Leserbriefe

Kardinal irritiert

Christoph Renzikowski: Demokratie in der Kirche – ein Dilemma; Bayern 19. April

Eine Äußerung von Kardinal Marx auf der Versammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern hat mich irritiert. Sollte er tatsächlich die Stellungnahme der Glaubenskongregation kritisiert haben mit den Worten „dass hier ein Sekretariat in Rom existiert, das weiß, was Gott will“, dann hat er sich als katholischer Theologe und Bischof disqualifiziert. Denn als solcher sollte er wissen, dass deren Verlautbarungen keineswegs nur bloße Meinungen oder Zwischenrufe eines kleinen Sekretärs sind, sondern Teil des ordentlichen Lehramts. Obendrein ist diese inkriminierte Verlautbarung ja vom Papst Franziskus ausdrücklich approbiert, der bereits im Lehrschreiben „Amoris laetitia“ schreibt: „Es gibt kein Fundament dafür, Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen bzw. zwischen diesen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie eine Analogie herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.“ Eine Spaltung der katholischen Kirche in Deutschland steht also nicht bevor, wie befürchtet wird, sondern besteht bereits, wenn man Äußerungen anderer Bischöfe hört.

Dr. Gottfried Noske

Wolfratshausen

Es ist außerordentlich lobenswert, dass sich das Landeskomitee der Katholiken in Bayern auch mit dem Thema „Demokratie in der Kirche“ beschäftigt, denn in der Tat: Nach demokratischen Strukturen sucht man in dieser von zölibatären Klerikern, nur Männer und keine Frauen, nach autoritären monarchisch-absolutistischen Regeln geleiteten Kirche vergeblich. Mit dieser Haltung ist die Kirche aus der Zeit gefallen und praktiziert einen fatalen Anachronismus im Zeitalter der Aufklärung, die eine menschenwürdige Demokratie einfordert. Aber das Fehlen demokratischer Strukturen ist meiner Meinung nach nicht das eigentlich Dilemma in der römisch-katholischen Kirche! Das wirkliche Dilemma ist die mangelhafte Ausrichtung der Kirche am Evangelium Jesu, der seinen Nachfolgern aufgetragen hat: „Liebet einander wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15,12) Und wie Jesus geliebt hat, das lässt sich leicht an seinem Evangelium ablesen. Jesu Lehre fordert nicht die Befolgung von starren Dogmen, Kirchenrechtsparagrafen und anderen Vorschriften wie sie Rom vorlegt, sondern ein Tun, eine Lebenshaltung und -ausrichtung, die der Aufforderung gerecht wird: „Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15.9). Jesus hat die Liebe gelebt! Er ersetzte den Mythos der Erlösung durch Krieg, Gewalt und geistliche Diktatur durch die Wahrheit der heilenden und befreienden Liebe, und wo in seinem Sinne geliebt wird, da ergeben sich menschenfreundliche und dem Gemeinwohl verpflichtende demokratische Strukturen von selbst. Die Kirche muss deshalb jesuanischer werden und weniger römisch katholisch. Dabei muss sie tatsächlich erst einmal „von der Welt lernen, wie etwa Macht klug kontrolliert und geteilt wird.“ (U. Nothelle-Wildfeuer).

Egon Weiß

Fraunberg

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