Sinnlosen Konsum reduzieren

Josef Ametsbichler: Wieder mehr Wildwuchs; Kommentar Bayern, Dirk Walter: Die Ursachen des Insektensterbens; Bayern 28. August

Der Entomologische Verein Krefeld, der seit 1905 Insekten erforscht, hat festgestellt, dass in den letzten 20 Jahren 80% unserer Fluginsekten verschwunden sind: http://80.153.81.79/~publ/mitt-evk-2013-1.pdf . Mit in 2 Malaise-Fallen gefangenen Insekten wurden dieser Verlust in einem Naturschutzgebiet ermittelt. Nicht nur eine industrialisierte Landwirtschaft und die damit verbundene Vernichtung der Lebensräume von Insekten sind dafür ursächlich. Bei einem Pestizid-Verbrauch in Deutschland von 19.469 Tonnen pro Jahr in 1970 und einem Zuwachs auf 48.611 Tonnen in 2015 dürfte der Bund Naturschutz mit der Hauptursache „Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“ richtig liegen. Sicherlich muss das Fehlen von Blühflächen mit als eine der großen Ursachen gesehen werden. Denn nach der Blüte der Obstbäume und der Rapsfelder hungern unsere Bienen, aber auch alle anderen Bestäuber. Imker müssen ihre Bienen füttern. Durch den Mangel an Pollen wird die Brut jedoch geschwächt und wird anfällig für die Varroa-Milbe und Krankheiten. Pollen ist der notwendige Eiweißspender für die Insekten und die Insekten sind die Eiweißspender für die „höher“ entwickelten Wirbeltiere. Vögel, Reptilien, Fledermäuse sind stark rückgängig und stehen zum Teil schon auf der „Roten Liste“. In der Bayerischen Biodiversitätsstrategie von 1. April 2008 soll unter Abs. 7.1 ein Rückgang der Vielfalt bis 2020 gestoppt werden. Eine Wende zum Positiven ist für mich nicht erkennbar. Zwar reden alle vom Bienensterben, doch was wird dagegen getan. Man könnten in den Vorgärten anfangen und statt Einheitsrasen, fremder Krüppelkoniferen und exotischer Blumen aus dem Baumarkt heimische Blühpflanzen und Totholz als Lebensraum anlegen. Kommunen könnten in ihren Siedlungsbereichen Flächen, die weder landwirtschaftlichem oder naturschutzfachlichem Nutzen unterliegen (sog. Eh da-Flächen), ökologisch aufwerten und blühende Flächen anlegen, die nur einmal pro Jahr gemäht werden müssen. Stattdessen geben die Kommunen bis zu 700 € pro Hektar und Jahr aus, um diese Rasenflächen zu mähen. Henk Tennekes, ein holländischer Toxikologe sagt: Die Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette. Wenn sie verschwinden, verschwinden wir auch. Wir sind aus meiner Sicht auf dem besten Weg, dies herbei zu führen. www.farmlandbirds.net 

Balduin Koczynski Markt Schwaben

Insektensterben (Bienen), Vogelsterben (Kiebitz, Rebhuhn), Grundwasserverunreinigung (Nitrat), an allem hat die Landwirtschaft einen wesentlichen Anteil. Eine Landwirtschaft, die vom Staat gefördert (Subventionen in Milliardenhöhe) und vom Konsumenten getragen (billig, billig, billig) wird. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die amerikanische Biologin Rachel Carson („Der stumme Frühling“) und an den bayerischen Kultregisseur Dieter Wieland („Topografie“, „Grün kaputt“). Warum wurde das vergessen? 

