Krampfhenne

Dirk Walter: „Saludos Amigos!“; Bayern 14. Februar

Über den Charme verbaler Perlen von Aschermittwochsreden sollte man nicht streiten. Streibls bayerischen Ausdruck „Krampfhenne“ pauschal als diffamierend und Schmutzelei zu dekretieren, erachte ich dann doch als reichlich unpassend. Sehen Sie, es gab vor nicht allzu langer Zeit weit oben im Norden eine Großveranstaltung, bei der dort eingesetzte Polizeieinheiten unter größtem Risiko für eigene körperliche Unversehrtheit und Leben in beispielhafter Weise den öffentlichen Raum von brandschatzenden und plündernden linken Chaoten freikämpften. Und in der Folge hatte eine hochrangige Politikerin der Linken in diesem Zusammenhang nichts Besseres zu tun, als von „marodierenden Polizeiverbänden“ zu halluzinieren! Erst unter massivem öffentlichem Druck der sozialen Netzwerke relativierte sie sinngemäß, mit dem Hinweis, sie hätte sich wohl im semantischen Gestrüpp verirrt. In weiten Bereichen der ober-, mittel- und niederbayerischen Lebenswirklichkeit wird eine solche weibliche Person immer noch als Krampfhenne bezeichnet. Dabei konzediert der Terminus einerseits völlige fachliche Inkompetenz hinsichtlich eines abgegebenen Werturteils, bei gleichzeitiger Wahrung der erforderlichen Resthöflichkeit im sprachlichen Umgang. So viel zur Konnotation in diesem speziellen Fall. Also besuchen Sie mal wieder Veranstaltungen, bayerischer Vereine und Organisationen, bei denen von der heimischen Bevölkerung Brauchtum und bayerische Lebensart gepflegt werden. Ja, ja, die gibt’s es noch - ständig, über das ganze Jahr verteilt. Sie werden sehr schnell lernen, dass die volkspädagogisch motivierte, moralisierende Sprache Hoch- und Dauerempörter, die sich anmaßen, zu bestimmen, was sprachlich erlaubt ist, dort keinen Rückhalt genießt. 

Manfred Huber München

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