Kritik an Stoibers Startbahn-Hilfe

„Stoiber wirbt für 3. Startbahn“; Bayern 31. Januar

 „Ich finde Herrn Stoibers Begründung für die 3. Startbahn mindestens so originell wie seine damalige Werberede für den Transrapid. Köstlich: ,Ihr müsst entscheiden: Will ich Bayernliga oder Champions League spielen?‘ Erstaunlich: FMG Chef Kerkloh benutzte unlängst die gleiche Metapher. Wer entscheidet eigentlich, wo Herr Stoiber spielen will? Und dabei spricht er die politische Wahrheit aus: Es geht bei der 3. Startbahn nicht um einen seriösen Bedarf. Es geht darum, dass München nicht ,Potenz an Frankfurt‘ verliert. Dabei spielt es offensichtlich keine Rolle, dass durch diesen Größenwahn tausende Bürger durch noch mehr Lärm und Luftverschmutzung ihre Lebensqualität und Gesundheit verlieren, dass unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden und dass eine Kultur-, Schul- und Universitätsstadt wie Freising sowie das Flughafenumland die unsäglichen Belastungen durch einen staatlich geförderten und dadurch künstlich erzeugten Mehrbedarf ertragen müssen. Und am Ende werden wir Bürger dies mit unseren Steuern auch noch selbst bezahlen müssen! Wann endlich hört dieser Wahnsinn auf?“

 Bernard Müller Freising



„Nun wissen wir es: Damit der Freistaat Bayern weiter in der Champions League spielen kann, brauchen wir nach Auffassung von Herrn Stoiber die 3. Start- und Landebahn beim Flughafen München. Er hat offenbar seinen eigenen Abstieg aus der Bayernliga noch nicht verkraftet und träumt der Parteijugend vor, dass der Standard von Bayern nur mit dieser Bahn gehalten werden könne. Wie armselig muss eigentlich ein Land sein, wenn die Qualität ihrer Infrastruktur in erster Linie von einer 3. Start- und Landebahn abhängt, die Menschen verachtende Folgen für die Umgebung mit sich bringen würde. Ist es Champions League, wenn vom Münchner Flughafen aus jeder hinterste Winkel in Afrika und Asien direkt erreichbar ist. Die wichtigen Ziele werden bereits jetzt angeflogen, regelmäßig und mit wechselhaftem Geschäftserfolg, wie die Zahlen der vergangen Jahre beweisen. Und warum spielt eigentlich das Land Hessen nicht in der Champions League, um im Bild von Herrn Stoiber zu bleiben, obwohl es dort einen wesentlich leistungsfähigeren Flughafen als in Bayern gibt? Wie glaubwürdig ist eigentlich ein ehemaliger Ministerpräsident, der es in seiner Amtszeit nicht geschafft hat, den Flughafen vom Osten her einigermaßen akzeptabel an Straße und Schiene anzubinden. Manche Politiker träumen halt von Champions League und fordern Leuchtturmprojekte. Die Leuchttürme müssen aber hoch genug sein, damit man nicht sieht, wie mangelhaft diese Politiker teilweise ihre Hausaufgaben im Alltag erledigen. Herr Stoiber peitscht entgegen früherer Aussagen wieder ein, er fordert die 3. Start- und Landebahn. Das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren ist uninteressant, ein belastbarer Finanzierungsplan ebenso. Wen interessieren solche Petitessen, wenn es die Champions League sein muss. Das Landesbankdesaster lässt grüßen. Die Flughafenmanager müssen sich warm anziehen, sie werden die Verantwortung für ein weiteres Desaster übernehmen müssen, weil Herr Stoiber und andere Einpeitscher angeblich nicht an den Entscheidungen beteiligt sind. Sie zündeln nur. Sollte es anfangen zu brennen, machen sie sich vom Acker. Sollen doch andere löschen und für die Brandfolgen aufkommen. Wer aus der Bayernliga abgestiegen ist, sollte zunächst einmal kleinere Brötchen backen. Der Traum vom Bau einer 3. Start- und Landebahn als Voraussetzung für den Aufstieg in die Champions League vereinen Größenwahn und Realitätsferne.“

 Herbert Knur Berglern

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