Meinhard Süß Polling

Natürlich kann man sich darüber freuen, dass inzwischen auch das bayerische Umweltministerium einen Zusammenhang zwischen Flächenversiegelung, intensiver Landwirtschaft und dem Insektensterben sieht. Leider können oder wollen aber die Mehrheitsparteien an diesem Problem nichts ändern: Sie sind offensichtlich viel zu sehr abhängig von der Agrarindustrie und den Bauernverbänden. Nur der Endverbraucher könnte hier Druck machen, indem er gezielt regionale (Bio-)Produkte, wie von „Unser Land“, verlangt und sinnlosen Konsum reduziert. Dann würden die Bauern auch auf eine umwelt- und tierfreundlichere Produktion umsteigen (müssen). Wir Bürger haben es also selbst in der Hand und sollten nicht ständig über Artenschwund etc. jammern, sondern handeln! 

Xenia Riedl Seefeld

Wir sollten unverzüglich Begriffe wie „ökologische“, „konventionelle“, „biologische“ Landwirtschaft definieren und sachgerecht gebrauchen. Biologisch, das heißt, der Lehre vom Leben folgend, ist jede Landwirtschaft – zu fragen ist allerdings, inwieweit Massentierhaltung mit Futterzufuhr auch von Übersee noch mit Landwirtschaft, das heißt der Nutzung von heimatlichem Grund und Boden zur Lebensmittelerzeugung, zu tun hat. Die Anwendung von Chemie gegen Schädlinge tierischer, pflanzlicher und pilzlicher Art als konventionell zu bezeichnen ist abzulehnen; das, was heute dadurch erreicht wird, wurde früher durch Fruchtfolge und einen erheblichen menschlichen Arbeitseinsatz zu erreichen versucht, und zwar über Jahrzehnte erfolgreich. Nichts anderes ist der heute gepriesene ökologische Landbau, der allerdings wieder über das Ziel hinausschießt und sogar die Zufuhr der nun mal als notwendig erkannten Pflanzennährstoffe (Stickstoff, Kalk, Kali, Phosphor – Justus von Liebig!) ablehnt, wobei es, wie so oft, auf deren Dosis ankäme und nicht: Viel hilft viel. In einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus, in dem jeder seinem größtmöglichen Gewinn hinterherhechelt, kann man allerdings dem Landwirt als selbstständigem Unternehmer nicht verbieten, alles zu nutzen, um größtmöglichen Ertrag zu erwirtschaften. Wer nachhaltig Landbau und Viehzucht betreiben will, sollte auf frühere Arbeitsweisen zurückgehen, arbeitsaufwendig arbeiten, dafür Leute beschäftigen, die bezahlt sein wollen, dafür seine Preise erhöhen. Und der Bürger, der satt werden will, muss die zahlen. 

Eberhard Koenig Baiern

So wird es nichts mit dem Erreichen von gesteckten Umweltzielen! Solange wir nicht wahrhaben wollen, dass um jedes Zehntel Grad, um welches sich das Meerwasser erwärmt, sich die Regenmengen, Windstärke und -geschwindigkeiten um ein Mehrfaches erhöhen, solange werden die Stürme und Wassermassen in bisher ungeahnten Proportionen weltweit und nicht mehr umkehrbar zunehmen. Wo aber liegen die Ursachen des Ignorierens? Solange Lobby-motivierte Politiker zulassen, dass korrupte Industrieunternehmen in krimineller Manier gesundheitsschädliche Nahrungsmittel und insbesondere umweltschädliche Produkte des täglichen Gebrauchs, oft auch hochgradig umweltschädlich produziert, unbestraft an den Mann bringen dürfen, solange wird die Umweltverschmutzung drastisch und mit unumkehrbaren Folgen zunehmen, und solange werden Volkskrankheiten und Frühverrentung gleichermaßen zunehmen. Solange Lobby-motivierte Politiker zulassen, dass Verkehrsdelikte kaum und nur zu lasch geahndet werden und Höchstgeschwindigkeiten auf Autostraßen kaum Grenzen gesetzt sind, solange wird die durch Fahrzeuge verursachte Umweltverschmutzung und die Zahl der verhinderbaren Unfälle in Deutschland schon allein wegen der Zunahme des Verkehrs ansteigen. 

Eduard B. Keisinger Emmering

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