Wichtiges Symbol

Politische Debatte um das Kreuz im Gerichtssaal; Bayern 23. Januar, Richter hängt Kreuz im Saal ab; Bayern 13./14. Januar

Bayern ist ein säkularisiertes Land, Staat und Religion sind getrennt. Die katholische Kirche und die CSU aber führen sich so auf, als ob es diese Trennung nicht gibt. Deshalb mein großer Respekt für diesen aufgeklärten Miesbacher Jugendrichter, der vor einem Prozess gegen einen jungen Moslem das christliche Symbol Kruzifix aus dem Gerichtssaal entfernen ließ. Und Anerkennung vor allem auch, dass er konsequenterweise das Kreuz jetzt gar nicht mehr aufhängen lassen will. Auch Symbole der Moslems und anderer Religionen haben im Gerichtssaal nichts zu suchen. Dem Juristen aus Oberland ist nur zu wünschen, dass er trotz aller Anfeindungen standhaft bleibt und weiter Recht gemäß unserer Verfassung spricht. Ohne Kreuz. 

Peter Kühn München

Das Kreuz mit dem Kreuz: Ein Blick ins Gesetz verdeutlicht, dass neben unserem Grundgesetz die Zivilprozessordnung, die Beamten- und Richtergesetze und das Soldatengesetz zum Thema der Religionsfreiheit sehr offen sind und jedem anders Gläubigen oder Denkenden das Recht geben, zum Beispiel in der Eidesformel von der religiösen Beteuerung „so wahr mir Gott helfe“ Abstand nehmen zu können. Soweit es im Fall des Richters Klaus-Jürgen Schmid darum geht, ob er im Rahmen seiner richterlichen Unabhängigkeit befugt war, das Kreuz in der besagten Verhandlung aus Rücksichtnahme zur religiösen Befindlichkeit des Beschuldigten abzunehmen, wird man dies wohl bejahen können, wenn‘s, wie es so schön heißt, „der Wahrheitsfindung dient“. Ich bezweifle allerdings, ob eine dauerhafte Entfernung des Kreuzes (wie es wohl Herr Schmid vor hat) von der richterlichen Unabhängigkeit noch gedeckt ist. Die Frage ist auch, was geschieht, wenn ein anderer Richterkollege in seiner Verhandlung das Kreuz, das ja auch ein Symbol für Gerechtigkeit ist, wieder anbringen möchte? Soweit der materielle Aspekt dieser Angelegenheit zur Aktion von Herrn Schmid. Ob diese auch das Prädikat von sozialer Kompetenz, Beachtung der Wertvorstellungen vieler Menschen in unserem Land und Feinfühligkeit für sich in Anspruch nehmen darf, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin der Ansicht, dass das Kreuz an der Wand ebenso wie die Kirche im Dorf Teil unserer christlich-abendländischen Kultur sind und auch heute noch ihre Berechtigung in unserem sozialen Leben haben. Das Kreuz, wo auch immer, gehört seit über 2000 Jahren zu unserer Geschichte und das sollte als Symbol auch so bleiben und ich würde es auch nicht wegen Befindlichkeiten Andersdenkender abnehmen. Diesen Respekt sollte jeder, der zu uns kommt oder anders denkt, erbringen. Dazu ein anglifiziertes Zitat, das dem hl. Ambrosius, 4. Jh. n. Chr. zugeschrieben wird: „When in Rome do as the Romans do“ (wenn Du in Rom bist, tue es den Römern gleich). An die Adresse von Herrn Schmid und die Jungen Liberalen – lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf – dadurch wird wohl niemand seelischen Schaden nehmen! 

Frank Dopfer Hohenschäftlarn

Das Abhängen des Kreuzes durch den Jugendrichter Herrn Klaus-Jürgen Schmid konnte ich zum Teil noch nachvollziehen. Es fällt mir jedoch schwer zu glauben, Nichtchristen könnten die Unabhängigkeit bzw. Neutralität unserer Justiz durch das seit Jahrzehnten im Gerichtssaal hängende Kruzifix anzweifeln. Die aktuelle Entscheidung, das Kreuz einfach nicht mehr anzubringen, macht mich jedoch sehr betroffen. Mir als Christin ist das Symbol meines Glaubens sehr wichtig! Sollte ich je vor Gericht erscheinen müssen, hoffe ich, es wird ein Kreuz im Raum sein. Es würde mir helfen, mich trösten und Kraft geben, mit der für mich ungewohnten und schweren Situation fertigzuwerden. Ein öffentliches Gespräch oder eine Diskussion zur aktuellen Situation mit unseren Seelsorgern wäre sicher für viele Christen in Miesbach und Umgebung sehr hilfreich. 

Walburga Schindler Miesbach 

Oh Heimatland, san mir beinand – der Miesbacher Richter Klaus-Jürgen Schmid hatte über einen radikalen Muslim zu urteilen und ließ bei der Verhandlung das Kreuz im Saal abhängen, weil er dem Angeklagten verdeutlichen wollte, dass kein religiös motiviertes Verfahren stattfindet. Auch das Justizministerium befürwortete diese Entscheidung mit der Begründung, dass das Kreuz „eine unzumutbare innere Belastung darstelle“, und dies bei einem Angeklagten, der einem Landsmann gegenüber Todesdrohungen ausgesprochen haben soll, weil dieser in die Kirche gehe. Bislang war das zumindest in Miesbach nie nötig und Richter Schmid sagt sogar: „Bislang ist mir das Kreuz noch gar nicht aufgefallen. Es hängt ja hinter mir.“ Wohlgemerkt eine Aussage, die blöder nicht zu tätigen ist, von einem vermeintlich gebildeten Staatsdiener. Wenn Angeklagte das Recht hätten, sich ihre Richter selbst auszusuchen, wäre dieser Mann sehr schnell arbeitslos. 

Anton Krahl Kirchdorf an der Amper

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