Die Kirche hat sich immer verändert

Claudia Möllers: Bischöfe streiten über Kommunion für Konfessionsverschiedene; Bayern 5. April

Es ist schon kurios, wie unsere katholische Kirche mit ihren Gläubigen umgeht. Man fragt sich, mit welchem Recht will man evangelische Christen ohne weiteres zum Sakrament der Hl. Kommunion zulassen, wenn man gleichzeitig die katholischen wiederverheirateten Gläubigen, die an ihrem Glauben festhalten wollen und Kirchensteuer bezahlen müssen, von der heiligen Kommunion bzw. allen Sakramenten ausschließt bzw. laut Kirchenrecht exkommuniziert? Zumal in der evangelischen Kirche jeder öfter kirchlich getraut werden kann, auch wenn er mehrmals geschieden ist. Wer kann das noch verstehen? Katholische- und evangelische Christen können sich annähern, aber nie wieder eine Gemeinschaft werden, den unsere Glaube basiert darauf, dass bei der Wandlung in der heiligen Messe, Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden, was für die evangelischen Christen nicht nachvollziehbar ist, oder wird das auch geändert ? Durch die Missbrauchsfälle und den Finanzskandalen hat unsere katholische Kirche ihr Gesicht und Glaubwürdigkeit verloren, man muss nun nicht den Anschein erwecken, den Verlust der enormen Kirchenaustritte mit den evangelischen Christen zu kompensieren. Der liebe Gott ist nach wie vor für uns Katholiken und Evangelen gleich, die katholische Kirche muss sich der Zeit anpassen und verändern, aber das Fundament unseres Glaubens, wozu die Sakramente gehören, sind nicht verhandelbar. 

Im übrigen, wie will man kontrollieren, ob ein katholischer oder  evangelischer Gläubiger zur Kommunion geht, das ist doch jetzt schon unmöglich,  oder bekommen wir Katholiken einen Anstecker oder müssen uns ausweisen um zur heiligen Kommunion gehen zu können 

Friedrich Kraus München

Einige erzkonservative Bischöfe scheinen genau zu wissen, bei wem und durch wen Jesus in der Kommunion wirken darf. Nun soll sogar ein aufgelockerter Bischofskonferenzbeschluss durch eine Eingabe nach Rom zurückgenommen werden. Damit soll weiterhin protestantischen Ehepartnern ein Kommunionsempfang verwehrt werden. Offensichtlich haben manche Würdenträger mit Ministergehältern Angst, dass mit einer Aufweichung kirchenrechtlicher Vorgaben auch ihre klerikale Vormachtstellung verloren gehen könnte. Wohl auch deswegen hält man krampfhaft am Zölibat fest, weil damit der Eintritt in den machtvollen Klerikerstand ermöglicht wird. Zur Aufrechterhaltung evangeliumswidriger Machtsysteme werden lieber klerikale Gastarbeiter aus Indien, Polen oder aus Schwarzafrika für klerikale Dienste hergeholt, anstatt bewährte Männer wie Frauen für die Anliegen Jesu zu berufen. Warum wurden nicht solche Themen bei der Frühjahrskonferenz angegangen, wodurch ein neuer Frühling in unseren Kirchen aufblühen könnte? Schon am Anfang der Bibel wird die gegenseitige Ergänzung von Mann und Frau als gut und gottgewollt hingestellt. Jesus selbst hat verheiratete Männer zu seinen engsten Nachfolgern berufen und statt Zölibat eine Verpflichtung zu einem einfachen Lebensstil und eine Abkehr von einem üblichen Abstands- und Herrschaftsdenken gefordert.

Hat nicht Jesus selbst solche Schranken abgebaut und Ausgestoßene und Randexistenzen hereingeholt? So manche bischöfliche Kommunionsverweigerer sind damit keineswegs echt konservativ, sondern eher Gefangene eines in der Geschichte entstandenes klerikalen Machtsystems. Bischofspalais, Purpurträger und Titel wie Eminenz und heiliger Vater sind mit dem was Jesus wollte nicht vereinbar. Es ist zu wünschen, dass im Zuge der Aufklärung der Missbrauchsfälle auch schädliche Machtstrukturen sowie eine evangeliumswidrige Ständeordnung zu Fall kommen und Räume für eine Jesus nahe Kirche entstehen, wo statt Macht und Ausgrenzungen wieder erlösende und heilende Aspekte erfahrbar werden.

Simon Kirschner Gaimersheim

Die offizielle katholische Kirche bzw. die Bischöfe in Deutschland sind nicht bekannt für große Fortschrittlichkeit. Da schaffen sie es tatsächlich mit 2/3 Mehrheit konfessionsverschiedene Christen, also Katholiken und Protestanten, in Einzelfällen gemeinsam zur Kommunion gehen zu lassen. Also ein Mini-Schritt von allem, was zur Erneuerung der Kirche notwendig wäre. Doch sieben Bischöfe scheren im Nachhinein aus, konkret alle amtierenden bayerischen Bischöfe außer ihrem Vorsitzenden Kardinal Marx. Es würde mich freuen, wenn meine Meinung veröffentlichen könnten. Man fragt sich, was in diesen Bischöfen vorgeht? Sie halten sich offenbar als besonders rechtgläubig, halten jede Veränderung für einen Glaubensabfall. Geistige Unterstützung erhalten sie vom Denken Josef Ratzingers als Papst, sowie von Kardinal Müller, den Franziskus kaltgestellt hat. Sie wollen also päpstlicher sein als der zu Reformen aufrufende Papst. Sie fühlen sich als die letzten Hüter der Wahrheit. Verbohrt in ihre bischöflichen Rituale halten sie sich für besonders fromm. Ihr Denken und ihre Vorstellungskraft beschränkt sich offenbar auf das, was sie für orthodoxe Prüfungen auswendig gelernt haben. Außerdem müssen sie im Studium übersehen haben, dass a l l e Glaubensinhalte von Menschen formuliert und anschließend als der Wille Gottes verkündet wurden. Sie übersehen, dass sich die Kirche immer verändert bzw. weiterentwickelt hat, zu dem, was sie heute ist. Was sich entwickelt hat, muss sich auch weiterentwickeln, sonst stirbt es aus. An diesem Punkt ist die Kirche angelangt. Den meisten Bischöfen, nicht nur den 7, ist nicht klar, dass die altorientalische Vorstellungswelt, in der zum Beispiel das Glaubensbekenntnis abgefasst ist, Geschichte ist, keine Gegenwartsbedeutung mehr hat. Man denke an den jahrhundertelangen Streit um die sog. Dreifaltigkeit. Heute christlicher Glaubensinhalt, im Gegensatz zum Islam, der in den damaligen Auseinandersetzungen bei e i n e m Gott geblieben ist. Und wen interessiert die heiligste Dreifaltigkeit heute noch? Überholte Vorstellungen sollte man Geschichte sein lassen, Neues muss sich entwickeln können. Oder, wie es der einst berühmte Theologe Hubertus Halbfas (Jahrgang 1932) formuliert hat: Dass sich das Christentum neu erfinden muss! 

Lorenz Huber Altomünster-Asbach

Auch interessant

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.