Katholische Kirche und Holocaust

„Zollitsch über Papst irritiert"; Bayern 30. Januar, Claudia Möllers: „(Un-)Friedensgeste"; Kommentar 27. Januar, „Protest gegen Papst"; Politik 26. Januar

„Zum Verständnis des Geschehens im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft ist es wichtig, sich klarzumachen, welche Perspektiven hier herrschen: Es ist nicht die Piusbruderschaft, die nach Anerkennung durch den Papst strebt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Piusbruderschaft, die sich nach wie vor als in der vollen Wahrheit stehend betrachtet, im Gegensatz zum abgefallenen Rest der Kirche, erkennt den Papst an, insofern er sich mit seinen Schritten des Entgegenkommens allmählich auf den in ihren Augen rechten Weg macht. Da die Piusbruderschaft ihre ganze Identität aus der Ablehnung des zweiten Vatikanums und aller damit zusammenhängenden Reformen schöpft, kämen jegliche Zugeständnisse ihrer Seite einer Aufgabe ihrer Wahrheit gleich. Folglich wird wie bisher hier nichts zu erwarten sein. Wer also mit diesen Leuten Gemeinschaft haben will, wird diese letztlich nur um den Preis der Unterwerfung unter ihre Auffassungen bekommen. Papst Benedikt XVI. scheint dazu bereit zu sein."

Markus G. Grimm

Referent für religiöse Bildung

Erzbischöfliches Jugendamt

München

„Offensichtlich ist in diesem Zusammenhang einem Großteil der ,politisch Korrekten‘ das Hirn entgleist! Denn hier werden Dinge in Zusammenhang gebracht, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Bei der damaligen Exkommunikation, das bedeutet Ausschluss einer Religionsgemeinschaft, spielte ausschließlich das Kirchenrecht der katholischen Kirche, noch dazu in einem untergeordneten Rahmen, eine Rolle. Dabei ging es in erster Linie um die formale Ausübung der Liturgie. Hier hat der Papst eine Entscheidung seines Vorgängers zurückgenommen, die er heute nicht mehr für richtig hält. Was aber hat diese Entscheidung mit den törichten, in Deutschland sogar strafbaren Äußerungen eines Einzelnen unter der Gruppe der Betroffenen zu tun? Wird etwa ein israelischer Soldat, der sich eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht hat, aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgestoßen? Er wird nach dem Staatsrecht verurteilt – auf die Mitgliedschaft in seiner Religionsgemeinschaft hat das wohl keine Auswirkung. Und das ist in allen Religionen so. Man stelle sich vor, in Deutschland wird das Rauchen am Steuer verboten – bei Frau Bätzing können wir ja darauf warten – und ein Radargerät hat nachweislich falsch gemessen: Vier Autofahrer wurden mit 20 Kilometer zu schnell gemessen, aber drei werden von diesem Vorwurf freigesprochen, nur der vierte nicht, weil er geraucht hat!"

Helmut Waldsinger

Moorenweis

„Bei den einschlägigen Stellungnahmen zum schismatischen Bischof Williamson wird viel zu wenig beachtet, dass sich die Leugnung des Holocaust auch gegen die Kirche und vor allem gegen Papst Pius XII. richtet. Nicht umsonst arbeitete der damalige Papst mit der deutschen Militäropposition um Generaloberst Beck zusammen, um den Diktator loszuwerden. Es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn damals die Zusammenarbeit des Papstes mit den deutschen Verschwörern bekannt geworden wäre. Der Papst gefährdete damit nicht nur sich, sondern die Kirche in ganz Europa. Die vielen stillen Hilfen für alle Verfolgten – Juden, Christen und Kommunisten – wären nicht mehr möglich gewesen. Es wären noch viel mehr Menschen dem Tod anheimgefallen. Die spätere israelische Außenministerin Golda Meir hat das 1958 beim Tod des Papstes anerkannt und dankte für die Rettung vieler Juden. Sie sagte unter anderem: ,Als unter den nationalsozialistischen Jahrzehnten unser Volk ein schreckliches Martyrium überkam, hat sich die Stimme des Papstes für die Opfer erhoben.‘ (Pinchas Lapide: Rom und die Juden). Der damalige Oberrabbiner von Rom schrieb: ,Im Laufe der Geschichte ist kein Held so bekämpft worden wie Pius XII., der im Namen der Nächstenliebe so geholfen hat.‘ Der damalige Papst und seine Priester hätten nicht so viel riskieren müssen, wenn es keinen Holocaust gegeben hätte."

Dr. Eduard Werner

Andechs

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