fehler machen würden.

 Kornelia Bonomeier München


Zu dem Beitrag „Heilpraktiker-Beruf auf dem Prüfstand“ möchte ich anmerken, dass die Ausbildung tatsächlich nicht geregelt ist. Wer jedoch eine Heilpraktiker-Erlaubnis erwerben will, muss in einer umfassenden amtsärztlichen Überprüfung in zwei Teilen, sowohl schriftlich als auch mündlich, seine medizinischen Kenntnisse in allen Disziplinen unter Beweis stellen. Dies ist ohne intensive Vorbereitung nicht möglich. Auch Apotheker oder Ärzte müssten sich intensiv auf die Heilpraktikerprüfung vorbereiten, um all das geforderte Wissen gleichzeitig parat zu haben. Außerdem unterliegt der Beruf des Heilpraktikers zahlreichen Gesetzen wie etwa dem Infektionsschutzgesetz oder der Hygieneverordnung, um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch verstehen sich Heilpraktiker keineswegs als Alternative zur sogenannten Schulmedizin, sondern vielmehr als Ergänzungen derselben. Allein die Sorgfaltspflicht gebietet, die Patienten stets auf schulmedizinisch erforderliche Maßnahmen wie etwa eine ärztliche Abklärung von Verdachtsdiagnosen, auf die Wichtigkeit der Einnahme lebensnotwendiger Medikamente oder auf notwendige Operationen hinzuweisen. Was die Patientensicherheit angeht, so sprechen die niedrigen Versicherungskosten für sich. Eben weil es beim Heilpraktiker nur sehr wenige Vorfälle gibt, sind die Kosten für die Berufshaftpflicht gering im Vergleich zu anderen medizinischen Berufsgruppen. Zu Österreich: Ja, dort ist der Heilpraktiker verboten. Stattdessen gibt es Energetiker und Kräuterpädagogen, die quasi mit gebundenen Händen versuchen, medizinische Versorgungslücken zu schließen. Daher reisen viele Österreicher täglich nach Deutschland, um sich hier von Heilpraktikern naturheilkundlich beraten und behandeln zu lassen. Die Nachfrage nach naturheilkundlicher Versorgung und das Interesse an Fortbildung ist in Österreich extrem hoch. Schön, dass Melanie Huml konstatiert, dass viele Heilpraktiker sehr verantwortungsvoll sind. In der Tat geben tausende Kolleginnen und Kollegen täglich ihr Bestes, um das Leid ihrer Patienten zu lindern. Heilpraktiker entlasten das Medizinsystem in vielerlei Hinsicht. Indem Sie etwa Befunde erklären, flankierende Maßnahmen zur Schulmedizin anbieten oder indem sie versuchen, Linderung zu bewirken, wenn der Facharzttermin noch Monate auf sich warten lässt. Davon abgesehen tragen Heilpraktiker zum Erhalt zahlreicher Arbeitsplätze bei (Apotheken, Kräuterläden, Hersteller von Naturheilmitteln etc.). Zudem zahlt die Mehrheit der Patienten die Heilpraktikerbehandlung selbst und entlastet die Krankenkassen auch auf diese Weise. In jedem Fall wäre es wünschenswert, wenn die Medien die für die Gesellschaft und für die Ärzteschaft (!) positiven Seiten des Heilpraktikerberufs auch einmal beleuchten würden. 


