Priester und Mensch sein dürfen

Bischöfe beraten über Priestermangel; Bayern 7. März

Bei Kardinal Marx weiß man als katholischer Mensch, dass er in die Situation, in der er sich heute voller Sorge Gedanken wegen des Priestermangels macht, durch sein übernommenes hohes Amt gekommen ist. Ich hoffe, dass er die kleinen Artikel auf der Leserbriefseite von Ilse Sixt ebenso gerne liest wie ich, die den Standpunkt vertritt, Jesus war nicht nur mit Gottvater eins, sondern er war auch Mensch, und zwar vollumfänglich. Dieses Menschsein hat aber die Kirchenreform seinerzeit, als die Ehelosigkeit (Zölibat) Vorschrift wurde, Jesus abgesprochen. Die Männer der Klöster gingen die Ehelosigkeit freiwillig ein. Sie wollten sich neben dem Gebet mehr den wissenschaftlichen Studien widmen. Die Geistlichen aber, also die Diakone, Pfarrer und Bischöfe, die die Ehelosigkeit vielleicht dann doch eines Tages ablegen und heiraten wollen, verlieren (obwohl kirchenrechtlich 1972 neu geordnet) durch Verehelichung ihr innegehabtes Kirchenamt und dies zieht die Exkommunikation nach sich. Es kommt noch schlimmer. Vor drei Tagen war im Münchner Merkur zu lesen, der neunköpfige Kardinalsrat vertuscht Missbrauchsfälle, doch Franziskus habe die Entlassung mehrerer Missbrauchtäter im Namen der Barmherzigkeit rückgängig gemacht. Auch wenn das nicht zusammenhängt, sollten sich Änderungen herbeiführen lassen. Kein Pfarrer soll heiraten müssen, aber wenn er es möchte, sollte er Priester und Mensch sein dürfen. Im 1. Timotheus, im Neuen Testament (ziemlich weit hinten) steht bei 3,2: Ein Bischof soll untadelig sein, Ehemann einer einzigen Frau usw. – es lohnt sich das zu lesen. Bei „8“ heißt es dann: Ein Diakon soll nicht doppelzüngig sein, nicht gewinnsüchtig und wieder: „ein Diakon soll Ehemann einer einzigen Frau sein“ – „müssen“ steht nicht da! 

Hermine Kaiser Bad Wiessee

Es wird höchste Zeit, dass die katholischen Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung über den eklatanten Priestermangel diskutieren. Es ist bekannt, dass die Bildung von Pfarrverbänden, vor allen Dingen auf dem flachen Land zu einer erheblichen Ausdünung der Pfarrgemeinden geführt hat und der Gottesdienstbesuch stark rückläufig ist. Daran ändern auch die Wortgottesdienste nichts; denn ein Wortgottesdienst ist eben keine Eucharistie. Es steht nirgends in der Bibel geschrieben, dass ein Priester ein mehrsemestriges Hochschulstudium haben muss. In den frühen Jahrhunderten der Christenheit haben auch Laien die Eucharistie gefeiert. In jedem Dorf gibt es überzeugte und engagierte Christen. Wer z. B. einen Wortgottesdienst leiten kann, kann auch eine Eucharistie feiern. Man bräuchte diese Männer nur zu ordinieren und damit die entsprechenden Vollmachten zu erteilen. Über die Modalitäten sollte die Bischofskonferenz beraten. Um den Glauben auch weiterhin verkünden zu können, sollten die Ordinariate einen Redaktionsstab einrichten, der für die jeweiligen Sonntage einen Brief verfasst und an die Pfarreien versendet, damit diese vorgetragen werden können. Schließlich hat die Urkirche auch viel mit Briefen an ihre Gemeinden gearbeitet, wie wir ja heute noch oft in Lesungen hören. Sicherlich wäre dies eine große Hilfe, vor allem auf dem flachen Lande und würde wieder mehr Gläubige in die Kirchen führen. Es ist jedenfalls ein Jammer, wenn immer mehr Kirchen lehr stehen, nur weil unsere Kirchenleitung nicht flexibel genug ist. 

Dr. Rainer Schnabel Egmating

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gaffer und Störer zur Kasse bitten
Claudia Möllers: Polizei verschärft Kontrollen zur Rettungsgasse; Bayern 19./20. August
Gaffer und Störer zur Kasse bitten
Vermeidbar
Nina Gut: „Unbehandelt eine massive Gefahr“; Bayern 18. August
Vermeidbar
Kirche fehl am Platz
„Es ist ok, wenn jemand homosexuell ist“; Bayern 16. August
Kirche fehl am Platz

Kommentare