Margret Madejsky Heilpraktikerin, Gilching

Die Kritik am Heilpraktikerberuf zielt stets primär auf den Ausbildungsstatus. Fakt ist, dass jeder Tankwart und jeder Möbelpacker sich beim zuständigen Gesundheitsamt anmelden kann zur sogenannten Amtsarztprüfung. Im Behördendeutsch heißt dies: Erteilung der Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne ärztliche Bestallung. Momentan sieht die Realität allerdings so aus, dass ein Anwärter ohne eine gute spezifische Ausbildung hier auf verlorenem Posten dasteht. Fakt ist ferner, dass der Königsweg in der Heilpraktikerausbildung singulär über die dreijährige Fachschule führt, deren Unterrichtsangebot im ersten Jahr definitiv einem beginnenden Medizinstudium gleicht: Anatomie und Physiologie in detaillierter lateinischer Terminologie. Zu meiner Fachschulzeit - damals noch in der Giselastraße 4 in Schwabing - empfand ich dort alles als sehr streng. Es gab keine „Vorlesungen“, sondern einen akribisch gestalteten Unterricht im Rahmen der neun Trimester. Insofern dürfte der Netto-Zeitfaktor der Wissensübermittlung kaum geringer gewesen sein als bei einem Medizinstudium. Ein Aspekt, der in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sein dürfte. Bekannt ist hingegen, dass man in Deutschland von einer Dunkelziffer ärztlicher Behandlungsfehler im Bereich von 80 000 pro Jahr ausgeht. Die logische Konsequenz: Das therapiefrustrierte „Filtergut“ der Schulmedizin sammelt sich in den Wartezimmern der Heilpraktiker. Deren Ausbildungsproblematik könnte gesundheitspolitisch ziemlich einfach beseitigt werden, nämlich durch einen staatlich auferlegten Fachschulzwang mit einer sich anschließenden Assistenzzeit bei einem erfahrenen Kollegen.

Walter Krause

Heilpraktiker, Pöcking

Allein die Tatsache der „Geburt“des Heilpraktiker Gesetzes im Jahre 1939 sagt viel über die Grundlage aus: Ein überwiegender Teil der Ärzte war durch einen sinnlosen Krieg nicht verfügbar. Ersatz sollte offensichtlich ein Heilberuf mit minimaler Qualifikation leisten. Voraussetzung waren und sind immer noch Alter 25, Hauptschulabschluss, polizeiliches Führungszeugnis und eine Überprüfung durch einen Amtsarzt. Daher die geringe Einschränkung der Heiltätigkeit: Ein HP darf eigentlich alles, außer an Geschlechtsorganen aktiv zu werden (schon 1939 keine Voyeure erwünscht), der HP darf keine Krankheiten behandeln, die dem Bundesseuchengesetz unterliegen (Husten, Tb, Durchfall, Salmonellen etc.) und er darf keine Zähne behandeln!? Die angeführte 3-jährige Ausbildung auf einer der HP Schulen ist nicht nötig,, staatlich überwacht werden in diesem Beispiel nur die Lehrpläne nicht die Kenntnisse. In Bayern gibt es fast 24 000 Heilpraktiker aber weniger als halb so viele Hausärzte. Ob dieses Verhältnis den Bedarf realistisch darstellt mag bezweifelt werden. Zum Vergleich:Erst nach Abitur und 5-6 jährigen Studium mit unzähligen Prüfungen und dem Staatsexamen und nach der Approbation nochmals mehr jährige klinische Ausbildung mit Facharztprüfung darf man als Hausarzt freiberuflich arbeiten. Logischerweise werden so auch vor der Zulassung zu Pflegeberufen mehrjährige staatlich vorgeschriebene und kontrollierte Ausbildungswege gefordert!Es kann nicht akzeptiert werden daß es deutlich leichter ist Heilpraktiker als Krankenpfleger/in zu werden,denn Krankenpfleger/in ist ein hoch qualifizierter, verantwortungsvoller und anstrengender Beruf. Letztes Jahr wurde ein HP wegen fahrlässiger Tötung angeklagt,er verteitigte sein mangelhaftes Wissen mit dem Argument er sei im Verlauf seiner Tätigkeit „ immer erfahrener“ geworden. Learning by doing darf bei der Behandlung von Menschen nicht hingenommen werden.

Wenigstens sollte dann die Honorierung nicht aus den Geldern der Solidargemeinschaft erfolgen,es wäre damit jeden freigestellt aus welchen Gründen auch immer Wege außerhalb der „Schulmedizin“zu gehen. Eine Medizin die sich mit ihren Leistungen in Deutschland nicht verstecken muss!

Im Übrigen steht es jeden frei die zugegeben deutlich schwierigeren Wege der Ausbildungen zu beschreiten um Menschen zu helfen.

Dr. med. Rainer Fleischer

Fürstenfeldbruck

Der Verfasser dieser Zeilen kam zum Heilpraktikerberuf weil er seinerzeit als Patient eines jetzt im Ruhestand befindlichen Kollegen von einer, seine Lebensqualität sehr reduzierenden Erkrankung befreit wurde und diese positive Erfahrung mit der Naturheilkunde anderen kranken Menschen zugutekommen lassen wollte. Er arbeitet seit nunmehr fast dreißig Jahren selbstständig in seiner Naturheilpraxis und gibt sein Wissen im Fach Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) an den beruflichen Nachwuchs an der Josef-Angerer-Fachschule für Naturheilweisen weiter. Der ebenso undifferenzierte wie unqualifizierte Rundumangriff auf unseren Berufsstand vonseiten eines Funktionärs der Ärzteschaft überrascht ja nicht wirklich. Zunächst einmal: An der Basis, im Umgang mit den niedergelassenen Ärzten gibt es eher ein respektvolles Miteinander als ein konkurrenzlastiges Hickhack. Schon in der Kaiserzeit versuchte man ärztlicherseits zum Beispiel Pastor Felke, der mit seinen Lehmkuren vielen Patienten weiterhelfen konnte, wegen Kurpfuscherei aus dem Verkehr zu ziehen. Bismarck, der viel von der Naturheilkunde hielt, urteilte damals lapidar: „Wer heilt, hat Recht!“ Zugunsten übrigens des scheinbaren Scharlatans. Erst die Methoden des III Reiches machten es dann möglich, jenen Personen, die „die Heilkunde ohne als Arzt bestallt zu sein“ ausübten, zu verbieten, ihr Wissen an Auszubildende weiterzugeben. Die notwendige Überprüfung durch den Amtsarzt, der sich die Berufsneulinge zu unterziehen hatten, hatte zum Ziel, nachzuweisen, dass der Kandidat keine Gefahr für die Volksgesundheit darstelle. Wie das zu geschehen hätte, ließ man bewusst in der Schwebe, um der Willkür keine allzu großen Prügel vor die Füße zu werfen, jegliche Kandidaten abweisen zu können. Dieser höchst schwammige Passus besteht bis heute. In welche Tradition sich die Politiker der Gegenwart einreihen wollen, bleibt ihnen selbst überlassen. Wenn allerdings die Zahlen des Ärztefunktionärs der Realität entsprechen und es dreimal so viele Heilpraktiker als Ärzte gibt bei gleichzeitiger Überflüssigkeit dieses Berufes, muss die Frage, mit welchen Mitteln diese Überflüssigen ihren Lebensunterhalt bestreiten, erlaubt sein. Wie unser Kollege Wolfgang Hegge schon ausführte, kommen Heilpraktiker, die ihre Ausbildung an der Josef-Angerer-Fachschule für Naturheilweisen, der einzigen Fachschule dieser Art in Deutschland, erhalten, in den Genuss einer Vollzeitausbildung mit 3000 Stunden Unterricht in drei Jahren auf neun Trimester verteilt, wobei neben dem monierten Fach Augendiagnose, auch klinische Diagnostik und alle Grundlagen aus Anatomie, Physiologie und Pathologie unterrichtet werden. Natürlich liegt der Schwerpunkt in naturheilkundlichen Therapieverfahren, wie beispielsweise Akupunktur, Phytotherapie, Osteopathie und Homöopathie. Natürlich wäre es zu begrüßen, wenn es endlich eine einheitliche Ausbildungs- und Prüfungsordnung für unseren Berufsstand gäbe, es diente der Sicherheit der Patienten, an keinen Self-made-Heilkunden zu geraten, der sein Wissen in Wochenendkursen erworben haben mag, und es diente der Sicherheit all derer, die sich tagtäglich verantwortungsbewusst und zum Teil auch aufopferungsvoll in den Dienst der Gesundheit ihrer Patienten stellen und sich mit einer völlig überflüssigen Diskussion über ihre Arbeit konfrontiert sehen.

Bernd Hertling

Heilpraktiker, Grafing

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kein Zugang zu Kindern
Missbrauch: Justiz prüft neue Ermittlungen gegen Priester; Bayern 21. Februar
Kein Zugang zu Kindern

Kommentare